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Jenni Zylkas Typewriter: Das Recht auf Rausch

Zugleich wurden jedoch Racial-Profiling-Vorwürfe laut: Dunkelhäutige Menschen würden in traditioneller Sippenhaftmanier des Dealens verdächtigt und könnten gar nicht mehr durch den Park gehen, ohne gefilzt zu werden. Von den sich nur verlagernden Problemen – kobern die Dealer eben aus dem nächsten Hauseingang weiter – ganz zu schweigen. Und von der komplexen Grundsituation, dass für viele aus ungeliebten Ländern stammende Drogenhändler Möglichkeiten für den legalen Brot-erwerb verboten sind, erst recht.

Marihuana mit Bio-Siegel?

Laut dem früheren BGH-Richter Wolfgang Neskovic, der 1994 das „Recht auf Rausch“ erstritten hatte – unter anderem mit dem Argument, der rauschaffine Erwachsene würde, falls Haschisch verboten ist, nach der laut offiziellen Angaben viel gesundheitsschädlicheren Krücke greifen, dem Alkohol nämlich –, könnten solcherlei Vorschriften nicht im Sinne des Erfinders sein.

Sind sie auch nicht. Im Görlitzer Park zeigt sich, was passiert, wenn entgegen allen Erfahrungen manche Drogen verdammt, andere erlaubt, manche teuer beworben und wieder andere kriminalisiert werden. Anstatt endlich ein paar Gentrifizierer-Coffeeshops aufzumachen, sauber gedrehte Tüten neben die Jazz-Compilations zu legen und dort freundliche Fachkräfte aller Länder arbeiten zu lassen, werden Drogen in „böse“ und „gut“ eingeteilt. Als ob dem rauschberechtigten Erwachsenen – und nur um den geht es – nicht bekannt wäre, dass Rauschmittel und Nikotin gesundheitsschädlich sind.

Anstatt endlich sauber gedrehte Tüten neben die Jazz-Compilations zu legen und dort freundliche Fachkräfte aller Länder arbeiten zu lassen, werden Drogen in „böse“ und „gut“ eingeteilt.

Vielleicht müsste man, um die Gesellschaft drogenbewusster und damit sukzessiv drogenfrei zu bekommen, wie beim gesellschaftlich immer verpönteren Fleischkonsum vorgehen: Wie wäre es mit der Legalisierung von nachhaltig angebauten Drogen? Marihuana mit Bio-Siegel? Kokain aus fairen Familienbetrieben statt von kolumbianischen Kartellen? Bier, das mit klimaneutralen Zügen transportiert wird? Und ein Euro von jeder verkauften Tüte geht in die Suchthilfe.



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