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Jan Delay: „Diese Isolation ist scheiße!“


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Wie hat die Krise dich und dein Umfeld wirtschaftlich getroffen?
Das ist natürlich krass, weil alles weggebrochen ist. Ich hatte zwei Jobs im ganzen Jahr. Da ich aber ja vorher die Jahre gut verdient habe, ist es für mich nicht so schlimm. Für meine Band ist es richtig hart. Zwei von denen sind inzwischen auf Hartz IV, einer hat seine gesamten Ersparnisse aufgebraucht und nimmt alles an, was es an Jobs gibt, unter anderem arbeitet er als Pfleger. Die waren vorher durchgehend beschäftigt: andere Bands, an der Uni, Musicals, Unterricht – alles weg.

Man hört ja oft, dass viele diese erzwungene Entschleunigung insbesondere während des ersten Lockdowns auch als wohltuend empfunden haben, wie ging es dir?
Diese Entschleunigung fand ich auch gut, das muss ich schon zugeben. Im ersten Moment noch nicht, da war man ja geschockt. Aber dann konnte ich der Situation etwas abgewinnen. Vor allem fand ich es gut, mal eine Weile nicht ständig herumzureisen. Aktuell ist allerdings wenig Entschleunigung, weil ich jetzt mit meiner Platte „Earth, Wind & Feiern“ komme.

300 Leute, alle werden vorher getestet? Kommt aufs Konzept an, aber finde ich erstmal gut

Wie denkst du über Übergangskonzepte wie Streaming-Konzerte und solche mit Hygienekonzept?
Streaming-Konzerte sind für mich kein Übergangskonzept, das gab es ja auch schon vorher. Das ist für mich wie sich ein Konzert im Fernsehen anzuschauen. Das kann schön sein, aber natürlich in keiner Weise das ersetzen, was ein richtiges Konzert ausmacht. Weder für den Zuschauer noch für den Musiker. Aber wenn du meinst: 300 Leute, alle werden vorher getestet? Kommt aufs Konzept an, aber finde ich erstmal gut.

Wie stehst du zu sogenannten Quarantänealben und -Songs?
Den aktuellen Zustand zu besingen, finde ich anstrengend. Also wie schrecklich es ist, dass Corona da ist und alle isoliert sind. Muss ich mir nicht auch noch auf der Ebene reinziehen. Wenn damit gemeint ist, überhaupt in dieser Phase Musik zu veröffentlichen, komme ich ja gewissermaßen auch mit einem Quarantänealbum. Aber die Musik kann ja nichts für die Zeit, in der sie erscheint.

Stichwort Mental Health: Wie beeinflusst die Situation deine Psyche?
Eben habe ich noch wegen Entschleunigung gejubelt, aber mir fällt schon auch die Decke auf den Kopf. Am meisten vermisse ich es, in den Club zu gehen, Leute tanzen zu sehen, auf Konzerten zu sein. Alles, wo Leute sind und zusammen Musik hören. Das fehlt mir, diese Isolation ist scheiße.

Die Fragen an Jan Delay wurden für die Titelgeschichte des aktuellen ROLLING STONE, BackToLive, schriftlich eingereicht und beantwortet.


Campino: „Ich bin der Pandemie für nichts dankbar!“

Die beiden kennen sich schon ewig: Campino, seit 39 Jahren Sänger der Toten Hosen, und Kiki Ressler, Chef von KKT (Kikis Kleiner Tourneeservice) in Berlin und seit 1984 auch bei jeder Tour der Düsseldorfer dabei. „Einer der ganz großen Glücksgriffe für uns“ nennt Campino ihn. Wie erleben sie die Corona-Zeit, welche Hoffnungen und Befürchtungen hegen sie? Natürlich haben auch diese zwei keine Kristallkugel und wissen nicht, wie es weitergehen wird. Kiki nennt seine Antworten also vorsichtshalber „Einschätzungen ohne Gewissheit“. Beide stellen vorab auch gleich klar, dass ihnen sehr bewusst ist, dass sie vergleichsweise kleine Sorgen haben. Wie geht es euch…
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