John Prine – Eine Erinnerung


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Als die Welt Mitte März 2020 pandemiebedingt erstmals abgeschaltet wurde, wir in mehr oder weniger selbst gewählter Isolation zu Hause saßen und jeden Morgen die neuesten Infizierten- und Opferzahlen studierten, gingen mir öfter diese Songzeilen durch den Kopf: „This morning, things were looking bad/ Seem like total silence was the only friend I had.“ Der Mann, der dieses Lied sang, hatte Probleme, sich die Welt vom Leib zu halten, wurde von einer Schale Müsli niedergestarrt, jagte einen Regenbogen in eine Sackgasse, und seine Freunde wurden aus irgendeinem Grund alle Versicherungsvertreter. Der Ausweg aus dieser Hölle schien ihm ein Rauschmittel zu sein, sang der Mann doch, er habe glücklicherweise den Schlüssel, um der Realität zu entfliehen, und es könne gut sein, dass man ihn am Abend irgendwo mit einem „illegal smile“ im Gesicht antreffen könne. 

Eine Welt in vier Minuten

Der amerikanische Songwriter John Prine, von dem dieses Lied stammt, das in den Siebzigern zu einer Kifferhymne wurde, hat mal erklärt, es gehe ihm hier weniger um die den Lebensirrsinn dämpfende Wirkung bestimmter Rauchwaren als vielmehr um die ihm angeborene Weltsicht. „Ich habe einfach einen etwas anderen Blick auf die Dinge, deshalb ist Songwriter auch der perfekte Beruf für mich“, sagte er im Februar Johannes Waechter von der „Süddeutschen Zeitung“. Als Zeuge eines Autounfalls vor Gericht sei er aber vermutlich nicht geeignet, fuhr er fort, denn er könne vielleicht erzählen, „wie das Wetter war und welcher Vogel oben im Baum saß, aber nicht, welche Farbe das Auto hatte“. 

Die Welt mit John Prines Augen zu sehen bedeutet, im Nebensächlichen das Wesentliche zu erkennen. Gerade durch seinen besonderen Blick gelang es ihm oft, in wenigen Zeilen alles zu enthüllen. Zunächst denkt man, er erzähle nur von einer beiläufigen Beobachtung, einem alltäglichen Problem oder einer kuriosen Begebenheit, aber irgendwann merkt man, dass er tatsächlich ein ganzes Leben vor einem ausbreitet. Nach vier Minuten weiß man eigentlich alles über die Frau, die er in „Angel From Montgomery“ porträtiert. „I am an old woman/ Named after my mother“, stellt sie sich vor. Auch ihr Mann sei eines dieser alt gewordenen Kinder, fährt sie fort, dann bricht es aus ihr heraus: „If dreams were thunder/ And thunder was desire/ This old house would have burned down a long time ago.“ 

Sie erinnert sich an eine Affäre, die sie als junges Mädchen mit einem Cowboy hatte – nicht besonders gutaussehend, einfach ein Streuner, lange her, die Jahre sind seitdem verflogen, oder besser: die Zeit hat sie wie Wassermassen nach einem Dammbruch überrollt. Jetzt sitzt sie in der Küche, die Fliegen summen, sie hat noch nichts getan seit dem Aufstehen, und wenn ihr Mann von der Arbeit heimkommt, wird er nichts zu erzählen haben. „Just give me one thing/ That I can hold on to“, fleht sie. „To believe in this livin’/ Is just a hard way to go.“ Und wenn man Sam Stone aus Prines gleichnamigem Song kennengelernt hat, den Veteranen, der traumatisiert und mit einem Granatsplitter im Knie aus Vietnam heimgekehrt und dem Morphium verfallen ist und der an nichts mehr glauben kann („There’s a hole in Daddy’s arm where all the money goes/ Jesus Christ died for nothin’, I suppose“), sitzt man nach vier Minuten – Sam ist mittlerweile an einer Überdosis verreckt – emotional und moralisch in etwa so geläutert und erschöpft im Sessel wie nach Michael Ciminos dreistündigem Epos „Die durch die Hölle gehen“. 

