Madonna und die Ironie: Ärger um „Black Muslim“-Kommentar über Obama


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Politische Äußerungen auf Konzerten sind keine Seltenheit, auch für Madonna nicht. So plädierte sie bereits früher im Jahr für die Befreiung der Punk-Band Pussy Riot (wir berichteten). Dass so etwas aber auch nach hinten los gehen kann, bewies die Popdiva während eines Konzertes in Washington D.C. anfang dieser Woche. Dort titulierte sie Barack Obama als „Black Muslim“.

Zuerst fing die Ankündigung ganz nett an. Sie lobte Abraham Lincoln und Martin Luther King, Jr. und reihte dann Obama in die Liste der Friedenskämpfer mit ein. „Es ist so toll und unglaublich, dass wir einen Afro-Amerikaner im Weißen Haus haben,“ hieß es seitens Madonna. Dann ging es aber weiter: „Ihr solltet alle besser für Obama stimmen, OK? Wohl oder Übel, haben wir einen schwarzen Moslem im Weißen Haus, OK? Das ist eine Sache, das ist eine Wahnsinns-Sache.“ Vielleicht sollten diese Kommentare ja eine der neuen, Madonna typischen Versuche sein, hip zu klingen, denn ganz in Pseudo-Jugendsprache vorgetragen hieß es dann: „Das  bedeutet, es gibt Hoffnung für dieses Land. Und Obama kämpft für die Rechte von Homosexuellen, OK? Also, unterstützt diesen Mann, verdammt noch mal!“

Um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen, entblöste Madonna dann den unteren Teil ihres Rückens, auf dem der Name des US-Präsidenten geschrieben stand. Dazu gab’s das Versprechen für die Fans, sie würde alles ausziehen, wenn Obama bei der Wahl im November für eine zweite Legislaturperiode ernannt werden würde.

Bleibt abzuwarten, wie förderlich diese ‚politische Erpressung‘ à la Madonna tatsächlich für die Karriere des Demokraten ist. Die Kampagne kam wohl nämlich doch nicht so gut an, wie der Popstar das erwartet hätte. So wurde daraufhin in Medien diskutiert, ob sie vielleicht nicht wisse, dass Obama kein Moslem sei. Madonna sah sich der Nachrichtenagentur Reuters zufolge zur Erklärung ihrer skurrilen Wahlwerbung genötigt: „Ich meinte das ironisch. Ich weiß, dass Obama kein Moslem ist. Auch wenn eine Menge Leute in Amerika denken, er wäre es. Und selbst wenn es so wäre, was wäre so schlimm daran?“ Die Vorwürfe sind gerechtfertigt. Des Öfteren wurden Vorwürfe politischer Gegner des US-Präsidenten laut, er sei Anhänger des Islam, verheimliche dies jedoch, um seine Wahlchancen nicht zu verspielen. Auch Musiker schlossen sich dieser Meinung an. So machte beispielsweise der Countrymusiker Hank Williams Jr. Negativ-Schlagzeilen als er Obama als „muslimischen Präsidenten beschimpfte, der die USA hasst“ (wir berichteten).

Geschickt sieht dennoch anders aus, denn vielleicht gerade deshalb wurde der Kommentar nicht als Witz verstanden. Im Zuge ihrer Rechtfertigung fuhr Madonna dann fort: „Der Punkt, auf den ich anspielte, war einfach der, dass ein guter Mann ein guter Mann ist, ganz gleich, zu wem er betet. Es interessiert mich nicht, welcher Religion Obama angehört. Das sollte auch niemand anderen in Amerika interessieren.“