Friedensgruß im Fransenhemd – die Yeah Yeah Yeahs in Berlin


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Kaum hat Karen O einen Fuß auf die Bühne gesetzt, wirbelt sie auch schon herum und schmeißt sich von einer Rockpose in die nächste. Im glitzernden Western-Clown-Outfit inklusive Zebra-Umhang feuert sie – mit einem Bein auf der Monitorbox – das Publikum an und lehnt im nächsten Moment breitbeinig den Oberkörper weit nach hinten. Rockposen hat die Sängerin der Yeah Yeah Yeahs ebenso drauf wie kleine verruchte Gesten, bei denen sie sich die Haare ins Gesicht wischt oder mit dem Mikrofonkabel hantiert.

Bei den Yeah Yeah Yeahs kommt alles zusammen, was an einer Rockshow Spaß macht: der Glamour und das Theatralische des Glam Rock, die Schrägheit und Exzentrik des Punk und eine kleine Brise Unberechenbarkeit. Es dauert nicht lange, bis eine Wasserfontäne auf die Fotografen vor der Bühne niedergeht, die Karen wie ein Feuerspucker ohne Fackel in die Luft gestoßen hat. Gefolgt von einem Kanonenknall und Konfettiregen aus flirrenden Ypsilons.

Während die Frontfrau unermüdlich auf und ab springt und ihren Spaß im Rock’n’Roll-Zirkus hat, scheint Brian Chase, beurteilt nach seinem Dauergrinsen, am Schlagzeug nicht weniger Freude zu haben. Auch Gitarrist Nick Zinner und die Live-Aushilfe an Synthie und Gitarre bleiben im Hintergrund und sorgen konzentriert für den richtigen Sound. Bei „Subway“ werden z.B. U-Bahn-Geräusche eingespielt. Kurz nachdem bei „Heads Will Roll“ die Stimmung hochgekocht war, sorgt das eher nachdenkliche Titelstück des neuen Albums, „Mosquito“, schon wieder für Abkühlung. Die Setlist bietet Abwechslung, verhindert mit den häufigen Stimmungswechseln allerdings auch, dass sich Karens wilde Ausgelassenheit gänzlich auf die Menge überträgt.

Das ebenfalls ruhige „Despair“, das mit seinen Achteldrums unterschwellig brodelt und unweigerlich auf einen Ausbruch zuläuft, widmet die Frau am Mikrofon der Vorband Bosnian Rainbows sowie Queens Of The Stone Age und den Melvins.  „Yeah Yeah Yeahs-Love“  schenkt sie damit aber vor allem dem anwesenden Publikum. „My song is your song“ – wie Old Shatterhand holt Karen O. im Fransenhemd zum Friedensgruß aus. Eine Reminsizenz an die Anfänge der Band als Folk-Duo? Schwer vorzustellen, diese Stimme, die live noch greller quietscht und rauer quetscht, nur über entspannten Akustikgitarren-Akkorden zu hören.

Nach einer Stunde geht die Band zum ersten Mal von der Bühne. Als Zugaben gibt es gesammelte Hits: die neueste Single „Sacrilege“, dann „Zero“ und „Date With The Night“. Bei den Songs vom Debüt nehmen die Yeah Yeah Yeahs den Fuß endlich ganz von der Bremse. Die komplette Entfesselung, die rohe Energie und treibende Kraft, für die die Yeah Yeah Yeahs in ihren Anfangstagen standen, konnten schon die letzten beiden Alben der Band nicht mehr auf voller Länge durchhalten.

Besser spät als nie: bei „Tick“ hört das Publikum plötzlich die Uhr ticken und verausgabt sich beim allerletzten Song des Abends nochmal richtig und flächendeckend.