MTV European Music Awards 2021: Teilnehmer*innen setzen politisches Zeichen


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Ed Sheeran und die koreanische Über-Boygroup BTS waren die großen Abräumer bei den MTV European Music Awards (EMA), die am Sonntag in der ungarischen Hauptstadt Budapest über die Bühne gingen.

BTS holten sich gleich vier EMA-Trophäen in den Kategorien Bester Pop-Act, Beste Band, Beste Fan-Community und – wenig überraschend – Beste K-Pop-Band. Sheeran wurde als Bester Künstler gekürt; sein „Bad Habits“ als Bester Song. Ein wenig exzentrisch wirkt die Wahl der italienischen European-Song-Contest-Gewinner Måneskin als Beste Rockband. Hier setzte sich der schrille Glamour gegen das solide Rocker-Handwerk durch.

Nun sind die europäischen MTV Awards, die 1994 zum ersten Mal in Berlin stattfanden, nicht mehr jene Pop-Institutionen vergangener Jahre. Mit dem Bedeutungsverlust des Musikfernsehens geriet auch deren zentrale Preisverleihung ins Hintertreffen. Immerhin war Ed Sheeran persönlich in Budapest anwesend, begrüßt von US-Sängerin und Moderatorin Saweetie, die wiederum selbst auftrat und einen Preis in der Kategorie „Beat New“ erhielt. Nicki Minaj gewann „Best HipHop“, der englische Krawall-Punk Yungblud „Best Alternative“ und der kolumbianische Reggaeton-Sänger Maluma räumte die Latin-Trophäe ab.

Weitaus brisanter geriet die Verleihung in der neuen Kategorie „Generation Change“, die an die ungarische LGBTQIA+-Aktivistin Viktoria Radvanyi ging. Radvanyi organisiert seit Langem die zentrale Queer-Parade „Budapest Pride“, die von der rechtsnationalen Fidesz-Partei unter Victor Orban massiv bekämpft wird.

Schon im Vorfeld ließ Kanzleramtsminister Gergely Gulyas verlauten, dass die MTV-Veranstaltung damit zu einer „Provokation gegen die Regierung“ gerate. Die Fidesz-Regierung hatte im Juni 2021 ein Gesetz verabschiedet, das Werbung und Informationen für nicht-heterosexuelle Lebensformen stark einschränkt. „Alle Menschen werden gleich geboren. Punkt“, sagte Preisträgerin Radvanyi in ihrer Dankesrede. Und plötzlich waren die MTV-Awards weit mehr als nur Showbiz.

+++Dieser Artikel erschien zuerst auf musikexpress.de+++