Roskilde Festival: Die Empfehlungen des Hauses


von

Apparatjik,

Donnerstag, 01 Uhr, Orange Stage

Zu einer Performance der besonderen Art lud im vergangenen Jahr die Neue Nationalgalerie in Berlin: Das Allstar-Projekt Apparatjik spielte zwei Tage in einem Glaswürfel namens „Light Space Modulator“. Konzert? Performance? Man wusste es auch nach der Show nicht. So ganz genau lässt es sich eben nicht beschreiben, was Apparatjik, die sonst bei z.B. Coldplay, Mew und a-ha musizieren, da veranstalten. Oder, wie es in der Pressemitteilung hieß: „Ist das ein Konzert einer Superband? Eine interdisziplinäre Installation eines Künstlerkollektivs? Eine dem Internet entsprungene Absurdität? Ist das ihr Ernst, oder ist es irgendein verworrenes Spiel? Ist es Kunst, eine Bewegung, ein Egotrip…oder alles zusammen? Vielleicht ist es einfacher zu erklären, was es nicht ist: Apparatjik ist kein Fön. Offensichtlich nicht.“ Das traf die Sache doch sehr schön. Was sich über Pressemitteilungen ja eher selten sagen lässt. Auf dem Roskilde spielen sie zu nachtschlafender Zeit, um 1 Uhr, nach The Cure auf der Hauptbühne. Ob aus einem Würfel heraus? Wir werden sehen… (Daniel Koch)

Bruce Springsteen

Samstag, 21 Uhr, Orange Stage

Ja, ja – wie fürchterlich naheliegend, dass sich der Hansel vom Stone den Boss anschaut. Aber an dieser Stelle sei mal zugegeben, dass der Autor dieser Zeilen in Sachen Springsteen-Konzerte noch jungfräulich ist (die fünf Minuten im Vorbeilaufen beim Arbeiten auf dem Glastonbury Festival vor einigen Jahren nicht mitgerechnet). Erst spät, aber dann umso heftiger von Springsteens Werk angrfixt, hat sich da inzwischen ein großer Erwartungsdruck aufgebaut, der sicher nicht enttäuscht wird. Und, hey: Wann hat man denn mal die Gelegenheit, Springsteen auf einem Roskilde zu sehen? (Daniel Koch)

Perfume Genius

Donnerstag, 23 Uhr, Gloria

Das Gloria-Zelt ist eines jener Zelte, das einen vergessen lässt, dass man sich auf einem Festival befindet. Vor diesem Club-artigen Ambiente kann man am Donnerstag zu später Stunde den wundervollen Perfume Genius aus Seattle erleben. Sanftes Pianospiel, herzzerreißende Texte und eine Stimme, die Wimmern zur Kunstform erhebt. Wird nur schwierig, danach nicht selig ins Zelt zu schweben – man will ja noch den letzten Act auf der Hauptbühne sehen… (Daniel Koch)

Kraftklub

Donnerstag, 18 Uhr, Odeon

Den direkten Weg von Karl-Marx-Stadt nach Roskilde nehmen am kommenden Wochenende – selbstverständlich ohne Raststättenhalt in Berlin – auch Kraftklub. Zu jung für den Rock’n’Roll, die Indierocksirene stets im Nacken und trotzdem im Radio und mit „euren Mädchen am tanzen“. Das Quintett ist aktuell dabei die Festivalbühnen des Landes für sich zu erobern, taucht als Beispiel für die „frische Selbstironie“ sogar in den Tagesthemen auf darf nun auch bei einem der ältesten Rockfestivals Europas den Tourbus parken.

Dry The River

Samstag, 12 Uhr Odeon Stage

Natürlich ist es eine undankbare Zeit, zu der Dry The River auf die Bühne des kleinen aber feinen Odeon-Zeltes müssen. Aber vielleicht wird ja gerade das zum großen Vorteil, denn der Kontrast dieser so großen, im besten Sinne pathetischen Musik und einer intimen Darbietung hat einen schon bei ihren Deutschlandtouren begeistert. Ach, und was freut man sich auf den Moment, wenn die Stimme von Pete Liddle leise und dann immer bestimmender den Song „Weights & Measures“ intoniert oder auf den Bläsersturm aus „Lion’s Den“, der einen sicher ganz wackelig in den dann noch recht langen Konzerttag entlässt… (Daniel Koch)

Gossip

Freitag, 17 Uhr, Orange Stage

Sobald Beth Dito barfuß in einem ihrer knappen, schwarzen Glitzerkleidchen die Bühne betritt und ein erstes „Ohoh“ ins Mikrofon geschmettert hat, ist klar, man kann dem Bühnengeschehen jetzt nicht einfach die kalte Schulter zudrehen und mal eben weiter zur nächsten Bühne gehen. Mag es für manchen ein bisschen zu viel Disko-Glamour sein, besonders seit dem neuen Album „A Joyful Noise“ zu viel Pop und zu wenig Riot-Grrrl-Attitüde, haben Gossip jedoch auch bei ihrem Tanz unter der Diskokugel nicht das verloren, wofür sie noch bei den ersten Alben geschätzt wurden. Beth Dito suhlt sich immer noch gerne im Publikum, wenn auch nicht mehr ganz so nackt wie vor einigen Jahren, klettert und tänzelt über die Bühne, schreit ins Mikro und macht dreckige Witze. Und dagegen, dass einen Pophymnen wie „Perfekt World“ dann doch mitten ins glattgebügelte, massentaugliche Diskopopherz treffen, kann man dann sowieso nichts machen.

I Got You On Tape

Freitag, 19 Uhr, Arena

Man möchte ja gar nicht bestreiten, dass das was die vier Dänen hinter dem Namen I Got You On Tape auf ihren Keyboards, Gitarren und Schlagzeug kreieren, einen eher schleppenden, manches Mal fast monotonen Charakter aufweist. Da nimmt sich auch ihre Performance nicht von aus. Und doch haben I Got You On Tape bereits mit ihrem Debüt einen Haufen Fans gewinnen können. Denn wer sich einmal auf die ganz eigene, oftmals selbstironische Melancholie des Quartetts einlässt, Jakob Bellens tiefe Stimme, die einem bereits von dem dänsichen Duo Murder ein Begriff sein dürfte, der weiß warum „Ace In The Hole“ mit Lob und Sternchen überschüttet wurde, warum sie in Dänemark längst kein Geheimtipp mehr sind und warum es sich lohnt am Freitagabend um 19.00 in der Arena beim Roskilde vorbeizuschauen.

>>>> Video zu „Spinning For The Cause“