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So waren die Red Hot Chili Peppers im Kölner E-Werk


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Natürlich gibt es mindestens zehn weitere Gründe, warum man als Mann um die 50 nicht unbedingt mit freiem Oberkörper herumlaufen sollte. Der offensichtlichste an diesem Abend: Die meisten von uns machen oberkörperfrei ein nicht ganz so gutes Bild wie Flea und Anthony Kiedis. Ja, die Peppers sind gut in Form, und die Hemden fallen bereits zum zweiten Song, „Factory Of Faith“, an diesem Abend in Köln, den wir unter gar keinen Umständen „Spätsommerabend“ nennen wollen.

Fünf lange Jahre hat die Band pausiert, nun gibt sie ausgerechnet in der Domstadt ihr Live-Comeback auf europäischem Boden. Entsprechend aufgeregt die lokale Presse: Ein Geschwindigkeitsverstoß, ein gemeinsamer Besuch im Dom sowie eine Blondine in Kiedis‘ Hotel wurden bis zum Abend gemeldet. Irgendwann geht‘s dann aber auch mal um Musik: Das erste größere Konzert zum neuen Album „I’m With You“, zuvor hatte die Band in Fleas Nachbarschaft und bei südamerikanischen Festivals gespielt, wird aus dem E-Werk live in zahlreiche Kinos überall auf der Welt übertragen. Im Saal sind indes nur wenige Hundert, darunter Frank Schätzing, Campino, Jana Pallaske – viel exklusiver als heute geht‘s nicht. Um Punkt sieben Uhr tritt die Band auf die Bühne und beginnt mit „Monarchy Of Roses“, der auch das neue Album eröffnet. Überhaupt ist das hier kein normales Konzert, die Band stellt die Songs „‚m With You“ in chronologischer Reihenfolge vor. Alle Songs? Nicht ganz: Ausgerechnet der wohl beste neue Beitrag, „Even You, Brutus“, wird am Ende fehlen –  vermutlich gesanglich zu anspruchsvoll für den mittelmäßigen Bühnensänger Anthony Kiedis. Dessen stimmliche Probleme sind bekannt, seit die Band vor 20 Jahren begann, richtige Songs zu schreiben. Aber heute ist Kiedis auch jenseits der alten Funkrock-Kracher gut in Form. Man wird wohl nie mehr erleben, dass dieser Mann sich richtig fallen lassen kann, dafür fordert ihm der Gesang zu viel Konzentration ab. Aber er trifft die Töne, ist gut zu hören, unternimmt den ein oder anderen Ausfallschritt und hüpft ordentlich rum. Und als bei „Did I Let You Know“ das Mikro ausfällt, kann er nichts dafür.

Ziemlich schnell fällt auf, wie sehr diese Platte von Chad Smith dominiert wird: Selten zuvor war sein Schlagzeug so präsent im Mix, in Köln trommelt Smith wie um sein Leben und bildet eine souveräne Einheit mit Flea. Der Bassist ist auch im fünften Lebensjahrzehnt für die Albereien zwischen den Songs zuständig, springt ansonsten wie ein Derwisch über die Bühne und übt Kung-Fu-Einlagen. Der Höhepunkt des Abends ist erreicht, als Flea sich im zweiten Teil des Konzerts für „Happiness Loves Company“ ans Klavier setzt, das ansonsten von einem zusätzlichen Musiker bedient wird. Das Musik-Studium des Bassisten in der letzten Pause hat sich jedenfalls gelohnt.

Vor allem aber macht der Abend klar, was für eine gute Wahl der neue Gitarrist Josh Klinghoffer war. Der 31-Jährige versucht erst gar nicht, aus dem übermächtigen Schatten von John Frusciante zu treten. Klinghoffer verhält sich auf der Bühne unauffällig und beschränkt sich überwiegend auf eine Rolle als Zu- aber keinesfalls Wasserträger. Der Gitarrist spielt diszipliniert, souverän, effektiv – eine Traumbesetzung. Außerdem haut er bei seinen Backing-Vocals genauso oft daneben wie weiland Frusciante, in dieser Hinsicht braucht sich also keiner umzustellen.

Nach 13 Songs und einer guten Stunde beginnt dann jener Teil des Abends, der im Vorfeld als „Greatest-Hits-Set“ angekündigt worden war. Nun: viele Hits waren es nicht. Die Peppers stürzen sich in eine hochenergische Version von „Me And My Friends“  und lassen direkt danach „Give It Away“ folgen. Sie scheinen plötzlich wie befreit von der Last, vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein den meisten Leuten noch unbekanntes Album aufführen zu müssen, und insbesondere Kiedis wirkt zum ersten Mal an diesem Abend locker. Doch als man sich gerade auf ein Peppers-Feuerwerk der Extraklasse einstellt, wiederholen sie den erwähnten Ausfall „Did I Let You Know“ – und sind plötzlich weg.

Das Licht bleibt trotzdem aus, und eine Weile rechnet man noch mit einer Zugabe. Erst als nach fünf Minuten das Licht angeht, wird endgültig klar: Das war’s.

Warum so plötzlich Schluss war, wollen Chad Smith und Josh Klinghoffer später an der Hotelbar nicht verraten, aber ansonsten sind sie zufrieden mit der Live-Premiere. Mit Recht: Der Ärger über das abrupte Konzertende verebbt schnell. Hier ging es vor allem um die neuen Songs, und die Frage, wie sich die neuformierte Band nach fünf Jahren Pause und ohne John Frusicante aus der Affäre zieht. Und man kann sagen: Sie haben das gut, in Teilen sehr gut gemacht.

Der eigentliche Höhepunkt des Abends hatte trotzdem absolut nichts mit den Peppers zu tun: Als Frank Schätzing Bier bestellt und zwei Getränkemarken über die Theke schiebt, sagt die Kellnerin, sie bekomme noch zwei Euro Pfand. Schätzings gönnerhafte Antwort: „Wie bitte, ein Autogramm? Gerne!“ Er hat die zwei Euro dann bezahlt, und nein: die Dame wollte kein Autogramm.


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Die 1972 gegründete Kölner Band Höhner („Viva Colonia“) hat sich von Gitarrist Joost Vergoossen getrennt: „Seine Haltung zur weltweiten, Covid-19 bedingten Pandemie, die er in mehreren Social-Media Plattformen veröffentlicht hat, entsprecht nicht der Überzeugung der Band“, geben Höhner in einem Videostatement auf Facebook bekannt. Vergoossen habe sich zuvor öffentlich zu einem niederländischen Rechtspopulisten bekannt. Das hat die Höhner dazu veranlasst, „in Zukunft getrennte Wege zu gehen“. Vergoossen: „Schade, dass das Abenteuer beendet ist“ Vergoossen selbst behauptet auf seiner (nicht verifizierten) Facebook-Seite, ihm sei die Möglichkeit genommen worden, seinen Standpunkt angemessen verteidigen zu können. Er finde es schade, „dass das Abenteuer…
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