Happy Birthday, Jarvis Cocker!


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Jarvis Cocker hat sein halbes Jahrhundert voll: Der Pulp-Sänger feiert seinen 50. Geburtstag. Endlich erreicht er das Alter, dem er optisch schon seit einigen Jahren nahe kommt: Oder könnte man ihn, der sich in Tweed-Jacken wohlfühlt, dessen Hornbrille immer dicker wird und der Bart immer buschiger, nicht mit einem Oxford-Professor verwechseln?

Wir gratulieren mit einer Rezension des Pulp-Albums „This Is Hardcore“ (1998) aus DAS ARCHIV-Rewind, von Arne Willander:

Pulp: This Is Hardcore *****

Beinahe drei Jahre nach „Different Class“ und dem Hit „Common People“ erschien diese zerrissene, musikalisch bizarre Bestandsaufnahme von Britannien zwischen Pornografie, Fernseh-Stumpfsinn und den Freuden der Nostalgie.

Dies ist eine Warnung. Explicit lyrics! Halten Sie Ihre Kinder fest. The sexiest man alive ist wieder da, bald kommt er in Ihre Stadt, und er kommt mit Hardcore. Girlies bibbern schon, denn Jarvis Cocker hatte sich zwei Jahre nach seinem Gesamttriumph, nach der Demütigung Michael Jacksons und dem Aufstieg zu Londons begehrtester Zelebrität (hinter Tony Blair, aber der war noch nicht Premier) zum Denken zurückgezogen.

Das erste neue Statement, Ende letzten Jahres, lautete „Help The Aged“, und man rätselte, ob Jarvis‘ Plädoyer für die Wonnen der Geriatrie, die Bitte um Verständnis schon den Vorruhestand einläutet – oder ob Pulp noch sardonischer sind, als man es bisher vermutet hat. Aber Mitleid und Empathie waren stets Wesenszüge von Cocker; „Help The Aged“ ist „Common People“ gewendet, ist „Do You Remember The First Time?“ nach 50 Jahren.

Keine große Sache also. Cocker und seine Band hatten jedoch ein Problem, das kaum zu lösen war: Sie mussten der Erinnerung an „Different Class“ etwas entgegensetzen, das ungefähr ebenso glamourös, so groß und würdig ist, sie mussten den Pop retten, denn sonst kann es ja niemand. Und, Sie werden es nicht glauben: Pulp haben den Pop gerettet.

,,Here comes the fear again“, singt Cocker zum Auftakt, „the end is near again.“ Ein überdrehter Pulp-Brecher erster Güte mit synthetischem Gedudel, himmelstürmender Melodie und jubilierenden Gitarren. Dann ein kleines Divertimento über den Abwasch und die Welt: „Dishes“ mit den denkwürdigen Zeilen „I am not Jesus though I have the same initials/ I am the man who stays home and does the dishes“. Und Wasser zu Wein! Gefolgt von dem stählern lärmenden „Party Hard“, bei dem sägende Gitarren auf Cockers manieriert tiefstimmigen Gesang treffen. Scott Walker findet späten Nachklang, freilich mit anderem Thema: „When the party’s over, will you come home to me?“ Darauf folgt „Help The Aged“, das wohl doch ein wenig unterschätzt wurde: eine klassische Pulp-Single, wenn auch nicht so gut wie, sagen wir: „Mis-Shapes“.



Der King der Traurigkeit: Joy-Division-Sänger Ian Curtis

Er war der James Dean der „blank generation“, der Trostlosen aus den frühen Achtzigern, die keine Lust hatten auf den derben Bierbüchsen-Krawall der Punks: Ian Kevin Curtis aus der Region Greater Manchester; jener damals noch komplett maroden mittelenglischen Industriezone zwischen Mersey und Midlands, die sich seit dem Niedergang so ziemlich aller dortigen Industrien (von der Kohle bis zur Tuchweberei) im Zustand der Daueragonie befand. Zu seinen Lebzeiten blieb Curtis ein Indie-Maestro innerhalb einer kleinen Gegenkultur. Sein Suizid am 18. Mai 1980 erhöhte den depressiven Sänger schließlich zu einer legendären Gestalt der Popkultur. Die Platten „Unknown Pleasures“ (1979) und das tiefmelancholische…
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