Videopremiere: James Dean Bradfield – „Recuerda”


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Mit „Recuerda“ hat James Dean Bradfield eine neue Single aus einem zweiten Soloalbum „Even in Exile“ veröffentlicht, dessen Video wir präsentieren. Der Sänger der Manic Street Preachers widmet sich darin dem Leben des chilenischen Musikers und Dichters Viktor Jara, der 1973 von den Pinochet-Putschisten ermordet wurde. Für den politischen Sänger Bradfield eine Herzensangelegenheit.

James Dean Bradfield – „Recuerda“

Review: James Dean Bradfield – „Even In Exile“

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Natürlich! Im ersten Moment wundert man sich vielleicht, warum James Dean Bradfield jetzt mit einem Album über den chilenischen Dichter, Musiker und Aktivisten Victor Jara ankommt. Dabei ist es nur konsequent. Ob als Sänger der Manic Street Preachers, als Solokünstler oder schlicht als Mensch: Bradfield ist immer ein Kämpfer für die Gerechtigkeit gewesen, für eine ehrliche Aufarbeitung der Weltgeschichte, für die Arbeiterklasse, aber eigentlich einfach für eine bessere Zukunft für alle.

Nur wer aus der Vergangenheit lernt, kann die Gegenwart verändern. Sein neues, zweites Soloalbum handelt also nicht von Brexit, Trump oder Corona, sondern von Victor Jara, der 1973 in Santiago von den Pinochet-Putschisten gefoltert und ermordet wurde. Bradfield zog es vor allem zu Jara, weil „seine Musik zwar politisch motiviert war, aber deshalb keine polemische Strafe sein musste, sondern poetisch, persönlich und transzendental sein durfte“.

Und für Bradfields Songs gilt ja genau dasselbe. Die Texte zu „Even In Exile“ hat der walisische Autor Patrick Jones geschrieben, die Musik dazu ist so typisch Bradfield, dass sie einen sofort wegträgt: Er schwelgt und wütet hemmungslos, doch seine Dramatik gleitet nie in billigen Kitsch ab. Gleich zum Auftakt bringt er die beiden Welten, den britischen Gitarrenpop und die lateinamerikanische Leidenschaft, in „Recuerda“, einer Hymne auf die Wahrheit, zusammen. „The Boy From The Plantation“ feiert mit Mundharmonika und einer fast fröhlichen Melodie die Jugend des Helden, als der trotz aller Ungerechtigkeit große Träume hatte, aber vor allem die Kraft der Musik.

Zwischen den tieftraurigen Themen – dem dräuenden „There’ll Come A War“, dem anklagend marschierenden „Thirty Thousand Milk Bottles“ – ist das der rote Faden: Solange wir noch kreativ sind, gibt es Hoffnung, „Under The Mimosa Tree“ (eines von drei Instrumentals, darunter auch Jaras „La Partida“), bei Jaras Muse („From The Hands Of Violeta“), in der Furchtlosigkeit seiner Frau Joan („Without Knowing The End“). Die Stücke verschwimmen fast ineinander, ein einziger Aufschrei des Herzens, und zum Schluss singt Bradfield in „Santiago Sunrise“: „Chroma hymns can set us free/ If we sing in harmony.“

Wer möchte das nicht glauben? (Delware Limited)

Birgit Fuß