Sigur Rós Valtari


EMI VÖ: 25. Mai 2012

Unter einer Dampfwalze stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Mit der Bezeichnung eben einer solchen Baumaschine übersetzt sich der Titel des sechsten Sigur-Rós-Albums nämlich. Doch auf „Valtari“ befindet sich alles in einem Schwebezustand. Es gibt nichts, woran man sich festhalten kann, die sakralen Chöre nehmen keinen bemerkbaren Anfang und kein bemerkbares Ende. Es brodelt, grummelt, knackt, zischt, dass man nur mit Müh und Not das mit der Bandheimat Island assoziierte G-Wort vermeiden kann. Das Klavier tröpfelt, setzt sich langsam in Bewegung, Sänger Jónsi Birgisson, Freund des gehauchten Falsetts, arbeitet auf keinen offensichtlichen Höhepunkt hin. Musik als Masse.

Die 54 Minuten Spielzeit verteilen sich auf acht Songs, denen alle herkömmlichen Strukturen fehlen. Mit größerer Fokussierung auf elektronische Sperenzchen bewegen sich die Isländer in Richtung Ambient und machen dort weiter, wo sie eigentlich mit ihrem dritten Album (das mit den Klammern!) 2002 aufgehört haben. Das muss man wohl für einen mutigen Schritt halten, und das mag auch als Untermalung für TV-Dokus passen – als Begleiter des wirklichen Lebens aber ist „Valtari“ untauglich. Wer schaut sich schon rund um die Uhr Kunstwerke und Experimentalfilme an? Nicht mal Damon Albarn.

Sigur Rós ignorieren also diesmal ihre zuletzt häufigeren Popmomente. Mit „Hoppípolla“ enterten sie einst die englischen Singlecharts, Chicane polten das Stück gar in einen Clubhit um. Mittlerweile dient der Song von 2005 als Einlaufhymne für den Drittligaclub Preston North End.

Kooperation

„Valtari“ hat so gar nichts Euphorisierendes mehr und taugt in einem Stadion nur als Soundtrack zu den Tränen nach einem Abstieg. Der bricht wiederum manchmal wie eine Dampfwalze über einen Klub herein.

>>> Hier geht es zum Albumstream


ÄHNLICHE KRITIKEN

Sigur Rós :: Lúppulagid

Sigur Rós :: Með suð í eyrum við spilum endalaust


ÄHNLICHE ARTIKEL

Neues Statement von „Sigur Rós“-Ex-Drummer: „Ich habe nichts getan!“

In einem neuen Interview beteuerte der ehemalige Schlagzeuger von Sigur Rós, dass die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn unbegründet seien.

Sigur Rós: Schlagzeuger Orri Páll Dýrason verlässt die Band – Vergewaltigungsvorwurf

Drummer Orri Páll Dýrason soll 2013 in Los Angeles eine Tänzerin vergewaltigt haben. Meagan Boyd erhebt auf Instagram Anschuldigungen gegen den Sigur-Rós-Musiker.

Die besten und wichtigsten Tourneen im zweiten Halbjahr 2017: Mit den Gorillaz, Nick Cave & The Bad Seeds, Tori Amos, u.v.m.

Ein Konzerthalbjahr von 2017 ist schon vorüber. Highlights waren Deutschland-Gigs von Depeche Mode, The XX oder Bob Dylan. Doch auch im zweiten Halbjahr 2017 geben viele Stars Konzerte hierzulande: Gorillaz, Nick Cave & The Bad Seeds, Tori Amos. Wir geben einen Überblick über die musikalischen Live-Höhepunkte im zweiten Teil des Musikjahres 2017.


Die 10 besten asiatischen Filme auf Netflix

Im November 2018 hat Netflix erstmals Inhalte vor Ort in Asien vorgestellt und damit seine wachsenden Bemühungen bewiesen, Zuschauern weltweit auch asiatische Filme näherzubringen. „Asien ist eines der weltweit größten kreativen Schaffenszentren, das einige der eindrucksvollsten Filme und Serien der heutigen Zeit hervorbringt“, so Ted Sarandos, Chief Content Officer bei Netflix. „Das Schöne an Netflix ist, dass wir bisher vollkommen unbekannte Geschichten aus Südkorea, Thailand, Japan, Indien, Taiwan und anderen asiatischen Ländern nicht nur den Zuschauern in ganz Asien, sondern auf der gesamten Welt näherbringen können.“ Diese asiatischen Filme haben es schon jetzt geschafft, ein weltweites Publikum von sich zu…
Weiterlesen
Zur Startseite