Serie der Woche: „Obsession“ (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Serie der Woche: „Obsession“



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Man hat mit den Jahrzehnten ja einiges gesehen, weshalb soll einen da eine kleine Serie noch ärgern? Leider hat Heinz Rudolf Kunze aber recht, „Noch hab’ ich mich an nichts gewöhnt“, und der britische Vierteiler „Obsession“ ist einfach so unerfreulich. Josephine Harts Geschichte, die 1992 von Louis Malle unter dem Titel „Verhängnis“ verfilmt wurde, war ja damals schon haarsträubend, doch die Hauptdarsteller waren Juliette Binoche und Jeremy Irons, denen ließ man einiges durchgehen.

Nun müht sich Richard Armitage als Chirurg William Farrow ab, uns zu beweisen, dass gegen Leidenschaft einfach nichts zu machen ist – und wer würde ihm widersprechen wollen? Nur: Warum sieht diese Leidenschaft hier so dermaßen billig aus? Als wäre Sex nur in gestohlenen Momenten oder dunklen Gassen aufregend! Charlie Murphy hat als Anna, die eigentlich mit seinem Sohn Jay (Rish Shah) zusammen ist, als sie eine Affäre mit William beginnt, nicht annähernd Binoches Ausstrahlung.

Sie guckt eigentlich immer nur leer durch die Gegend, und das finden die Farrows offensichtlich supersexy. (Vielleicht gefällt ihnen auch, dass es ihr offensichtlich gelingt, innerhalb von einer halben Minute ohne wirkliche Stimulation zum Orgasmus zu kommen.) Das überdramatische Ende bringt dann auch wenig, weil kaum jemand mit diesen armseligen Holzschnittfiguren mitleiden wird. (Netflix)


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