Spezial-Abo

Never Mind The Atomwolke: Wie Musiker auf Tschernobyl reagierten

Zurück im Rheinland wurde mir dann in der ersten Mai-Tagen – nach 24-stündiger Zugfahrt via Kopenhagen – das ganze Ausmaß der Katastrophe klar. Begrüßt wurde ich mit Geigerzähler-Witzen. Schweden lag schließlich in der Länder-Top-Five des mittlerweile international erstellten Gefahren-Szenarios. Doch auch in den folgenden Wochen und Monaten wollte in der progressiven Kulturszene kein „Tschernobyl-Bewusstsein“ aufkommen.

Natürlich haben auch Ex-Punks wie Die Toten Hosen in Wackersdorf gespielt – und sich dort im Umfeld der versammelten Deutschrocker zünftig besoffen. Und auch die Düsseldorfer Elektro-Kollegen von Kraftwerk haben, irgendwann später, ihr ursprünglich Technologie-begeistertes „Radioaktivität“ zum Anti-Atom-Track umgedichtet; was wir seinerzeit ziemlich lasch und weichgespült fanden.

Aber die internationale Afrika-Kampagne von 1985 – mit dem zweifelhaften deutschen Beitrag „Nackt im Wind“, gegen den nicht nur Fehlfarben-Boss Peter Hein polterte – hatte weit mehr Staub in der Kulturwelt aufgewirbelt. Die Anti-Latzhosen-Attitüde aus den Postpunk-Tagen mit dem emblematischen Track der rheinischen Avantgarde-Band SYPH, „Zurück Zum Beton“, wirkte hier noch nach.

BAP, Wolf Maahn, „Karl, der Käfer“ und die ganze Wackersdorf-Nummer war einfach zu weit weg – so von der Haltung und Ästhetik her. Aus heutiger Sicht sicherlich sehr overstyled und auf subkulturelle Distinktion bedacht. Doch so war das damals – in den Achtzigern.



Rammstein verstrahlt: Till Lindemanns neue Tschernobyl-Pics

Till Lindemann teilte auf Instagram weitere Fotos von seinem Sonntagsausflug nach Prypjat, den er während seiner „F&M“-Tour unternommen hatte. In zwei stillgelegten Hallen der ukrainischen Geisterstadt posierte er für Schwarzweiß-Bilder. Einmal steht er stramm, auf dem anderen Motiv sitzt Lindemann auf dem Fabrikboden in angemessenem Sicherheitsabstand zu einem ausgelaufenen Faß, dessen getrocknete Flüssigkeitsrinne am Boden von einem Graffito übermalt wurde. Ein Fan kommentierte das Bild mit Worten, mit denen man vielleicht nicht ganz Unrecht hat: „the only place without coronavirus right now.“ Ein anderer kommentierte das Geschehen so: „Some catch corona others catch Tchernobyl radiations.“ Till Lindemann auf Instagram: https://www.instagram.com/p/B9zOBR7ppTx/…
Weiterlesen
Zur Startseite