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Vater, Sohn & Heiliger Geist

Das mit der Sonnenbrille ist keine gute Idee. Jakob Dylan trägt ausgerechnet eines dieser Stubenfliegen-Modelle, wie man es schon mal in dem alten Schwarzweiß-Streifen „Don’t Look Back“ sah. Drüber das gewissenhaft verzauste Haar, drunter die eher mausige Lippenpartie. Bis eben hat man brav getan, was die aufgeregten Plattenfirmen-Leute als auch der Ruf des Künstlers einem geboten haben. Nun aber hilft kein Verdrängen mehn Jakob ist der Sohn von Bob Dylan, und die Ähnlichkeit ist frappierend.

Als Entschuldigung für ein paar Gedankenspiele muss das reichen. 30 ist Jakob jetzt. In dem Alter hatte Papa gerade „New Moming“ herausgebracht, das elfte Album. Das Exil in den Wäldern von Woodstock hatte er abgeschlossen, doch die Öffentlichkeit mied er noch immer. Acht Jahre lang sollte er auf keine Tournee gehen; stattdessen begleitete er bei privaten Sessions Allen Ginsberg am Klavier und trat nur ausnahmsweise – beim Bangladesh-Konzert – vor ein großes Publikum.

Was für den erwachsenen Sohn wiederum längst Tagesgeschäft ist nach dem massiv erfolgreichen zweiten Wallflowers-Album, mit dem er durch alle Instanzen von MTV bis Grammy-Nominierung ging.

Viel Promotion hat er in den letzten vier Jahren gemacht und wenig neue Musik – unterwegs habe er zum Schreiben keinen Kopf, sagt er. Erst als er vor einem knappen Jahr wieder heimkam, beschäftigte sich plötzlich niemand mehr mit ihm. Da durfte Jakob Dylan das wieder selbst tun. Er schrieb einen Song übers einsame Tanzen hinter Gitterstäben. Schrieb einen anderen, in dem sich der Protagonist für die eigene Beerdigung chic macht. Die Wallflowers konnten da noch so viel Americana-Schwung drüberlegen „Breach“, das neue Werk, ist und bleibt depressiv. Dichterische Freiheit erlaube keine Rückschlüsse, führt Dylan korrekt ins Feld, aber wenn man ein bisschen dranbleibt, erzählt er mehr: „Ich beklage mich ja nicht. Aber: Du machst dieses ganze Theater mit, dann kommst du heim und wunderst dich, warum du nicht der glücklichste Mensch der Welt bist“

Dabei habe er sich doch mit 17 sehnlichst gewünscht dass irgendwann die ganze Welt seine Musik hören möge.

Sechs Jahre später der erste Kaltstart: Das ungestüm hingekloppte Debüt wurde von der Chefetage als Flop eingestuft, Virgin ließ den Vertrag auslaufen, Freunde verließen ihn. „Es war gut für mich, weil die Öffentlichkeit das Interesse an mir verlor.“ Der Reinfall als Ausweg. Sowas sagt nur ein hemmungsloser Schönredner. Oder einer, der eine buddhistische Geduld mit den Menschen hat.

Von Jakob bekommt sogar Müllsammler A.J. Weberman ein paar liebe Worte ab. Der Spinner, der seinen Vater jahrelang gequält hat und nun im Internet verbreitet, Jakob sei ein verkappter Rassist und Ex-Junkie. „Die Website muss ihm ’nen Haufen Arbeit gemacht haben“, grinst Dylan. Nach Auskunft von Keyboarder-Freund Rami Jaffe habe Jakob auch dann noch charmant gelächelt, wenn nach frühen Konzerten greise Frauen an die Bühne kamen und ihn um geheime Botschaften baten.

Heute stehen junge Mädchen vorne, die keine Ahnung von Bob Dylan und seinem Heiligen Geist haben. Und gerade jetzt, wo ihm das Werk des Vaters nicht mehr ganz so penetrant im Kreuz sitzt, haben sich sechs Millionen verkaufte Wallflowers-Platten auf Jakobs Schultern gesenkt, „I’d rather bleed out a long stream of being lonely and feel blessed / than drown, laying face down in a puddle of respect“, singt er in „I’ve Been Delivered“, seinem ersten Talking-Blues. Ein letztes Mal könnte er den Vater imitieren: ins Exil abhauen, Kinder hüten, Klavier spielen. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Schließlich steht ein Jugendtraum auf dem Spiel.


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