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Der grazile Riese: Zum Tod von James Gandolfini


Wir „Sopranos“-Süchtigen haben nie gemerkt, dass wir beinahe nichts über James Gandolfini wussten – denn Gandolfini war in einer Weise eins mit Tony Soprano, wie es nur Larry Hagman mit J.R. Ewing war. Doch während Hagman lustvoll eine Comic-Figur skizzierte, malte Gandolfini an einem Fresko menschlicher Leidenschaften, Mängel und Abgründe, einem Renaissance-Menschen, einer Shakespearschen Gestalt.

Tony Soprano ist der mittelständische Unternehmer, der es mit „Abfallbeseitigung“ zu Reichtum gebracht hat, ein amerikanischer Patriot, der Italiener sein will wie seine Vorfahren, aber nicht Italienisch spricht, ein Macho und Choleriker mit labiler Psyche und Hang zur Sentimentalität, ein Grobian und Alpha-Tier mit Bauernschläue und Instinkt. In Shorts, Feinripp-Unterhemd und Bademantel schlurft er zerzaust zum Kühlschrank seiner Neureichen-Villa, in der sich der schlechte Geschmack seiner duldsamen Frau Carmela austobt, in bunten Seidenhemden sitzt er breitbeinig bei der Psychotherapeutin Dr. Melfi, die er umgarnt und schockiert wie ein großer Junge, launisch, charmant und zu allem fähig. Diese große Liebesgeschichte bleibt in den „Sopranos“ ohne Erfüllung, obwohl Lorraine Bracco mehr als fasziniert ist von der zärtlichen Bestie. Seine eigentliche Betätigung umkreisen sie kunstvoll und spielerisch, und die Ärztin überwirft sich mit italo-amerikanischen Freunden, um den Patienten zu verteidigen.

In einer Episode stranguliert Tony einen Verräter zu Tode und fährt dann zurück zum Hotel, wo seine Tochter wartet, weil sie ein College für sie suchen. Die Suche wird zu einer Reise der Erinnerung für Tony, eine Konfrontation mit dem ehrbaren, respektablen Amerika der Ivy League, von Bildung und Bürgerlichkeit. Wie Don Corleone am Ende des „Paten“  begreift Soprano, dass er es niemals zur Legalität bringen wird; man fürchtet ihn, respektiert ihn aber nicht. Bei Dr. Melfi erzählt er von dem fröhlichen Wanderer, der pfeifend durchs Leben geht – während seine eigene Existenz von Kampf, Mühsal und Misstrauen geprägt ist. Der Traum gebiert jene Ungeheuer, die Tony tagsüber mit Alkohol, Sprüchen und Psychopharmaka  in Schach hält.



Chester Bennington: Woran starb der Linkin-Park-Sänger?

Todesursache Am 20. Juli 2017 beging Chester Bennington Suizid durch Erhängen. Gefunden wurde er von einer Hausangestellten in seinem Haus in Palos Verdes bei Los Angeles. Er wurde 41 Jahre alt. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte der Linkin-Park-Sänger Alkohol und, einer ersten von drei Untersuchungen zufolge, MDMA in Form von Ecstasy im Blut. Das US-Magazin „TMZ“ berief sich mit dieser Information auf den Autopsiebericht. Die beiden weiteren Tests fielen dagegen negativ aus, sodass der Einfluss der Droge auf den Tod Benningtons ausgeschlossen werden kann. Auf einer Kommode im Schlafzimmer fand man eine Flasche des verschreibungspflichtigen Schlafmittels Zolpidem, dazu eine halb leere…
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