Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Schluss mit Fun

Folge 161

Mehr noch als Berge, Wälder und Fußgängerzonen gelten Strände seit je als Sehnsuchtsorte – und werden entsprechend oft besungen. Bevor die Saison zu Ende ist, seien also ein paar Worte zum Thema „Strände in der Popmusik“ verloren.

Eines der bekanntesten, gleichwohl fadesten Strandlieder ist Chris Reas „On The Beach“, ein Lied, in dem alles Naheliegende geschieht, was in einem 80er-Jahre-Stück namens „On The Beach“ passieren kann. Ähnlich verhält es sich mit dem Video: Wir sehen Rea Gitarre spielend vor weiß getünchten Baulichkeiten herumlungern. Natürlich sehen wir auch eine unbekannte Schönheit am Strand. Seltsamerweise hat sie ein Fahrrad dabei. Wer je am Strand Fahrrad gefahren ist, weiß, dass dies zu den unerbaulichsten Tätigkeiten gehört, die man dort ausüben kann. Im besten Moment des Videos hüpft ein quietschroter Ball die quietsch­weiße Treppe des quietschweißen Inselhäus­chens hinunter, in dessen Garten Rea her­umlungert.

„Rockaway Beach“ von den Ra­mones ist natürlich ein weitaus erfreulicheres Lied als „On The Beach“. Das sah auch Jürgen Zeltinger so, der das Stück 1979 unter dem Titel „Müngersdorfer Stadion“ coverte und mit einem kölschen Spezialtext versah. (Legendärste Zeile: „Ich fahr schwatz mit der KVB, die Markfuffzich dät denne och nit wieh.“) Merke: In Köln ist Strand kein allzu großes Thema.

Zwar wird der Strand im Popsong gemeinhin als Sehnsuchtsort dargestellt, doch gibt es Stücke, die ihn als Stätte des Verderbens beschreiben. So etwa Patti Smiths „Redondo Beach“: „Down by the ocean, it was so dismal/ Women all standing with shock on their faces/ Sad description/ Oh, I was looking for you.“ Doch schon in Brian Wilsons „Surf’s Up“ war ja bekanntlich Schluss mit Fun, Fun, Fun.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Strand auch in zahlreichen Musikvideos eine Rolle spielt – wenngleich die Songs selbst keinen wirklichen Strand-­­Content aufweisen. Das prominenteste Beispiel ist sicher der Clip zu Chris Isaaks „Wicked Game“, in dem der Sänger mit Helena Christensen am Strand herumtollt, wobei nicht das Bauen von Sandburgen der beiden Begehr zu sein scheint. Die Idee zum Video stammte von Isaak selbst, umgesetzt wurde sie vom Modefotografen Herb Ritts. Es sei höllisch kalt gewesen beim Dreh, erinnerte sich Isaak Jahre später. Klar, Strandvideos dreht man nicht in der Hauptsaison.



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Highlights of Lo-Fi

Folge 196 In der vor allem bei Jugendlichen beliebten Pop Tagebuch-Sub-Serie „Anlassloses Geschreibsel“ soll es heute um mehr oder weniger vergessene Perlen des Homerecording gehen. Um Musik also, die nicht in professionellen Studios, sondern unter der Prämisse der vorsätzlichen technischen Tiefstapelei, meist unter Verwendung von 4- oder 8-Spur-Rekordern entstand. In den Neunzigern war solcherart produzierte Musik ja durchaus mal in Mode und zeitigte einige der besten Platten des Jahrzehnts: „Alien Lanes“ von Guided By Voices, Smogs „Julius Caesar“, Becks „Mellow Gold“ oder „In An Aeroplane Over The Sea“ von Neutral Milk Hotel. Die folgenden Beispiele sind nicht ganz so bekannt,…
Weiterlesen
Zur Startseite