Highlight: Für Fans von Sebadoh: Diese Bands stillen Ihren Hunger nach Lo-Fi

Dinosaur Jr. I Bet On Sky


Play It Again Sam / Rough Trade VÖ: 14. September 2012

Als Dinosaur jr. Ende der 80er-Jahre in Europa ankamen, kompilierten wir Mixkassetten, auf denen ansonsten noch Mudhoney, Buffalo Tom und die Pixies waren, aber (etwas später) auch Fugazi und andere US-Hardcore-/Punkbands jener Zeit. Hatte man eine Rocksozialisation hinter sich, musste man sich an die torkelnde Spielweise und den unorganisierten Lärm gewöhnen, doch diese Bands waren die Wende aus Amerika: So viel brüchige Naivität schwang insbesondere in den Liedern von J Mascis mit, dass man das neue, unsichere Jahrzehnt am Horizont aufziehen sah und in dieser Musik den passenden Soundtrack erkannte.

25 Jahre später haben sich die seit 2005 wieder im Original-Line-up aktiven Dinosaur jr. ihre Identität bewahrt – das ist das Unerhörte dieses Comebacks. Gleich im ersten Lied spielt J Mascis ein Gitarrensolo, das die herrliche Trauerkloß-Verzagtheit der Band ausdrückt. Die Gitarre flötet und zittert, und Mascis sucht halb unbeholfen, halb genial nach einfachen Tonfolgen, als wolle er den Grunge-Akkorden ein Kinderlied abringen. Halb unbeholfen, halb genial: Ein großer Teil aller guten Musik entsteht aus dieser Spannung. Auf „I Bet On Sky“ überrascht die Band mit einigen ungewöhnlichen Arrangements – in ein Lied ist ein akustisches Interlude eingebaut, bei einigen anderen spielen Keyboards mit. Doch J Mascis‘ Klangmonolith bleibt derselbe, die Band insgesamt bei ihren Leisten: schwankende Midtempo-Hardrocker mit Black-Sabbath-Riffs, dünn-gebrochener Gesang, schmatzende Crazy-Horse-Soli, ultratraurige, im Gitarreninferno versenkte Popschmachter und pumpende Punkrock-Explosionen. An „Pierce The Morning Rain“ könnte man gleich die ganze Geschichte dieser Musik erzählen, die erst Alterna, dann Grunge und dann Indie hieß: Das Riff hätte MC5 einfallen können und würde noch heute auf jedes Pearl-Jam-Album passen. Doch gespielt wird es von J Mascis.

Beste Songs: „Don’t Pretend You Didn’t Know“, „Pierce The Morning Rain“

>>>> Albumstream


ÄHNLICHE KRITIKEN

Dinosaur Jr. :: Give A Glimpse Of What Yer Not


ÄHNLICHE ARTIKEL

Für Fans von Sebadoh: Diese Bands stillen Ihren Hunger nach Lo-Fi

Im Mai veröffentlichten Sebadoh nach sechs Jahren ihr neues Album „act surprised“. Diese Bands reiten ebenfalls die Indie- und Lo-Fi-Welle.

ROLLING STONE präsentiert: J Mascis auf Tour 2019

J Mascis, Sänger und Gitarrist der Band Dinosaur Jr., besucht dieses Jahr mit seinem fünften Soloalbum „Elastic Days“ im Gepäck Deutschland.

Dinosaur Jr. beim ROLLING STONE Weekender: Ein Fanal, ein wunderschöner Noise-Overload

Rockmusik ist tot? Niemand, der auch nur einen einzigen Song dieses Konzerts gehört hat, kann das behaupten.


Schon
Tickets?

Oscars: Alle „Bester Film“-Gewinner von 1990 bis 2019 im Ranking

>>> Jetzt auf Spotify, iTunes oder Deezer abonnieren: „Die Streifenpolizei“ 29. „Braveheart“ (1995) https://www.youtube.com/watch?v=1NJO0jxBtMo Dass das Kostümdrama über den schottischen Widerstandskämpfer William Wallace heute auf YouTube vor allem in Goof-Videos zu sehen ist, also Filmfehler dokumentiert werden, Autos im Bild, Armbanduhren usw., muss nicht unbedingt für die schlechte Qualität des Streifens stehen. Kann passieren. „Braveheart“ ist als Action-Film nicht mal unbedingt schlecht. Aber er ist eben kein „Bester Film“. Was den in den USA lebenden Australier Mel Gibson an der Rolle des Nordbriten gereizt haben könnte? Die Aufopferung seiner Figur, der Tod für die Freiheit seines Volkes? Held spielen. Pathos…
Weiterlesen
Zur Startseite