Sade – Lovers Rock

Die Qualität derentwegen man diese Platte jedem empfehlen kann, ist dieselbe, die vom Kauf abraten lässt: Nichts scheint sich je zu ändern in der Welt von Sade Adu. Die Dame, wie früher nach außen kühl, mondän, unnahbar, ganz Luxusgeschöpf, in Wahrheit jedoch eher schüchtern und öffentlicher Zurschaustellung abhold, erweist sich ein weiteres Mal resistent gegenüber Moden und Mätzchen. „Lovers Rock“, übrigens nur über sieben Ecken verwandt mit dem süß-sinnlichen Reggae-Stil gleichen Namens, ergeht sich in gewohnt lasziver, bungiger Langsamkeit, und Sade singt, wie Scully spricht: leise, verhalten, prononciert. Eine halbe Tönung dunkler ist ihre Stimme geworden, gleichzeitig weniger rauchig, was nur scheinbar ein Widerspruch ist. Die Nachtclubs wird es nicht stören.

Linde Grooves, lakonische Balladen, sparsame Arrangements. Nur „The Sweetest Gift“ geht nahe, ist mehr als gefühlsneutral. Sade ungeschützt, nur zwei Minuten lang, zwischen sich und der Neugierde des Zuhörers nur eine einsame Akustik-Gitarre, deren defensives Plingpling bohrende Blicke in entlegenere Herzwinkel nicht zu verstellen vermag. Herausragend in musikalischer Hinsicht indes ist ein anderer, für Sades Verhältnisse hochpolitischer Cut: „Immigrant“. Furcht und Beklemmung, gekleidet in stoisch-maschinelle Beats, atmosphärisch bedrohliche Akkorde, tonlos-verhallte Roboter-Phrasierung und gespenstischen Backing-Gesang, hinterlassen Risse im sorgsam gepflegten Image des von keinerlei Selbstzweifeln angekränkelten smooth Operator.

Haarrisse. Nichts Verherrendes wie Spliss. Kein Aufstand im Schminkköfferchen mithin. Sade weiß das sehr zu schätzen: Konstanz und Kontinuität „Ich bin kein sprunghafter Typ. Im Zweifel entscheide ich mich stets für das Bewährte.“ Weshalb sie so selten ins Studio gehe. „Würden wir die Welt mit Sade-Platten überschwemmen, würden die Leute einschlafen.“ Das Risiko besteht indes auch nach sieben Jahren.

Der Rest ist also Old-School-Sade. Verschlafene Bassläufe, daunenweiche Balladen, Boudoir-Balzen, eingängige Jazz-Akkordik und Keyboards zwischen Kirche und Hotel-Lobby. Die Frage ist: Wie viele Sade-LPs braucht der Mensch? Eine? Dann „Diamond Life“, bitteschön. Vier? Na schön, dann auch Rovers Rock“. Mehr aber ganz bestimmt nicht

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