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Berlinale 2016: „War On Everyone“ – absurder Höllenritt durch den amerikanischen Cop-Traum

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Berlinale 2016: „War On Everyone“ – absurder Höllenritt durch den amerikanischen Cop-Traum

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Die Geschichte von „War On Everyone“ ist simpel und schnell erzählt: In einem Amerika (Albuquerque, New Mexico), in dem die Drinks zu stark, der Himmel zu blau, die Frauen schön und schlau und die Bösen besonders böse sind, sorgen die beiden Cops Bob (Michael Peña) und Terry (Alexander Skarsgård) auf Ihre ganz eigene Weise für Ordnung. Die beiden Polizisten halten dabei wie Pech und Schwefel zusammen und haben wahrscheinlich die schönste On-Screen-Bromance seit wir Starsky and Hutch oder Jake und Ellwood in „Blues Brothers“ gesehen haben.

Zu Höchtstformen laufen sie dann auch besonders auf, wenn sie allen, die ihnen begegnen, sofort einen Spruch um die Ohren hauen, der meistens so hart trifft wie ein rechter Haken von Muhammad Ali. Gäbe es einen Oscar für den Film mit den meisten intelligenten Beleidigungen von Randgruppen: „War On Everyone“ würde ihn gewinnen. Hier wird niemand verschont: Dicke, Schwarze, Mexikaner, Asiaten, Isländer, Japaner, Stephen Hawking – keine Randgruppe, die nicht auch noch ihr Fett weg bekommt und das jedes Mal auf so eine charmant intelligente Art und Weise, dass man den beiden nie richtig böse sein.

Harte Schale, weicher Kern

Der Gerechtigkeit zuliebe zeigt Regisseur John Michael McDonagh in seinem Film dann aber auch die verletzliche Seite dieser harten Kerle. Der von Skarsgård dargestellte Terry trinkt gerne zu viel und hat sich für den Soundtrack seines Lebens den schnulzigen Country-Sänger Glen Campbell außerwählt. So verbirgt sich hinter dem sich ständig prügelnden und um sich schießenden Kerl am Ende doch ein sehr weicher Typ, der eigentlich nur geliebt werden möchte. Bob hingegen ist glücklicher Familienvater, dem allerdings von seinen zwei Söhnen und seiner schlauen Frau regelmäßig klargemacht wird, wo sein Platz ist und der in einer Diskussion über Simone de Beauvoir sofort den Kürzen zieht.

Wie in jeder guten Cop-Story gibt es auch bei „War On Everyone“ die richtig bösen Gegner, die besiegt werden müssen. Hier verliert der Film dann auch leider zum ersten Mal etwas an Kontur – und man hat das Gefühl, dass McDonagh der Nebenstory nicht die gleiche Aufmerksamkeit entgegenbringt wie seinen beiden Hauptcharakteren, die in jeder Nuance Tiefe haben. „War On Everyone“ ist immer dann am besten, wenn wir Bob und Terry in Action sehen und ihnen beim Kampf für das Gute sogar bis nach Island folgen (lautes Lachen im Berlinale-Kino).

An manchen Stellen wird der Film dann allerdings auch zur amerikanischen Satire und Gesellschaftskritik, wenn Witze über rassistisch motivierte Polizisten gemacht werden und das Duo über Kollegen feststellt: “We’re surrounded by big fat racist pigs”. Ein Schelm, wer hier an die Aufstände in Ferguson denkt. Hier gilt dann auch die alte Regel: In jedem komischen Moment steckt auch immer ein kleines bisschen Wahrheit. Und der Teufel steckt im Detail und den Zwischentönen.

Starke Frauenfiguren

Bemerkenswert ist an „War On Everyone“ auch, dass die weiblichen Charaktere anders als die Bösen sehr differenziert ausgearbeitet sind und das nötige Gegengewicht zu den beiden Machos bilden, weil sie ihnen trotz ihrer Schönheit und Sexyness intellektuell haushoch überlegen sind. Die neue Freundin von Terry (großartig dargestellt von Stephanie Sigman) liest feministische Theorie und beschehrt uns dann gleichzeitig eine der cool-romantischsten Tanzszenen zu “Like a Rhinestone Cowboy”, die man, seit John Travolta und Uma Thurman gemeinsam in „Pulp Fiction“ getanzt haben, nicht mehr so gesehen hat.

Momente wie dieser lassen einen dann auch glauben, dass dieser Film das Potential zum Klassiker haben könnte. Wenn Campbell singt: “Like a rhinestone cowboy, riding out a horse in a star-spangled rodeo” steckt darin auch irgendwie die Sehnsucht, das alle Probleme des Lebens schnell gelöst werden können, durch die beiden Cowboys Bob und Terry, die in bester amerikanischer Tradition in den Kampf gegen das Böse reiten. Amerikanischer als „War On Everyone“ wird es wohl auf der diesjährigen Berlinale nicht mehr werden. Dieser Film ist wie ein doppelter Cheeseburger mit Pommes und Milkshake, ein guilty pleasure, das man manchmal einfach braucht und genießt. Am nächsten Tag gibt es dann wieder gesunden Salat und ernsthafte Filme, die einen dann aber auch noch mal spüren lassen, wie wichtig es ist, das Leben nicht immer zu ernst zu nehmen.

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