Jazz-Meister Robert Northern (Brother Ah) ist tot


von

Robert Northern, der als Bruder Ah bekannt gewordene Jazzkünstler, ist gestorben. Das berichtete am Montag (08. Juni) die „New York Times“. Demnach starb Northern bereits am 31. Mai in Washington D.C. nach einem jahrelangen Kampf mit einer Atemwegserkrankung. Er wurde 86 Jahre alt.

In nahezu 60 Jahren im Musikbusiness gelang Northern eine beeindruckende Karriere als anerkannte Größe am Waldhorn und später auch als Bandleader. Er spielte als Session-Musiker gemeinsam mit John Coltrane, McCoy Tyner, Thelonious Monk, Dizzy Gillespie, Quincy Jones, Pharoah Sanders und vielen anderen. Vor allem Sun Ra’s Arkestra hielt er viele Jahre lang die Treue.

Klangphilosophie „Sound Awareness“

In den frühen 70ern versuchte sich Northern unter dem Künstlernamen Brother Ah auch als Bandleader. Auf „Sound Awareness“, seinem Debütalbum (das zugleich mit dem Titel auch seine Idealvorstellung von Musikkonsum und Musikproduktion ausdrückte), trommelte Jazz-Schlagzeug-Genie Max Roach. Auf späteren Platten wie „Move Ever Onward“ (1975) glänzte Northern auch als Multiinstrumentalist, er spielte unter anderem Flöte und Sitar. Sein Meisterwerk bleibt bis heute die furiose Jazz-Fusion-LP „Key To Nowhere“.

Unter Jazz-Trompeter Don Cherry bildete Northern in den 70ern auch andere Musiker aus. Die Arbeit als Pädagoge beschäftigte ihn bis kurz vor seinem Tod – genauso wie sein Nebenjob als DJ. 20 Jahre lang betreute er die unter Kennern für Stilbewusstsein und Kompilationsleistung sehr geschätzte Radiosendung „The Jazz Collectors“.

Mit „Northern’s Divine Music“ erschien zuletzt 2017 ein Boxset, das Werke des Jazzmusikers von 1978 bis 1985 umfasst.