Zwischen den Stühlen 

Die drei Songs, von denen hier bisher die Rede war, erschienen alle auf John Prines Debütalbum von 1971. Da war er 24 Jahre alt. Seine ersten Lieder hatte der am 10. Oktober 1946 südwestlich von Chicago in Maywood/Illinois geborene Sohn eines Werkzeugmachers und Gewerkschaftlers und einer Hausfrau schon als Teenager, Anfang der 60er-Jahre, geschrieben, doch dann war er nach der Schule erst mal Postbote geworden. Während er in den Vororten von Chicago Briefe – also Zeugnisse menschlicher Beziehungen, Bedürfnisse und Erinnerungen – zustellte, dachte er sich Songtexte über Zwischenmenschliches, Sehnsüchte und Traumata aus, die er nach Feierabend niederschrieb. Dann holte ihn die Armee. Nicht nach Vietnam, zum Glück, sondern in die Nähe von Stuttgart („ha noi!“ statt Hanoi gewissermaßen). Dort arbeitete er in den Jahren 1966 und 1967 als Mechaniker bei einem Bautrupp. „I was in the Army, but I never dug a trench/ I used to bust my knuckles on a monkey wrench“, schrieb er später über diese Zeit. 

Während die Popwelt durch bewusstseinserweiternde Drogen bunter wurde und den Summer of Love zelebrierte, saß Prine also in der schwäbischen Provinz und spielte auf seiner Stube Lieder von Roy Acuff und Hank Williams, die ihm sein älterer Bruder Dave beigebracht hatte. Zurück in Chicago arbeitete er weiter an seinen eigenen Songs und stellte Briefe zu. Als er im Frühjahr 1969 hörte, wie Bob Dylan auf seinem Album „Nashville Skyline“ mit Johnny Cash im Duett sang, erkannte er, dass es für das, was er machte, tatsächlich einen Markt gab – er war quasi das Bindeglied zwischen den beiden Sängern, hatte Cashs Country-Wurzeln und Dylans Talent für starke sprachliche Bilder und eindrucksvolles Storytelling. Er nahm also seine Gitarre, eine ’63er Gibson Hummingbird, und ging zur Open-Mic-Night im Fifth Peg, einem kleinen, angesagten Folkclub. So richtig passte er dort nicht hin – er war kein Folkie, er war kein Hippie, und das Publikum war irritiert von seinen nicht gerade mit der Tür ins Haus fallenden Geschichten. Nach dem ersten Song herrschte eisiges Schweigen. Doch irgendwann fiel der Groschen, der Applaus steigerte sich von verhalten zu ermutigend zu begeistert. 

Als Kris Kristofferson in Chicago spielte, eröffnete der Songwriter Steve Goodman für ihn den Abend und schleppte ihn anschließend zum Earl of Old Town, einem Folkclub, in dem sein Freund Prine auftrat. Der Laden war allerdings bereits geschlossen, als die beiden eintrafen. „Aber der Besitzer ließ uns herein, zog ein paar Stühle von den Tischen, und John packte seine Gitarre aus und ging auf die Bühne, um zu singen“, erinnerte sich Kristofferson später. „Es gibt nur wenige Dinge, die so deprimierend sind wie ein paar Stühle auf dem Tisch einer leeren alten Taverne, und es gab diesen unangenehmen Moment, in dem wir dort saßen, so nach dem Motto: Okay, Junge, zeig uns, was du hast. Er stand alleine da oben und sah auf seine Gitarre. ,Was zum Teufel machen wir hier, Alter?‘ Dann fing er an zu sin-gen, und am Ende der ersten Zeile wussten wir, dass wir etwas Besonderes hörten. So in etwa muss es auch gewesen sein, als Bob Dylan zum ersten Mal in die Szene von Greenwich Village kam.“ 

Und Kristofferson holte Prine schließlich auch genau dorthin. Er lud ihn ein, im Bitter End an der Bleecker Street zu spielen, und stellte ihm bei der Gelegenheit den Präsidenten von Atlantic Records, Jerry Wexler, vor. Der gab ihm gleich einen Plattenvertrag. Bei einem späteren New-York-Besuch hatte Kristofferson eine weitere Überraschung für Prine: In Carly Simons Wohnung stellte er ihm den leibhaftigen Dylan vor. Der hatte eine Gitarre dabei und spielte seinen neuen Protestsong „George Jackson“, Prine antwortete mit seinem „Far From Me“, zu dem Dylan gleich eine zweite Stimme sang, denn er hatte von Wexler ein Vorabexemplar der Platte bekommen und kannte sie mehr oder weniger auswendig. 

