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Mysteriös, nicht magisch: die neue Serie „Weinberg“

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Mysteriös, nicht magisch: die neue Serie „Weinberg“

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Von wegen „Im Wein liegt die Wahrheit“! Im Ahrtal, in einem kleinen Ort namens Kaltenzell, scheint jeder etwas zu verbergen. Die Stimmung ist düster, sogar beim Weinfest kommt keine rechte Stimmung auf. Liegt vielleicht an der Ankunft eines geheimnisvollen Mannes (Friedrich Mücke), der sein Gedächtnis verloren hat, aber erzählt, er habe die Leiche der Weinkönigin gesehen. Kurze Zeit später hängt sie tatsächlich tot in den Reben.

Weinberg_EP1-B2 Sophia (Sinha Melina Gierke)© TNT Serie/ Martin Rottenkolber
Vision oder Wirklichkeit? Die tote Weinkönigin (Sinha Melina Gierke) © TNT Serie/ Martin Rottenkolber

In der neuen Eigenproduktion von TNT Serie ist alles auf Anspannung, Grusel und Verwirrung angelegt – ganz nach amerikanischem Vorbild. Der Wirt (Arved Birnbaum) stellt gleich mal klar, dass es keine Polizei braucht („Wir regeln die Dinge hier lieber selber“), und bei all den misstrauischen bis feindseligen Nachbarn ist es kein Wunder, dass sich der Fremde nur der pensionierten Psychologin (zunächst blass: Gudrun Landgrebe) anvertrauen will.

Das Personal von „Weinberg“ ist leider ziemlich trivial: Es gibt den verängstigten Dorfdeppen, das schöne Luder, den grantigen Vater, die hysterische Mutter. Und einen vietnamesischen Aushilfspfarrer, der viel zu tun hat, aber wenig versteht. Immerhin Max Mauff („Sense8“, „Victoria“) fällt wieder positiv auf – nicht als Sänger der albernen Punkband Angry Fucks, sondern mit seiner subtilen Wut. Friedrich Mücke schaut indes ausdauernd angestrengt in den Spiegel, auf der Suche nach sich selbst, nach irgendwelchen Erinnerungen und einem Ausweg. Natürlich ist Vollmond.

Weinberg_EP1-B37 Held (Friedrich Mücke), Hanna Zepter (Antje Traue), Zepter (Arved Birnbaum)© TNT Serie/ Martin Rottenkolber
Das Ehepaar Zepter (Antje Traue, Arved Birnbaum) bestimmt das Geschehen im Dorf © TNT Serie/ Martin Rottenkolber

Während „Blochin“, der andere neue deutsche Serienheld in diesem Herbst, seine mysteriöse Vergangenheit bewältigen wollte, muss der Typ in „Weinberg“ sie erst mal wieder finden. Vorerst nennt er sich Johannes Fuchs, weil er ein ausgestopftes Tier sieht (offensichtlich immer noch der Lieblingszimmerschmuck in Kaltenzell) und ein Bild des Apostels. Alles ist Andeutung, alles soll magisch wirken. Doch Effekthascherei ist nicht gleich Magie. Fragen Sie mal M. Night Shyamalan.

„Weinberg“ läuft dienstags um 21.10 Uhr auf TNT Serie.

 

Martin Rottenkolber
Martin Rottenkolber
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