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Highlight: Netflix: Diese Filme und Serien laufen demnächst aus

Kritik: „Black Mirror“ auf Netflix – alle 19 Episoden im Ranking

Charlie Brooker, Macher von „Black Mirror“, stellte in einem Interview die Frage: „Wenn Technologie eine Droge ist, was sind dann die Nebenwirkungen?“ In den ersten vier Staffeln der britischen Serie wird eine entsprechende Zukunftsvision entworfen. Drohnen werden gehackt und greifen an, Roboter ersetzen Ehemänner, Cartoon-Figuren bewerben sich für ein Amt im Parlament, und es gibt Urteile in den Sozialen Netzwerken, die über unser Leben entscheiden (was nicht so weit entfernt wirkt).

Schon die dritte Season wurde nicht mehr von Endemol produziert, sondern von Netflix, mit mehr Starpower und sichtbar höheren Budgets. Wie gut ist Staffel vier, die seit dem 29. Dezember 2017 verfügbar ist? ROLLING STONE bringt alle Episoden in die Reihenfolge schlecht bis herausragend.

Die Bewertungen beinhalten Spoiler.

19. „Krokodil“ – „Crocodile“ (Staffel 4, Episode 3)

„Black Mirror“ – „Crocodile“

John Hillcoat hat Regie geführt, und zumindest die Landschaft ist ihm gelungen: In seiner Umsetzung von Cormac McCarthys Roman „The Road“ (2008) waren es die verschmutzten Wälder Amerikas, hier sind es die verschneiten Vulkanlandschaften Islands, in denen das Grauen verkehrt. Es sieht also alles sehr beeindruckend aus.

Die Folge ist bemerkenswert, weil Technik hier eine wichtige und positive Rolle für die Aufklärung spielt – mittels Einblicke in Erinnerungen wird ein Verbrechen aufgeklärt. Pointe: Auch Tiere, und seien es Hamster, speichern Erlebtes. Der einzige Zeuge. Nur ahnt der Verbrecher oder die Verbrecherin dies natürlich nicht.

Das Gerät „Recaller“ und dessen außergewöhnliche Fähigkeit wirkt etwas fremd in dieser blutigen Mördergeschichte, die ihren Fokus nicht recht finden kann: Wie konnte aus der Karrierefrau Mia eine Killerin werden? Wieso müssen wir uns so schnell von der Versicherungsangestellten Shazia, die unfreiwillig zur Detektivin wird, verabschieden? „Krokodil“ ist eine Episode, die viele Fragen stellt, für die „Black Mirror“ vielleicht nicht die richtige Heimat ist.

Apropos Heimat: Dass das „Black Mirror“-Ursprungsland England seit der Netflix-Ära (Staffel drei) abgemeldet ist, wird man wohl verschmerzen müssen. Aber kam Ihnen Island hier wirklich wie Island vor? Falls die Serie nun durchwegs amerikanisiert ist, sollte man die Geschichten vielleicht auch in den USA belassen. So schön Island auch ist.

18. „Arkangel“ – „Arkangel “ (Staffel 4, Episode 2)

„Black Mirror“ – „Arkangel“

Mit Jodie Foster engagierte das Team um Netlix/Brooker die bislang bekannteste Hollywood-Persönlichkeit, Foster tritt hier hinter die Kamera. Ihre Idee – totale Überwachung des Kindes mittels Einblick in dessen Sichtfeld – gefällt, Hand aufs Herz, allen Eltern. Schon in unserer realen Welt gibt es heftige Diskussionen darüber, ob Ortung per Handyapp in die Freiheit des Kindes eingreift – oder dies zu größerer Sicherheit führt. Die Erwachsenen jedenfalls, ständig mit Blick aufs Mobiltelefon, werden dadurch ein Stück unfreier.

Schon im Kreißsaal merken wir, dass die alleinerziehende und frisch geborene Mutter Marie eine Angststörung hat, traumatisch wird ihr Erlebnis, als die kleine Sara später auf dem Spielplatz verloren geht. Marie lässt ihr daraufhin einen Überwachungs-Chip einpflanzen. „Früher hat man die Haustür aufgemacht und die Kinder einfach spielen lassen“, sagt der Großvater. „Und dann hab ich mir den Arm gebrochen“, entgegnet die Helikopter-Mutter, damit sind die zwei widerstreitenden Auffassungen auf den Punkt gebracht.

Regisseurin Foster gelingt es, Marie nicht als Unmensch, sondern Kranke darzustellen. Der erhobene Zeigefinger aber beherrscht jede Szene. Deshalb ist Überbehütung schlecht: Die Gewaltszenen im Internet, wenn man selbst keinen Zugang hat, werden durch Mitschüler erzählt; dann kommt der erste Sex, die erste Linie Kokain. Die obligatorischen Beispiele, die obligatorischen Versuchungen. Am Ende ruft die Mutter verzweifelt: „Aber ich liebe Dich doch“. Natürlich tut sie das. Am Ende steigt die Tochter als Tramperin bei einem Trucker ins Führerhaus. Natürlich tut sie das.