John Prine, Singer-Songwriter Ronnie Hawkins, Kris Kristofferson und Ramblin‘ Jack Elliott im Februar 1972.

Der neue Dylan? Der neue Twain! 

Nach Erscheinen seines Debüts wurde Prine, wie so viele aufstrebende Songwriter jener Zeit, als „the new Dylan“ gehandelt, dabei hatte er längst eine ganz eigene Stimme gefunden, sodass es nur folgerichtig war, dass das Album statt eines Titels einfach seinen Namen trug. Mit dem fünf Jahre älteren Dylan verband ihn der weit über das eigene Alter hinausweisende Horizont. Dylan klang schon auf seinem ersten Album wie ein alter Mann, Prine hatte für sein Debüt Songs geschrieben, die so klangen, „als wäre er“, wie Kristofferson es in seinen liner notes ausdrückte, „220 Jahre alt“. 

Prine sang nicht über Jugend und Aufbruch, er dachte das Leben vom Ende her, schrieb über die, deren Zukunft bereits aufgebraucht war – oder wie man im Hinblick auf die Bühne sagen konnte, auf der seine Lieder spielten: die aus dem amerikanischen Traum längst aufgewacht waren. Ein wichtiges Thema war für ihn die Sprachlosigkeit derer, die gefangen waren in ihrer Vergangenheit und ihrer Herkunft. 

Die Menschen aus dem Mittleren Westen, über die Prine schrieb und von denen er selbst einer war, neigen, das muss man wissen, zum Stoizismus. Während Dylans Songs immer vom In-Bewegung-Sein handeln, erzählt Prine oft vom Stillstand, und während sein Vorbild meist im Zentrum seiner Lieder steht, ist er selbst dann ein am Rand stehender Beobachter, wenn es um seine eigenen Erfahrungen geht, wenn er über verkorkste Beziehungen, gescheiterte Ehen, den Tod seines Vaters oder das traumatische Erlebnis singt, als ein Messdiener vor seinen Augen von einem Zug zerquetscht wurde: „For a heart stained in anger grows weak and grows bitter/ You become your own prisoner as you watch yourself sit there/ Wrapped up in a trap of your very own/ Chain of sorrow.“ 

Als „pure Proustian existentialism“ hat Bob Dylan Prines Songpoesie bezeichnet. Er selbst nannte die Romane und Kurzgeschichten von John Steinbeck, die er in seiner Jugend gelesen hatte, als wichtigen Einfluss. Tatsächlich hatte er einen ähnlich empathischen Blick auf seine Figuren, doch sein Humor war sehr viel dunkler und absurder. Bonnie Raitt, die 1974 auf ihrem vierten Album, „Streetlights“, Prines „Angel From Montgomery“ coverte, sagte mal, näher als bei einer persönlichen Begegnung mit Prines Mischung aus Zärtlichkeit, Weisheit, Scharfsinn und dem ihm eigenen Humor könne man als Spätgeborene*r dem großen Mark Twain nicht kommen. Twain stammte wie Prine aus dem Mittleren Westen; dieser trockene, dabei warmherzige Witz scheint der Mentalität der Menschen im Herzen des Landes eigen zu sein. Der Schauspieler Bill Murray, natürlich auch ein Midwesterner, erzählte mal, in einer Lebenskrise habe er sich an die Worte seines Freundes, des Schriftstellers und Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson erinnert: „Wir müssen auf den Humor von John Prine vertrauen“, und daraufhin die Prine-Anthologie „Great Days“ aufgelegt. Bei einem dieser Songs über sich anschweigende ältere Paare, „Linda Went To Mars“, habe er so laut lachen müssen, dass die Schwermut von ihm abgefallen sei. 

