Jamie T „Kings And Queens“


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„When there’s no one left to fight, boys like us don’t shine so bright.“ Wegen solcher Zeilen muss man Jamie T einfach lieben. Auch auf dem Nachfolger seines bemerkenswerten Debüt „Panic Prevention“ kann der 23-Jährige aus Wimbleton einfach nicht die Schnauze halten. Und das ist gut so. Weil Jamie T ganz genau weiß, wie viel Milliliter Bier ein Leben lebenswert machen. Wenn er in „368“ davon singt, klingt das, als hätte Diplo „Straight To Hell“ von The Clash mit M.I.A.s „Paper Planes“ zusammengemixt. Und plötzlich ist Pop nicht mehr das luftleere Chemielabor der letzten Jahre, kein synthetisches Derivat der ewigen Achtziger, sondern wieder fest verwurzelt im Leben junger Großstädter.

Lauter Geschichten aus einem nicht immer rühmlichen Alltag, so wie ihn vorher die Kinks, The Clash, Blur oder zuletzt The Streets beschrieben haben. Auch die Songs von „Kings And Queens“ erzählen von Typen, denen das Leben immer wieder die Fresse poliert, die es aber trotzdem schaffen, sich endlich aus der Abhängigkeit eines Mädchens zu befreien, das einem nicht gut tut „she always went for many friends and not for me“.

Nicht selten glaubten man in dieser One-Man-Band den jungen Billy Bragg herauszuhören. Vielleicht auch deshalb, weil es nun etwas weniger HipHop-Elemente zu hören gibt. Dafür findet man saftigen Combat-Rock und so wundervoll zärtliche Balladen wie „Emily’s Heart“. Denn Jamie T mag viel von einem jungen Rüpel haben, aber das Herz hat er trotzdem auf dem rechten Fleck.

Herrlich, wie er zu tobenden Rave-Sounds und ungestümen HipHop-Beats dazu auffordert, Kuba zu besuchen und zwar „Before Castro Dies“. Das folgende „Earth, Wind And Fire“ beginnt wie ein lupenreiner englischer Folksong mit einer glockenhellen Frauenstimme, entwickelt sich dann aber über rollende Beats zu einer unpeinlichen Variante des typischen U2-Songs, der von Jamies Rap immer wieder konterkariert wird. „Kings And Queens“ ist ungeheuer vielseitig, steckt voller Leben und praller Stories. Aber im Zentrum steht immer Jamie T, einer der besten britischen Songwriter der Gegenwart.

Jürgen Ziemer