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Tyndall Sonnenlicht + Traumland


Bureau B


von

Das Berliner Elektronik-Duo Tyndall ist nicht denkbar ohne die selbst gebauten, oft genug seltsam klingenden Synthesizer und Elektronikgeräte. So machten sich die Musiker möglicherweise als erste mit dem CR‑78-Drumcomputer vertraut – weil Hersteller Roland ihnen das Teil noch vor Verkaufsstart exklusiv zur Verfügung gestellt hatte.

Ihr Musikprojekt benannten Jürgen Krehan und Rudolf Langer nach einem physikalischen Effekt, der die Streuung von Licht an winzig kleinen Schwebeteilchen beschreibt. Es sollte zugleich auch das Leitmotiv für die sonnendurchfluteten Synth-Melodien werden, die Tyndall gleich mit ihrer Debütplatte, „Sonnenlicht“ aus dem Jahr 1980, aus der Hüfte schossen.

Sie waren bei Sky Records unter Vertrag, wo sie sich in guter Gesellschaft mit Dieter Moebius, Hans-Joachim Roedelius, Conrad Schnitzler und anderen Elektronikfricklern befanden und konzentriert ihren musikalischen Experimenten nachgehen konnten. Inspiriert von Klaus Schulze und der Berliner Schule nahmen sie süßliche, manchmal den schmalen Grat zum Kitsch überschreitende Soundstrukturen auf, die mit Titeln wie „Wolkenlos“ oder „Regen fällt“ romantische Bilder und zugleich die Illustration von Naturgeräuschen aufriefen.

Surrealistische Großspurigkeit

Schon mit ihrem zweiten Album, „Traumland“ (****), das nur ein Jahr später erschien und mit Analogsynthesizern, Flöten, einer elektronischen Orgel und einem Geräuschcomputer entstand, hatten die Musiker den frühen Höhepunkt ihres Schaffens erreicht. Kompositionen wie „Erdbeerkristalle“ und „Milchsee“ kombinieren den Fantasiereichtum von Tangerine Dream und den frühen Kraftwerk mit surrealistischer Großspurigkeit.

Die handwerkliche Perfektion und technikfixierte Eigenständigkeit von Tyndall bleibt auch im Vergleich zum exotischen Künstlerkabinett des Hippielabels Sky ziemlich einzigartig. Überraschend, wie konzise die Tracks auf „Traumland“ sind, obwohl Tyndall jegliches Augenmaß für den zumutbaren Einsatz von übereinandergeschichteten Echo-Effekten und Elektrosounds verloren hatten.


Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe

Was ist nur aus dieser Band geworden, die einmal so treffend den „Trouble“ nach der verloren gegangenen Liebe besang, sich in die Gehirnwindungen eines Wissenschaftlers vergraben konnte, das erbarmungslose Verstreichen der Lebenszeit in eine grelle Klavier-Tanz-Nummer überführte und den Titel eines ihrer kürzesten und schönsten Songs dem goldenen Mantra eines Kultbuchs für Nerds und Studenten entlieh? Ich muss zugeben, dass ich an Coldplay verzweifle. Ich kann nicht begreifen, wie es möglich sein kann, dass vier doch recht begabte Typen, die einen Haufen unsterblicher Lieder geschrieben haben, plötzlich aufgehört haben, Musik zu machen. Oder wenigstens Musik, die berühren will. Wie sensibel…
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