Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 8, Folge 10: Gefangen im Kunstmüll

Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 8, Folge 10: Gefangen im Kunstmüll

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Spoiler-Hinweis.

Die Müll-Leute sollen ja recht kunstinteressierte Überlebende der Zombie-Apokalypse gewesen sein. Aber nur bei deren Anführerin Jadis war bislang echte Begeisterung für die Sache zu spüren. Die anderen liefen ja immer nur rum, sie aber legte auch mal Hand an. Die Bicolor-Hipsterin würde mit ihren gelöteten Installationen auch in einem Hinterhof von Berlin-Neukölln eine gute Figur machen.

Nun helfen ihr erstmals die gehorsamen Genossen bei der Erstellung des ultimativen Kunstwerks. Als Zombies lassen sie sich nach und nach in eine Schrottpresse fallen, werden zu Blutmatsch zerdrückt und tragen damit zu – Achtung! – Kunst am laufenden Band bzw. Kunst vom Fließband bei. Das Blutpüree spritzt bis auf die Leinwände, die Jadis einst gemalt hat, erweitern quasi das Farbspektrum von Gemälden.

Sie ist die einzige Überlebende. „Dieser ganze Ort“, sagt Jadis, „war wie eine Leinwand. Wir waren die Farbe, wollten etwas Neues erschaffen, etwas Neues werden.“ Das ist ihnen ja gelungen.

Achtung, Namensschilder!

In der zehnten Folge („Botschaften“) der achten „The Walking Dead“-Staffel setzen die Serienmacher wohl ganz auf die Wirkung von Kunst und kunstvoller Inszenierung. Dazu gehört auch erstmals die Einblendung von Namenstafeln vor bestimmten Szenen. „Michonne“, „Negan“, „Enid“, „Simon“, „Jadis“ und „Rick“.

Das ist sicher berechtigt, wenn man eine Erzählung aus stark eingeschränkter, wahrnehmungszentrierter Sicht einer einzelnen Figur zeigen möchte. Das ist bei „The Walking Dead“ aber noch nie gelungen. Hier auch nicht. Und wären die sechs Namen ihren Szenen nicht vorangestellt worden, es würde nicht auffallen – sechs verschiedene Hauptfiguren in sechs verschiedenen Settings können pro Episode normal sein.

Hier wurde besonders dringlich versucht, Inneneinsichten der Charaktere deutlich herauszuarbeiten. Dafür muss man aber nicht so tun, als wäre man in einem komplex strukturierten Ensemblefilm von Robert Altman. Es hätte einfach gereicht, den Figuren gute Entwicklungen zu geben. Sieht man Simon (Namensschild!) einmal, allein im Zimmer, weinen? Michonne (Namensschild!) ein einziges Mal zögern, einen Zombie mit dem Schwert zu zerteilen? Das wären Namensschild-Entwicklungen gewesen.

Aber keiner der sechs benimmt sich anders, als er oder sie es getan hätte, wenn man nicht per Namenschild etikettiert zum Mittelpunkt des Untoten-Universums erkoren worden wäre. Diese Folge betreibt eine Verkünstelung, bei der man den Kopf in den Händen vergraben möchte.

Doch, eine Verhaltensänderung gibt es. Aber die fällt in eine andere Kategorie. Allein die „Janis“-Episode demonstriert eine der, vielleicht die größte Schwäche der Zombie-Serie: Verhaltensweisen der Charaktere werden nach Belieben verbogen, solange es einer Gewaltszene dienlich ist. Jadis und die Müll-Leute benehmen sich out of character: Nicht nachvollziehbar, warum sie ihre Waffen bereitwillig Simons Schergen ausliefern.

Haben sie zuvor nie getan, und auch jetzt besteht dazu kein Grund. Alle sind kampfstark. Aber sie müssen sich ja entwaffnen lassen. Sonst, dachten sich die „TWD“-Autoren vielleicht, könnten die Müllies ja nicht sterben. Sonst wäre Jadis ja auch nicht mehr auf sich allein gestellt. Und warum soll Jadis eigentlich auf sich allein gestellt sein? Ach, sehen wir dann! Let’s shoot this!

Der Junge hatte es drauf!

Negan formuliert das, was jeder vernünftige „Walking Dead“-Fan weiß: Carl den Serientod sterben zu lassen, war ein Riesenfehler. „That Kid Was The Future“, sagt der Boss. „That Kid Is Built For This Shit“.

Der größte Fehler bestand vor allem darin, nicht Negan für Carls Tod verantwortlich zu machen, sondern einen Zombie. Das beraubt Rick der Motivation sich an seinem Feind zu rächen. Sollte man glauben. Das „Walking Dead“-Drehbuchteam hat sich dazu jedoch etwas überlegt. Die Bombe lassen sie nun platzen. In einem Gespräch über Funk macht Rick dem sichtlich verblüfften Negan deutlich, dass er wütend auf ihn ist – weil es eben nicht er, der keulenschwingende Bösewicht ist, der Carl auf dem Gewissen hat. Jetzt muss Rick einen Grund finden ihn dennoch anzugreifen.

Findet er.

Weil Negan mit der Sache nichts zu tun hat, will Rick ihn nämlich erst recht fertig machen. Damit erkennt Rick die Macht an, die Negan auf den Jungen ausübte. Anders lässt sich sein Hass einfach nicht erklären. Vielleicht spielte auch Wut auf den pubertierenden Sohn eine Rolle – der hatte einen Brief an seine zweite Vaterfigur geschrieben, mit der Bitte, die Streithähne sollen sich versöhnen.

„Versagt“

Negan ist also zunächst verblüfft. Dann sieht er zum ersten Mal etwas mitgenommen aus. Dann ist er wieder Negan und macht das einzig Richtige: Wäscht dem trauernden Daddy den Kopf. Er sagt: „Du hast als Vater versagt.“

Ganz so schlimm ist es wohl nicht, denn Carl starb bei einem Hilfseinsatz, also für die gute Sache.

Schlimm ist, dass die „TWD“-Macher bei Rick in den hintersten Gehirnwindungen suchen müssen, um ihn gegen Negan anzustacheln.

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