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Zum Tode Karl Lagerfelds

Karl Lagerfeld im Porträt: „Sie sind aber nicht von der Bande von Baader-Meinhof, ne?“

Das ist schon ein Problem, vielleicht ein viel größeres, als wir denken: dass Prominente heute keine guten Vorbilder mehr sind, nicht mal theoretisch. Weil sie nie irgendwas einfach nur so machen. Weil man ihnen Geldgier und Gefallsucht so mühelos unterstellen kann. Wenn die irren Erklärungen nichts mehr nützen, geben sie sogar noch zu, dass sie gedopt oder heimlich bei einer Autofirma unter Vertrag waren. Nichts dagegen, kann ja clever sein. Aber wer würde von solchen Leuten einen Lebensrat annehmen? Falls er nicht dringend eine „Was macht eigentlich gerade …“-Kolumne füllen muss?

Worauf das hinausläuft: Der Einzige, dem man vertrauen könnte, ist natürlich Karl Lagerfeld! Unnahbar, herzenskühl, rittmeisterlich strikt. Nie würde er die Wahrheit schleimig biegen. Simple Bosheit muss ihm zu billig sein, und er hat noch mehr große Eigenschaften: er, der mit 68 (oder 73, falls wir windigen Zeitgenossen mehr glauben als ihm) jede Saison mindestens die gewaltigen Kollektionen für die Häuser Chanel in Paris, Fendi in Rom und die eigene Marke designt, auch die Kampagnen gestaltet, für Hefte fotografiert und Bücher macht und seine Nase allein pro Jahr so oft der Kritik hinstreckt, wie es andere feine Herrschaften in den letzten zehn Jahren nicht geschafft haben.

Karl Otto Lagerfeld (* 10. September 1933 in Hamburg, gestorben 19. Februar 2019, Paris)

Lagerfeld, der so reiche Eltern hatte, dass es eh egal ist, wie viele Fantastillionen er verdient. Der angenehmerweise auch nie so tut, als wäre er ganz unten bei den Leuten oder würde es dort auch nur eine halbe Minute lang aushalten. Und der zumindest im Fernsehen nachweisbar nichts mit der Absicht sagt, sich beim Publikum beliebt zu machen (obwohl er beim Ohr-zu-Ohr-Geplausche mit Prinzessin Caroline sicher ein rechter Komplimenteur ist).

Das sind genau die Gründe, aus denen viele den größten und erfolgreichsten deutschen Modedesigner aller Zeiten für einen Fatzke halten, der keine Kritik verträgt. Aber wenn man am Ende ist, wenn Familie und Bekanntenkreis versagt haben, muss man sich mit den letzten Fragen eben auf den Weg nach Paris machen. Nach Deutschland kommt Karl Lagerfeld ganz selten. Vor einiger Zeit hat er sich ein Haus in Hamburg gekauft. Als er nach zwei Jahren merkte, dass er noch immer nicht dort gewesen war, ließ er es wieder ausräumen.

Aufregung unter Lagerfelds Mitarbeitern

Ganz richtig, schönes Wetter in Paris, wie üblich. Ein Häusersprung vom linken Seine-Ufer, um die Ecke von der Abteikirche St. Germain-des-Prés, findet man in der engen Rue de Lille nach dem Musée d’Orsay und sinnlos vielen Möbel-Antiquariaten noch die Hausnummer 7, siebtes Pariser Arrondissement, Lagerfelds Buchgeschäft Libraire 7L. „7L“ heißt seine Edition beim Göttinger Steidl-Verlag, und die sieben Bände schwere Anthologie von Andy Warhols „Interview“-Magazin, die gleich mitsamt Henkel und Rädern zum Hinterherrollern verkauft wird, steht gleich in der Ladenecke. Aber es gibt alles Mögliche hier. Während man bei Chanel in der Rue Royale vom Personal schon tödlich bestarrt wird, wenn man nur zu lange an der Fens-terauslage stehen bleibt, ist es hier extrem gemütlich.

Victor Boyko Getty Images for Dior Homme


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