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Harvey Weinstein: Klägerinnen erhalten insgesamt 17 Millionen Dollar


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Über 50 Frauen, die den verurteilten Filmproduzenten Harvey Weinstein des sexuellen Missbrauchs beschuldigt haben, werden nun finanziell entschädigt. Nachdem Harvey Weinstein bereits am 24. Februar 2020 wegen Vergewaltigung und Missbrauch zu 23 Jahren Haft verurteilt wurde, wurden nun über eine Auszahlung abgestimmt. Das Ergebnis: Das Gericht entschied, dass sich die mehr als 50 Frauen eine „Entschädigungssumme“ von insgesamt 17 Millionen Dollar (rund 14 Millionen Euro) teilen werden. Das Geld wird aus der Liquidation von Weinsteins Produktionsfirma entnommen.

Klägerinnen mit schwerwiegendsten Vorwürfen erhalten 500.000 Dollar

Wie BBC berichtet, hat die US-Konkursrichterin Mary Walrath einer Auszahlung von 17 Millionen Dollar zugestimmt. Die Summe wird aus der Liquidation der Weinstein Co. entnommen, Weinsteins Independent-Filmproduktionsfirma, die 2018 Konkurs angemeldet hat.

Die Richterin überstimmte den Einspruch einiger Anklägerinnen, die außerhalb des Konkursgerichts in Berufung gehen wollten. Stattdessen meinte Walrath, dass die Klägerinnen ohne die neue Vereinbarung nur eine „minimale, wenn überhaupt eine Abfindung“ erhalten hätten. So stimmten schließlich insgesamt 47 von Weinsteins Anklägerinnen über den Vergleich ab. Dabei stimmten 39 für die Entschädigungssumme und acht dagegen. Diejenigen, die sich mit den schwerwiegendsten Vorwürfen gemeldet haben, werden 500.000 Dollar (410.772,50 Euro) oder mehr erhalten. Die Missbrauchsvorwürfe reichen bis in die 70er-Jahre zurück.

Die meisten Frauen wollen mit dem Fall abschließen

Die Richterin erklärte darüber hinaus, dass 83 Prozent der Klägerinnen „sehr klar äußerten, dass sie mit der Einwilligung in den Abfindungsplan mit dem Fall abschließen wollen, dass sie keine Absicht haben durch weitere Rechtsstreitigkeiten zu gehen, um eine gewisse Form von Wiedergutmachung zu erhalten, einige mögliche Entschädigung … obwohl es klar ist, dass ihnen Geld das nie geben wird.“

Die Silence Breakers, eine Gruppe aus 24 Frauen, die Weinstein öffentlich sexueller Verbrechen beschuldigten, darunter Ashley Judd, Rose McGowan, Rosanna Arquette und Lauren Sivan, sagten in einer Erklärung: „Harvey Weinsteins Vermächtnis wird immer sein, dass er ein verurteilter Vergewaltiger ist. Er wird ins Gefängnis gehen – aber keine Gefängniszeit wird die Leben reparieren, die er ruiniert hat, die Karrieren, die er zerstört hat, oder den Schaden, den er verursacht hat.“

Die Frauen werden jedoch stets die Möglichkeit haben, auf den Großteil ihrer Auszahlung im Rahmen des Plans zu verzichten, wenn sie ihre Ansprüche weiter verfolgen wollen.

Und der Rest des Geldes von Weinstein Co?

Harvey Weinstein war Mitgründer des unabhängiges Filmstudios Weinstein Co, welches aufgrund der Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Hollywood-Mogul Ende 2017 in Konkurs ging. Im Rahmen des Liquidationsplanes steuerte die Konkurs-Versicherung daraufhin eine Summe von 35 Mio. US-Dollar bei. Aus diesem „Liquiditionstopf“ werden also die Klägerinnen finanziell beglichen. Doch wo flossen die restlichen 18 Mio. Dollar hin?

Unter anderem gingen 9,7 Mio. Dollar an die ehemaligen Führungskräfte und Direktoren der Weinstein Co., um einen Teil ihrer Anwaltskosten der letzten Jahre zu bezahlen. Einer der Angestellten ist übrigens auch Weinsteins Bruder Bob. Außerdem erhielten die Mitarbeiter Entlastungserklärungen, die sie von jeglicher potenziellen Haftung für die Ermöglichung von Weinsteins Verhalten freisprechen.

All das erfolgte in dem Kontext, dass sich mit der Firma auch nach der Pleite noch einiges an Geld machen ließ. So verkaufte Weinstein Co schließlich seine Vermögenswerte an Lantern Entertainment, die später Spyglass Media Group wurde, für 289 Mio. Dollar.


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