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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress

Die Affen haben wenigstens noch Moral: „Planet der Affen: Survival“

In den ersten Minuten, als ein Platoon amerikanischer Soldaten schwer bewaffnet und so gut getarnt wie möglich durch einen modrigen Wald schleicht, glaubt man sich in einen Vietnamfilm versetzt. Aber bald ist klar, dass es sich eigentlich um einen Indianerwestern handelt: Die Gegner der Amerikaner gehören zu einer fremden Spezies, die ausgerottet werden soll, weil man sich ihr grundsätzlich überlegen glaubt. Und wie die Indianer wollen die Menschenaffen hier eigentlich nur in Frieden leben und ziehen sich in opferreichem Abwehrkampf zurück, immer tiefer in die Wälder, immer weiter nach Norden, in Fallen gelockt von Verrätern, die wie die Scouts des Western mit der ­Army gemeinsame Sache machen, und immer wieder aufgerichtet und angetrieben von ihrem hochintelligenten charismatischen Anführer Caesar.

Es ist schon eine anspruchsvolle Übung, sich in eine Horde Tiere zu versetzen, ihnen menschliche Züge anzudichten und in den Menschen das Unmenschliche zu erkennen. Diese Denkübung macht seit je den Reiz der „Planet der Affen“-­Filme aus: Darwins Evolutionstheorie trifft Binsenweisheit vom bösen Menschen und dem guten Tier und den naheliegenden Kitsch der Menschenähnlichkeit von Affen. Doch wenn in den 60er-Jahren, als die ersten Filme der Reihe herauskamen, offene Analogien zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung und zum Rassismus der US-Gesellschaft gewollt waren, sind diese im Reboot seit 2011 eher unterspielt. Tatsächlich verweist der Film, neben den historischen Parallelen zu Indianern, auf Arbeitssklaven in den Lagern totalitärer Diktaturen.

Anklänge an „Apocalypse Now“

Denn der eigentliche Kern der Handlung des dritten Teils, „Planet der Affen: Survival“, (im Original treffender „War“), bei dem Matt ­Reeves Regie führte und der auch ­ohne Kenntnis der ersten beiden Filme problemlos zu verstehen ist, ist Caesars Wunsch, den Tod seiner Frau und seines Sohnes zu rächen. Nachdem er den Affenstamm in vermeintlich sicheres Terrain geschickt hat, verfolgt er mit drei Begleitern die Spur der Mörder. „Lederstrumpf“ wie „Apocalypse Now“ lassen grüßen. Der von ­Andy Serkis in grandioser CGI-Maske als weiser, selbstloser Volksführer gespielte Caesar wirkt wie eine Art Affen-Sitting-Bull. Der Kontrahent in diesem Spiel, ebenso ein General Custer wie ein Colonel Kurtz, ist der von Woody Harrelson etwas trashig verkörperte namenlose Colonel, der eine eigene, messianisch-morbide Mission verfolgt, die erst mit der Zeit klar wird. Beide Feinde verbindet ihr Todestrieb. Irgend­wann muss Caesar feststellen, dass dieser Colonel seinen kompletten Affenstamm gefangen und zu Arbeits­sklaven gemacht hat.

Kooperation

Doch zuvor sind der kleinen Gruppe auf ihrer Reise zwei Gefährten zugewachsen: Bad Ape, ein ehemaliger Zooschimpanse, der fast haarlos und angsterfüllt in einer dunklen Behausung aufgefunden wird – ein niedlicher Affen-Gollum. Und ein verlorenes stummes blondes Mädchen. Anfangs verschüchtert und traumatisiert wie jene Mädchen, die im Hollywood­western in die Hände der Indianer fielen, dann jedoch zunehmend Mut fassend, wird sie zum poe­tischen Motor des Geschehens, weil sie das einzige Menschenwesen ist, das die Grenze zwischen Mensch und Affe überschreitet und irgendwann der Handlung eine entscheidende Wendung gibt. Der Name, den Caesar ihr gibt, Nova, signalisiert, dass anhand dieser menschlichen Affenprinzessin ein neuer Handlungsstrang geknüpft werden könnte.

Novas auch moralischer Übertritt zur anderen Seite wird zur Initialzündung für den Aufstand der Wehrlosen gegen ein totalitäres Regime, gegen hassenswerte Autoritäten. Die Affen leben die Tugenden vor, die die Menschen vergessen haben: Solidarität, Mitleid mit den Schwächsten, Mut und Konsequenz. Was ist Frontier der Menschen, die Grenze, hinter der ihr Menschsein endet: Sprache oder Mitleid? Weil er solche Fragen stellt, sein Publikum erschüttert, irritiert und zu neuen Ufern führt, ist der dritte Teil von „Planet der Affen“ der tiefsinnigste, berührendste unter den Blockbustern dieses Sommers.


Die besten Soundtracks aller Zeiten: „Suspiria“ von Goblin

Der Film „Suspiria“ (1977) ist neben „Rosso - die Farbe des Todes“ (Profondo Rosso ) der Höhepunkt im Werk von Dario Argento, der das von Mario Bava („Blutige Seide“) begründete Giallo-Kino in eine ästhetisch noch einmal wesentlich anspruchsvollere Dimension überführte. Mit klug zusammengemischten Elementen des Gothic-Horror, Schauereffekten aus der Hammer-Schule, überraschend wenig Blut und einer großen Portion okkultem Firlefanz gelang dem italienischen Regisseur ein abgründiger Schocker, der vor allem auch wegen seiner herausragenden Farbdramaturgie auf ewig in den Listen der besten Horrorfilmen auftauchen wird. Nachträglich zum ersten Teil einer „Mutter-Trilogie“ erhoben, deren Fortsetzungen „Inferno“ (Horror Infernal) und „Die dritte Mutter“…
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