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70 Jahre Stephen King: Vom Sozialfall zum Star-Autoren

Natürlich war es seine Frau, die erkennen musste, dass King mit dieser Ansicht verdammt falsch lag. Tabitah war es in dieser Phase ihrer Ehe bereits gewohnt, Stephens Dreck wegzuräumen. Aber neben Bierdosen und Kippen fand sie im Mülleimer eben auch das Manuskript von „Carrie“. Sie hatte schon einige seiner Schubladen-Romane gelesen, vielleicht auch einige seiner Mülleimer-Romane, bei dieser Story wusste sie, dass sie einschlagen könnte.

Nach der Familien-Standpauke ging King in die Verhandlungen mit Verlagen. Doubleday druckte ein Hardcover, es verkaufte sich 1974 mäßig. Als Taschenbuch erschien „Carrie“ ein Jahr später. Das verkaufte sich mehr als 16 Millionen mal.

Heute, 45 Jahre nach dem „Wäschemangler“, 43 Jahre nach „Carrie“ und mehr als 350 Millionen abgesetzte Bücher später, freuen wir uns auf unseren „alljährlichen King“. Seit seinem Debüt ist nicht ein Jahr verstrichen, an dem der Mann kein Werk veröffentlicht hat, in seinem produktivsten Jahr 1987 brachte er gar vier Romane heraus.

Kings Kollege, der notorische Langsamschreiber George R.R. Martin („Game Of Thrones“) brummte ihn unlängst bei einer Diskussionsrunde an: „Wie kann man nur so verdammt viel so schnell veröffentlichen?“ Fantasy-Autor Martin ist am Verzweifeln, sein jüngster „A Song Of Ice And Fire“ – Roman, der fünfte von sieben angedachten, erschien bereits 2011. Seitdem spürt er den Atem von ungeduldigen Fans im Nacken.

King dagegen hat in den vergangenen sechs Jahren schon acht Bücher publiziert.

Stephen King ist der populärste Vielschreiber des Literaturbetriebs und er ist damit ein Begleiter unseres Alltags. Wir kennen ihn gut, weil er nie Scheu zeigte, die Tiefschläge seines Lebens in den Erzählungen zu verarbeiten. Nicht nur seinen McJob beim „Wäschemangler“. Sondern auch die Alkoholabhängigkeit, die zu Gewalt in der Familie führte („Shining“), sein Kokainmissbrauch („Sie“), die Furcht vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit („Stark –The Dark Half“), die Angst vor dem Alter („Insomnia – Schlaflos“), oder die Befürchtung, zum Sklave seines Mobiltelefons zu werden („Puls“). Die meisten seiner Ängste sind uns nicht fremd.

Zur Beruhigung: Eine seiner frühesten Ängste, an denen Stephen King uns teilhaben lässt, schilderte er so: „Ich erinnere mich an die Dunkelheit, an das Gefühl zu ersticken …“ – um dann aufzuklären: Die Babysitterin war schuld. Sie, zwei Zentner schwer, hatte sich auf den kleinen Steve gesetzt und dann gefurzt. Wann immer sie konnte. Wie die Fantasie von Kindern gefördert wird, wie man zum Horror-Schriftsteller wird: Es klingt alles so einfach, so folgerichtig, und doch alles so banal. Vielleicht lachen die Figuren in Kings Romanen deshalb, trotz der erlebten Gewalt, so oft vor sich hin.

Er hat seine Ängste selbst besiegt

Aber selbst, wenn King die härtesten der harten Monster auspackt, die Werwölfe, Vampire und, äh, Clowns, dann sind das bei ihm keine abstrakten Wesen. Die Faszination von „Es“ besteht darin, dass die ikonischste Figur in Kings Schaffen, der kinderfressende Clown Pennywise, erst durch die Ängste der Kinder seine Bedrohlichkeit entwickelt. Das Ding aus dem All nimmt die Gestalt derjenigen Figur an, vor der wir uns am allermeisten fürchten – wir selbst initiieren den tödlichen Horror. Im Grunde haben wir die Kontrolle über das Böse.

Auch King hatte sich stets selbst am Schopf gepackt, um seine Ängste und Süchte zu besiegen. Seine „Shining“-Fortsetzung „Doctor Sleep“ lässt sich als Lobpreisung der Anonymen Alkoholiker lesen; die Selbsthilfegruppe hält unseren Helden, den mittlerweile erwachsenen Hellseher Danny Torrance, in der Spur.

Es ist böse Ironie: Als King einmal wirklich an der Schwelle zum Tod stand, hatte er sich daran nichts vorzuwerfen. 1999 war er als Fußgänger auf einer Landstraße bei seiner Heimatstadt Bangor unterwegs, als ihn ein Kleinbus erfasste. Der Fahrer hatte sich von seinem Hund im Führerhaus ablenken lassen.

King überlebte knapp. Seine Lunge kollabierte, die Amputation eines Beins drohte, er wurde fünfmal in zehn Tagen operiert. Die Arbeit im Sitzen wurde zur Qual, die Schmerzen gingen nur langsam zurück; 2002 kündigte er an, mit dem Schreiben aufzuhören.

Das sagte er vor 15 Jahren. Seitdem hat King 19 Bücher veröffentlicht.

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Ulf Andersen Getty Images


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