Bundestagswahl: ROLLING STONE stellt Olaf Scholz (SPD) 10 Pop-Fragen


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1. Was war Ihre erste selbst gekaufte Platte?
Ich bin nicht sicher, aber glaube doch The Beatles: „Let It Be“.

2. Haben Sie ein absolutes Lieblingsalbum, zu dem Sie immer wieder zurückkehren?
Ich mag Rock, Jazz, Klassik. Da wird eine solche Reduzierung vieler gern gehörter Musik dem nicht gerecht.

3. Welches Album haben Sie sich zuletzt gekauft, in welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Beides ist wegen Corona etwas her. Mit meiner Frau, Britta, war ich davor beim Festival Jazz Baltica – daran habe ich sehr gute Erinnerungen. Und an mein letztes Konzert in der Berliner Philharmonie denke ich auch gern zurück, mit Kirill Petrenko am Dirigentenpult.

4. Bei welcher Musik sagen Sie Ihren Kindern oder Eltern, dass sie das bitte leiser drehen sollen?
Das mache ich nicht, da bin ich entspannt.

5. Waren Sie mal Teil einer Subkultur oder Protestbewegung? Wenn ja, welcher?
Gelten die Jusos der 70er-Jahre als Subkultur? Da war ich jedenfalls stark engagiert und auf Anti-Atomkraft-Kundgebungen und Friedensdemonstrationen.

6. Wenn Ihre Partei eine Band wäre, was wären Sie dann: Schlagzeuger, Basser,Keyboarder, Gitarrist, Leadsänger? (Bitte ein Begründungssatz.)
Im Augenblick sicherlich der Leadsänger – als Kanzlerkandidat steht man ganz vorn.

7. Welcher Songtext oder Satz aus einem Song könnte ein guter Slogan für Ihren Wahlkampf sein?
„Don’t stop thinking about tomorrow“ (Fleetwood Mac).

8. Was ist die wichtigste kulturpolitische Maßnahme nach der Pandemie?
Der Veranstaltungsfonds, den wir gerade aufgelegt haben. Er soll die Planung von Konzerten und Festivals absichern, damit Künstlerinnen und Künstler wieder Auftritte anpeilen können, auch wenn nicht sicher ist, ob Corona das am Ende zulassen wird. Ich freue mich, dass seit ein paar Wochen Konzerte und Live-Auftritte wieder möglich sind. Und wir müssen alles dafür tun, dass das so bleibt.

9. Was sind die drei drängendsten Probleme der Kulturpolitik?
Die lange Auszeit und Verunsicherung durch Corona in der gesamten Branche. Wir brauchen die Kultur als Inspiration und Katalysator von gesellschaftlichen Debatten. Die langfristige Finanzierung von Kulturangeboten. Kultur ist Ländersache – aber auch Staatsinteresse. Deshalb wollen wir Kultur als Staatsziel im Grundgesetz verankern. Die Arbeits- und Lebensbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern. Wir müssen sie so absichern, dass sie nicht ins Bergfreie fallen. Dazu schlagen wir in unserem Zukunftsprogramm eine Öfnung der sozialen Sicherungssysteme zur freiwilligen solidarischen Absicherung vor. Das muss künftig ein fester Teil unseres Sozialstaats werden.

10. Sollte Popkultur wie Theater und klassische Musik stärker gefördert werden?
Für ganze viele in Kultur und Kreativwirtschaft waren die letzten anderthalb Jahre unglaublich hart. Es sind ja nicht nur von einem auf den anderen Tag alle Einkünfte weggefallen, sondern es wuchs auch der Zweifel, ob die Politik im Notfallmodus diese sehr besonderen Bereiche überhaupt richtig im Blick hat. Das treibt mich schon um. Deshalb ist es mir wichtig zu sagen: Kultur ist kein Beiwerk. Wenn wir eine Gesellschaft des gegenseitigen Respekts wollen, dann ist das eine Frage der Kultur unseres Miteinanders, und dann geht es maßgeblich um die Geschichten, die wir uns erzählen, und um den Sinn, den wir miteinander erzeugen. Ich finde, dass wir als ganze Gesellschaft in der Verantwortung stehen, die Bedingungen der Kultur zu sichern – mit guter Förderung und vor allem mit besserer sozialer Absicherung.