Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten: Roxy Music – „Siren“


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Im ROLLING STONE lobte Simon Frith 1975 die straffe Produktion und Bryan Ferrys Kon­zentriertheit. „Love Is The Drug“ wurde ein Hit und „Just Another High“ die lakonischste Um­schreibung für Liebe (und Kokain).

Dennoch hatten Roxy Music ihren Zenit überschritten, schien Ferry nach zwei Soloalben das Interesse an der Band verloren zu haben, die er danach vier Jahre pausieren ließ. Das Album verkaufte sich schlechter als seine erfolgreichen Vorgänger. Aber es ist womöglich ihr bestes.

Der Soundtrack zu Bryan Ferrys Leben?

Alles, was Roxy Music ausmacht, ein letztes Mal und auf den Punkt produziert. Das düster vagabundierende, beängstigende „Sentimental Fool“; der Klavier-Punch von „She Sells“, diesem enorm agilen Lieblingssong mit seinem disruptiven Break; die ungewohnt roughe Lounge­-Schmonzette „Could It Happen To Me?“; das dynamische, treibende „Both Ends Burning“, was wohl einer Zustandsbeschreibung Bryan Ferrys 1975 entspricht.

Ein pessimisti­scher Romantiker, ein Mann der Frauen und der Drogen, und das hier ist sein perfekter Soundtrack. Dim the lights, you can guess the rest.


Die meistunterschätzten Alben aller Zeiten

Ohne Konzerte und Festivals fanden wir uns plötzlich abends auf unsere Plattensammlungen zurückgeworfen und stellten fest: Oft sind es nicht die kanonisierten Klassiker, die man besonders gern auflegt.

Stattdessen sind es Alben im Katalog eines lieb gewonnenen Künstlers, die man ganz für sich allein zu haben scheint, weil der Rest der Welt sie verschmäht oder gar schon vergessen hat – missverstandene Geniestreiche, verkannte Meisterstücke, vernachlässigte Schlüsselwerke und Platten, die einfach viel besser sind als ihr Ruf und eine Neubewertung verdienen.