Aber brauchen wir zu diesem Thema eine „Black Mirror“-Utopie?

17. „Von allen gehasst“ – „Hated In The Nation“ (Staffel 3, Episode 6)

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„Von allen gehasst“ erscheint wie die „X-Files“, nur ohne Außerirdische – oder zumindest, wenn schon irdisch, dann wie „CSI“, nur eben mit zwei weiblichen Ermittlern. Secret Services, Mission-Control-Räume, hierarchische Situationen unter Anzugträgern – etwas zu geheimdienstlich wirkt diese Geschichte um zunächst unerklärliche Morde, die allen zustoßen, die in den sozialen Netzwerken zu den unbeliebtesten Menschen gehören.

Wie hängen die Roboter-Bienen mit den Todesfällen zusammen? „Die echten Bienen sind ausgestorben“, sagt ein Forscher über die Insekten, deren fundamentale Aufgaben für das Ökosystem nun die Replikas übernehmen. „Gäbe es diese Drohnen nicht, wäre die Alternative eine Umweltkatastrophe.“

Die Episode sendet zwei Botschaften, die auf Biegen und Brechen miteinander verknüpft werden. Zunächst natürlich: Der Mensch zerstört die Natur, hat die Technik nicht im Griff, jetzt gibt’s die Quittung. Die Drohnen als Racheengel gegen Hassprediger aus dem Internet einzusetzen, verquirlt dann aber nicht nur die Genres Tier-Horror mit Grünen-Film – sondern rückt das sehr aktuelle Problem mit den erbärmlichen Netz-Trollen in den Hintergrund.

16. „Hang The DJ“ – „Hang The DJ“ (Staffel 4, Episode 4)

„Black Mirror“ – „Hang The DJ“

Die einzige „Black Mirror“-Episode mit echtem, unzweifelhaftem Happy End. Eine Satire auf Datingsites wie Tinder, mehr noch auf kostenpflichtige Paarfindungs-Seiten, die exakte Vorschläge nach Persönlichkeitskatalogen vermitteln – und dem Single gar keine Abweichmöglichkeiten bieten.

Eine schöne Folge, aber auch redundant: Das Ende offenbart einen Twist, der aus zwei Liebenden aus Fleisch und Blut Simulationen in einem Algorithmus macht. Die Zuschauer verloren sich nicht in Menschen, sondern einfachen Daten.

Ob diese Pointe beabsichtigt war? DieRebellion der beiden Verliebten gegen das System führte erst Recht, also im echten Leben, dazu, dass die Technik Recht behält.

15. „Abgestürzt“ – „Nosedive“ (Staffel 3, Episode 1)

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Netflix vertreibt „Black Mirror“ seit der dritten Staffel und präsentiert einen sehr teuer wirkenden, mit Stars besetzten Start: Alles leuchtet und glitzert, nicht in einer britischen, sondern in einer amerikanischen Stadt. Die Gesellschaft bewertet jeden Menschen – nicht nach ihrem Können, sondern nach ihrer Beliebtheit, auf einer Skala von 0 bis 5. Per Handy geben die Leute ihren Mitbürgern Noten. Wer aus der Reihe tanzt, landet schnell bei unter 4 und wird damit ausgeschlossen: von Reisemöglichkeiten, Krankenbetten, Jobs, Immobilien.

Die junge Lacie fällt durch eine Reihe von Missgeschicken durchs soziale Netz, ihre 4 ist im freien Fall Richtung Less Than Zero. Bryce Dallas Howard ist hier, wie in ihren meisten Filmen, keine  Sympathieträgerin; bei Cherry – „Transparent“, „24“ – Jones stellt sich die Frage, ob ein zu hoher Bekanntheitsgrad für sehr kleine Nebenrollen nicht eher schädlich ist. Ihrer anarchistischen Truckerin mit dem Wert 1 komma nochwas wird fast zu viel Augenmerk geschenkt.

„Abgestürzt“ verläuft für „Black Mirror“-Verhältnisse ein wenig zu linear, der Ton ist eher optimistisch als parodistisch, und das Finale kommt mit Ansage. So wie in „Von allen gehasst“ steht auch hier der Fluch sozialer Netzwerke im Vordergrund.

14. „Männer aus Stahl“ – „Men Against Fire“ (Staffel 3, Episode 5)

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Schwer bewaffnete Hi-Tech-Soldaten durchpflügen terrestrische Landschaften auf der Suche nach „Kakerlaken“. Klingt zunächst wie Starship Troopers auf Erden-Mission, nur handelt es sich bei den „Insekten“ um scheinbar genetisch mutierte und aggressive Menschen. Als einer der Infanteristen nach einem Kampf seltsame Visionen entwickelt, beginnt er den Sinn seiner Streifzüge in Frage zu stellen.

