Taylor Swift: „Midnights“ – Musik eines Masterminds, kein Zweifel



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Wer ist Taylor Swift eigentlich? Diese Frage stellt sich, seit sie 2006 mit 17 Jahren ihr Debüt veröffentlichte, mit jedem Album neu. Jedes neue Werk schien eine Befreiung, eine Emanzipation vom Image, das ihr die Medien gerade wieder angehängt hatten. „Folklore“ und „Evermore“ schienen zwei Schritte aus der Rolle des größten Popstars des Planeten in Richtung des „seriösen“, tief gründenden Songwriter-Handwerks. Sie suchte Inspiration außerhalb der Pop-Blase, arbeitete mit Aaron Dessner von The National und zeigte sich als präzise Beobachterin ihrer Innen- und Außenwelt. Wohin führt sie der nächste Schritt? Wird sie verstiegener – so wie Joni Mitchell? Ätherischer – so wie Stevie Nicks? Wer ist Taylor Swift jetzt?

Die ersten Takte von „Midnights“ führen einen erstmal Richtung R&B-Pop, und erinnern ein bisschen an The Weeknd. Ergibt ja auch Sinn, dass ein Album, das von „13 schlaflosen Nächten“ erzählt, auf dem Dancefloor beginnt. Der Produzent Sounwave, der schon bei „Lover“ dabei war und öfter mit Kendrick Lamar arbeitet, hat mitgeschrieben. Wichtigster Partner hier und auf dem gesamten Album ist allerdings Jack Antonoff, der mit Taylor einen Sound entwickelt, der klingt wie eine Mischung aus Synthie-Pop und Mood-Music und – so unwahrscheinlich das klingt – „Reputation“ und „Folklore“. Ja, diese mitternächtliche Stimmung, wenn die Aufgekratztheit allmählich der Melancholie Platz macht, bestimmt das Album. Und es ist tatsächlich ein Album im altmodischen Sinn. Der Zauber erschließt sich beim Durchhören.

Was nicht heißt, dass es keine Höhepunkte gibt. „Maroon“ etwa, das von der Nacht erzählt, in der Swift ihren Partner Joe Alwyn traf, ist hochromantisch, aber zugleich hat man das beklemmende Gefühl, das im Hintergrund „In The Air Tonight“ läuft. „Snow On The Beach“, das sie mit Lana Del Rey und Antonoff schrieb (letztgenannter ja auch Del Reys bevorzugter Co-Songwriter/Produzent), vereint Del Reys dunklen California-Romantizismus mit Swifts Pop-Sensibilität. In „Vigilate Shit“ gibt Swift den „Reputation“-Racheengel in Billie Eilishs Schlafzimmer, im komplexen „Labyrinth“ hört man Dubstep-Bass und Trap-Beats, und Swifts bearbeitete Stimme schwankt zwischen Engelshöhen und genderbendenden Tiefen.

„Karma“, der große, eingängige Popsong des Albums, wirkt im letzten Drittel fast ein bisschen versteckt, danach folgt mit der reduzierten Ballade „Sweet Nothing“, die Swift mit Alwyn schrieb, tatsächlich sowas wie ein „Court And Spark“-Joni-Mitchell Moment und man ist diesem Album endgültig verfallen. And now you’re mine”, singt Swift im letzten song. „It was all my design/ ‚Cause I’m a mastermind.“ Daran haben wir nie gezweifelt. (Republic)


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