Steely Dan: „Gaucho“ – wenn Los Angeles sich auflöst

ROLLING STONE berichtete 2011:

Fagen ließ eine einzige synthetische Schlagzeugsequenz 122-mal wiederholen, ehe er den Versuch für gescheitert erklärte und abreiste. Drei Jahre nach „Aja“ erschien „Gaucho“ schließlich doch – konsequenterweise war es die letzte Steely Dan-LP für 20 Jahre.

Becker und Fagen hatten zusätzlich zu den üblichen New Yorker Studios zwei Stätten in Los Angles gebucht: das „Village Recorder“ und den „Producers Workshop“ in Hollywood. Früher wäre es vollkommen absurd erschienen, die hartgesottenen Zyniker von der Ostküste ausgerechnet nach LA zu verpflanzen. Doch das Duo hatte in Hollywood einiges zu tun: Der Konsum von Kokain vernichtete ihr Geld, steigerte ihre Hybris und trieb die Produktion zu immer neuen Exzessen an Politur und Reduktion. Der Verbrauch an Musikern (allein die Schlagzeuger!) war auch vorher legendär, doch „Gaucho“ erledigte auch Jeff Porcaro und Steve Gadd.

1978: Walter Becker und Donald Fagen

„Gaucho“ wurde Beckers und Fagens kalifornisches Album, vor allem aber ihr Tribut an Rauschgifte aller Art. Nach konservativen Schätzungen handeln drei Songs von Drogen und Dealern, zwei weitere von Zuhältern oder Prostituierten, wobei die Grenzen fließend sind. Und das Album umfasst nur sieben Stücke! Nicht schlecht für eine Platte, die von MCA 1981 als Mainstream-Produkt neben Toto und REO Speedwagon verkauft wurde.

Als „clean“ und „kalt“ gilt die Platte heute bei vielen Kritikern, andere verehren sie trotzig als den Gipfel von Beckers und Fagens Schaffen: Die metronomartige Präzision, die skelettierten Songs verrieten raffinierte Jazz-Ästhetik, das Herz sei in den Texten zu suchen. Dort war es immer – allerdings klangen „Pretzel Logic“ und „The Royal Scum“ auch erheblich freundlicher, süffiger und, tja, menschlicher.

Rikki, der Dealer

Nun ist viel von dem Gerede über „Gaucho“ natürlich Mystifikation. Becker und Fagen galten nicht erst seit ihrem drogeninduzierten Wirken in Los Angeles als die coolsten Hipster der Popmusik, weil man Steely Dan hören und trotzdem ein lässiger Klugscheißer sein konnte. Obwohl jeder Depp „Rikki Don’t Lose That Number“ liebt, macht es sich gut, über die Identität von Rikki zu streiten (auch er, was sonst, ein Dealer). Funktioniert auch heute noch: Erwähnen Sie mal in einer Kaschemme, in der so genannte Musikjournalisten, Werber oder Plattenfirmenleute herumstehen, Dr. Warren Kruger aus dem Song „West Of Hollywood“. Wer ist er? Da will jeder Bescheid wissen. Vergessen Sie Pynchon! Wer es bis zum richtigen Jazz oder bis zur richtigen Literatur nicht schafft, der bringt es vielleicht noch bis zu Steely Dan.

Michael Ochs Archives


Mark Hollis von Talk Talk: Fragen zur Todesursache

Mark Hollis, Mastermind von Talk Talk, ist tot. Das melden britische Medien, die den Tweet eines seiner Familienmitglieder aufgriffen. Woran starb der 64-Jährige? Bislang sind noch keine Informationen zu den Todesursachen bekannt. Sobald es erste Nachrichten dazu gibt, lesen Sie sie hier. Ein Familienmitglied gibt die traurige Nachricht von Mark Hollis' Tod bekannt: https://twitter.com/globalhlthtwit/status/1100077058372366342?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1100077058372366342&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.rollingstone.de%2Fwp-admin%2Fpost.php%3Fpost%3D1631457%26action%3Dedit Wie zurückgezogen Mark Hollis bis zu seinem Tod gelebt hat, dokumentiert auch ein Facebook-Post des ehemaligen Talk-Talk-Bassisten Rustin Man (bürgerlich Paul Webb). Der zeigt sich „schockiert“, auch, wenn er seit Jahren keinen Kontakt zu Freund gehabt habe: https://www.facebook.com/RustinManOfficial/photos/a.1569717989794496/1701452219954405/?type=3&__tn__=-R https://www.youtube.com/watch?v=yWQezjGjiqs
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