Es scheint nur folgerichtig, dass der Humorist Prine seinen ersten nationalen Fernsehauftritt 1976 in Lorne Michaels’ anarchischer Comedy-Show „Saturday Night Live“ hatte. John Belushi, der seinerzeit zum Ensemble gehörte, den Songwriter aus Chicago kannte und ein Fan seiner Lieder war, hatte ihm das Engagement besorgt. Prine sang „Hello In There“, ein Lied über ein – natürlich – altes Paar, das vereinsamt, als die Kinder das Haus verlassen. „Me and Loretta, we don’t talk much more/ She sits and stares through the back door screen/ And all the news just repeats itself/ Like some forgotten dream that we’ve both seen.“ Klingt eher wie die Beschreibung einer Szene aus Yasujiro Ozus Film „Die Reise nach Tokyo“ als wie ein Show-Element, das zwischen zwei Sketche von Chevy Chase passt. Den Plattenverkäufen half dieser Auftritt jedenfalls nicht. Prines Vertrag bei Atlantic war ausgelaufen, und er wechselte kurzzeitig zu David Geffens Asylum-Label, wo 1978 eines seiner schönsten Alben, „Bruised Orange“, erschien. 

John Prine und Bill Murray zusammen bei einer Veranstaltung der Recording Academy im September 2018 in Nashville, Tennessee.

Der Klang der Einsamkeit 

Anfang der Achtziger zog Prine in eine alte umgebaute Tankstelle am Tennessee Highway 100, südwestlich von Nashville, und gründete mit finanzieller Unterstützung seiner Fans ein eigenes Label, Oh Boy Records, auf dem von da an seine Alben erschienen. Es waren nicht viele in den Achtzigern. Prine nannte die Zeit später seine „Junggesellenjahre“, auch wenn seine kurze zweite Ehe in die Mitte des Jahrzehnts fiel – aber besonders viel Hoffnung in Paarbeziehungen schien er ja, wenn man nach seinen Songs ging, ohnehin nicht zu haben. Die meiste Zeit verbrachte er mit Freunden, Songwritern wie Townes Van Zandt, Don Everly und Guy Clark (alle in den Achtzigern nicht sonderlich produktiv), kokste, soff und spielte Karten. „You come home late and you come home early“, schrieb er über diese Zeit in einem seiner bekanntesten Songs, „The Sound Of The Speed Of Loneliness“. „You come on big when you’re feeling small/ You come home straight and you come home curly/ Sometimes you don’t come home at all.“ 

Anfang der Neunziger kehrte er unter dem selbstironischen Titel „The Missing Years“ mit einem neuen Album aus der Versenkung zurück. Prominente Fans wie Bruce Springsteen, Bonnie Raitt, John Mellencamp, Tom Petty und fast seine kompletten Heartbreakers unterstützten ihn. Die Platte wurde mit einem Grammy ausgezeichnet, doch besonders nachhaltig war dieses Comeback nicht. Der Songwriter hatte andere Prioritäten, heiratete zum dritten Mal und gründete mit Ende vierzig eine Familie. 

Wenn man von einem Weihnachtsalbum mit Covers und Live-Versionen großenteils bekannter Songs absieht, dauerte es vier Jahre, bis Prine Material für die nächste Platte beisammenhatte: „Lost Dogs + Mixed Blessings“. Der Titel ließ nicht gerade einen großen Wurf vermuten, aber auf dem Album findet sich mit dem epischen „Lake Marie“ eines seiner raffiniertesten und bewegendsten Lieder. Prine erzählt hier drei Geschichten, die sich um zwei Seen an der Grenze zwischen Illinois und Wisconsin ranken, eine mythische von Indianern, die zwei Mädchenleichen finden, eine komische von einem Paar, das seine Ehe retten will, und eine tragische von einem grausamen Doppelmord in den Fernsehnachrichten. Zusammengehalten wird das halb gesprochene, halb gesungene Stück von einem einfachen, aber wirkungsvollen Refrain: „We were standing/ Standing by peaceful waters.“ 