Die große Kritik an den Umständen – Soldaten als Marionetten, wer ist „Kakerlake“, wann fängt das Menschsein an? – sind altvertraut. Es ist der Militär-Psychologe, der dem zweifelnden Soldaten hier die Prinzipien einer bösen Gesellschaft vorstellt, die an Konditionierung, Euthanasie und Mord am Schwächeren als „große Leistung“ glaubt. Etwas zu dick aufgetragen wirkt die Entscheidung, die „Kakerlaken“-Menschen mit osteuropäischen Dialekten und polnischen Namen auszustatten.

Es gibt den Brexit, und die fremdenfeindlichen Übergriffe haben in Großbritannien zugenommen – aber deshalb gleich den Zaunpfahl nehmen? Leichte Ironie: Die Maske, die jeder Soldat aufsetzen muss, maskiert sie selbst – sie werden zu willfährigen Killern.

13. „San Junipero“ – „San Junipero“ (Staffel 3, Episode 4)

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Filmische Dramen über lesbische Liebende sind meist hochambitioniert und sehr ernst, und auch diese von Owen Harris inszenierte Folge bemüht sich um Verdichtung und Intensität (außerdem hat jeder Filmemacher den Ansporn nicht einfach nur Männerfantasien zu bedienen). Die Anziehung zwischen einem Mauerblümchen (Mackenzie Davis als eine Art Molly Ringwald in uncool) und Partylöwin (Gugu Mbatha-Raw) bleibt bis zum Ende bemerkenswert unergründlich.

Alle Fantasie-Welten – die ungleichen Zwei treffen sich 1987, 1991 und 2002 – erscheinen leicht überdekoriert; wie zuletzt nur in „Deutschland 1983“ wird Zeitkolorit vor allem dadurch bemüht darzustellen, indem möglichst viele Pop-Songs des jeweiligen Jahres angespielt werden: Die Hölle von 1987, von Belinda Carlisle über Robbie Nevil bis Living in a Box. Dennoch ist „San Junipero“ die heute wohl meistgeliebte „Black Mirror“-Episode, ihr Soundtrack erhielt gar eine eigene Veröffentlichung.

Es stellt sich die Frage, wie erfüllend als auch anerkannt „verbotene Liebe“ sein dürfte, wenn sie nur im Gedankenuniversum ausgelebt wird. „Hier macht das doch keinen Sinn, für immer leben“, sagt Kelly, und sie hat Recht.

12. „Black Museum“ – „Black Museum“ (Staffel 4, Episode 6)

„Black Mirror“ – „Black Museum“

Die zweitlängste „Black Mirror“-Folge, gleichzeitig Season-Abschluss, bietet eine Aneinaderreihung von drei Kurzepisoden. Im verlassenen Museum von Rolo Haynes liegen von ihm selbst entwickelte Geräte, nun Austellungsstücke, mittels derer der Forscher einst Menschen ermöglichte, in die Köpfe, Gedanken und Sinneswahrnehmungen anderer einzudringen – oder sie gleich digital zu duplizieren.

Clever ist die Struktur der Einzelgeschichten, zusammengehalten durch eine Rahmenhandlung, in der eine junge Frau sich vom Museumsleiter die Geschichte des Gruselkabinetts erklären lässt. Allerdings drückt das Gewicht aktueller Gesellschaftsbezüge bisweilen arg. Das Thema Fake News wird gestreift; die Frage, Leute ohne Krankenversicherung kostenlos zu behandeln; die Frage, wann Leben beginnt und wann es endet; ob digitale Kopien „nicht rechtlich, aber ethisch getötet“ werden können, ob es „Menschenrechte auch für Cookies“ gibt.

Es sind doch die einfachen Fragen, die hier berühren: Wie wichtig ist mir Privatsphäre? Und wie schnell kann aus Vertrautheit Verachtung werden?

11. „Die Waldo-Kandidatur“ – „The Waldo Moment“ (Staffel 2, Episode 3)

Black Mirror The Waldo Moment l-r: Liam Monroe (Tobias Menzies), Gwendolyn (Chloe Pirrie), Robert (Jack Monaghan) and Simon Finch (Louis Waymouth)

Die nach Meinung der meisten Kritiker schlechteste Episode ist kein Geniestreich, aber auch nicht missraten. Ihr Trumpf besteht in der Radikalisierung der „Black Mirror“-Philosophie: Eine Ausgangslage ist dann nicht mehr absurd, wenn die Protagonisten die Ausgangslage völlig ernst nehmen.

Ein Cartoon-Charakter droht die politischen Rivalen aus Labour und Tory auszustechen und Parlamentsmitglied zu werden, weil er wegen seiner obszönen und aggressiven Art, mit der er die Gegner attackiert, immer beliebter wird. Die Witzfigur heißt Waldo, nicht Trump, und die 2013 gedrehte Folge schien die aktuelle Situation in Amerika fast vorwegzunehmen.

Für Rezensenten und Fans damals ein leichter Overkill, aber die zunehmende Verzweiflung, mit der die britischen Politiker auf den animierten Bären reagieren, wirkt absolut glaubhaft.

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David Dettmann/Netflix
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HAL SHINNIE

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