Friedlich schaukelnd wie das Wasser eines Sees verlief Prines Leben in den Folgejahren nicht. In seinem Nacken wurde ein Tumor entdeckt, der entfernt werden musste, was nicht nur seinen Kopf in Schieflage brachte, sondern auch seine Stimme beeinträchtigte. Er kämpfte sich zurück, spielte wieder Konzerte und sang, nun eine Tonlage tiefer, für ein neues Album seine liebsten Country-Songs mit fabelhaften Sängerinnen wie Emmylou Harris und Lucinda Williams im Duett. „In Spite Of Ourselves“, der schlüpfrige Titelsong, den er mit Iris DeMent sang, stammte aus seiner Feder. Er hatte ihn für Billy Bob Thorntons Komödie „Daddy & Them“ geschrieben, in der er auch eine kleine Rolle übernahm: „He ain’t got laid in a month of Sundays/ Caught him once and he was sniffin’ my undies/ He ain’t too sharp, but he gets things done/ Drinks his beer like it’s oxygen/ He’s my baby, I’m his honey/ I’m never gonna let him go.“ 

John Prine 1981 in Nashville

Ein Werk rundet sich  

Die Muse küsste ihn im neuen Jahrtausend nicht mehr so oft. Er lebte mit seiner Frau Fiona und den gemeinsamen Söhnen Tommy, Jack und Jody in Nashville, spielte Billard, schaute sich bis spätnachts auf eBay alte Autos an und verbrachte viel Zeit bei den Schwiegereltern in Irland. 2005 erschien mit dem durch seine elegant reduzierten Arrangements und diese „neue“ Stimme stellenweise wie ein Nachlass zu Lebzeiten klingenden „Fair And Square“ – für lange Zeit das letzte Album mit neuen Liedern. „I’m tired of runnin’ ’round“, sang er in dem wohl mit Bedacht ausgewählten Blaze-Foley-Cover „Clay Pigeons“, „lookin’ for answers to questions that I already know/ I could build me a castle with memories/ Just to have somewhere to go.“  

2013 kehrte der Krebs zurück, dieses Mal in der Lunge. Auch den besiegte er und feierte dies wieder mit einer Duett-Platte: „For Better, Or Worse“ von 2016. Zwei Jahre später erschien mit „The Tree Of Forgiveness“ endlich eine neue Sammlung von Prine-Originalen. Um der Ablenkung zu Hause zu entgehen, hatte er sich mit vier Gitarren, zig Demokassetten und zehn Kisten voller Notizblöcke eine Woche lang in einer Hotelsuite in Nashville einquartiert und Material für ein neues Album geschrieben. 

Einer der so entstandenen Songs klingt wie eine Neufassung von „Illegal Smile“ – die stoische Weltsicht ist geblieben, aber er lebt nicht länger allein in seiner Welt: „The lonesome friends of science say/ The world will end most any day“, singt er. „Well, if it does, then that’s okay/ ’Cause I don’t live here anyway/ I live down deep inside my head/ Where long ago I made my bed/ I get my mail in Tennessee/ My wife, my dog and my family.“ Und die erste Single des Albums, „Summer’s End“, ein Dialog zwischen einem an einer Überdosis verreckten Junkie und seiner Familie, erinnert an die Geschichte des am Heroin krepierenden traumatisierten Vietnamveterans „Sam Stone“ vom Debüt. Ein Werk rundet sich. 

Mit „The Tree Of Forgiveness“ schaffte Prine es zum ersten Mal in seiner Karriere in die Top Ten der US-Charts. Ende März erklärte Fiona Whelan Prine, ihr Mann John habe sich mit dem Coronavirus infiziert. Ein paar Tage später veröffentlichte Joan Baez einen Clip, in dem sie Prines „Hello There“ sang – „seit über 40 Jahren einer der meistgewünschten Songs in meinem Repertoire“, sagte sie und wandte sich direkt an Prine: „Ich werde ihn für dich singen und schicke meine besten Wünsche und Gebete.“ Am 7. April starb John Prine im Vanderbilt Medical Center in Nashville. „Sweet songs never last too long on broken radios.“ 

John Prine bei einem Auftritt im John Anson Ford Amphitheatre in Hollywood im Oktober 2019.

 

 

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