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Manic Street Preachers: Gitarrist Richey Edwards verschwindet spurlos

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Graham and Sherry Edwards hatten ein Anliegen, und im November 2008 erhielten sie für ihr Anliegen eine Bestätigung des Gerichts. Das Gericht hat dem Antrag der Eheleute statt gegeben. Ihr Sohn Richey Edwards galt nun als mutmaßlich tot.

Seit 13 Jahren war Richey Edwards, Gitarrist und Texter der Manic Street Preachers, verschollen. Die Ungewissheit sollte für die Eltern nun ein Ende haben.

Edwards letzte Spur verlief sich am 14. Februar 1995 in Cardiff, Wales. Zuvor, am 1. Februar, wollten er und sein Bandkollege James Dean Bradfield für eine Promotour von London aus in die USA fliegen; stattdessen fuhr Edwards zurück in seine Heimatstadt, wo er in den folgenden zwei Wochen an verschiedenen Orten gesichtet wurde. Am 14. Februar fand die Polizei sein Auto, das in der Nähe der Severn Brige geparkt war. Die Nähe zur Severn Bridge nährte Spekulationen, dass Edwards sich umgebracht habe. Die Brücke ist 136 Meter hoch, von ihr sprangen in der Vergangenheit bereits viele Menschen in den Tod. Bis heute gibt es keine ernst zu nehmenden Hinweise, dass Edwards noch leben könnte.

Die Todeserklärung von Amtsseite aus hatte die drei verbliebenen Manic Street Preachers, Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore, erschüttert. Andererseits, teilte die Band mit, akzeptiere man die Entscheidung der Eltern, mit der Ungewissheit abschließen zu wollen.

Eine Sprecherin der Band sagte 2008: “Wir alle träumen davon, dass Richey eines Tages zurück kehrt. Wir hoffen, er ist noch irgendwo da draußen. Aber das ist keine realistische Hoffnung. Sie (die Todeserklärung) ist eine Art Abschluss, und die Band ist einverstanden damit.” Edwards’ Eltern hatten bereits 2002, nach Verjährung einer notwendigen siebenjährigen Frist, erste Schritte einleiten lassen, Edwards für tot zu erklären.

Nach dem Verschwinden ihres Freundes waren die Manic Street Preachers zunächst unschlüssig, ob es mit der Band überhaupt weiter gehen könne. Es konnte weiter gehen. Ein Jahr später, 1996, veröffentlichten sie ihr viertes Album, “Everything Must Go”. Der Titel war eine Anlehnung an das Schicksal des verschwundenen Gitarristen. Die Platte, die zum Teil aus von Edwards geschriebenen Songs besteht, wurde ihr bis dato größter Triumph; sie gilt heute neben dem zuvor veröffentlichten “The Holy Bible” (1994) als Meisterwerk der Gruppe. Ohne Edwards, den die Band selbst und auch viele Fans als Songwriter mit dichterischen Qualitäten verehren, schlugen sie eine andere Richtung ein. Edwards schrieb vor allem über den Tod, körperliche Veränderungen, Trends als Druckmittel sich anzupassen und das Versagen des Menschen gegenüber der Technik. Ab “Everything Must Go” blieben die Songs der Manics zwar weiterhin politisch, gleichermaßen wurden sie jedoch auch optimistischer, humanistischer. 

Die Stelle des vierten Bandmitglieds bleibt bis heute unbesetzt. Die Manics machten ab 1996 – von Livebesetzungen abgesehen – als Trio weiter. Im Jahr 2009 änderten sie noch einmal ihre Richtung und kehrten zu Richey Edwards zurück: Aus seinen hinterlassenen Notizen machten sie Songtexte, komponierten drum herum ihr Album “Journal For Plague Lovers” und ließen sich von Produzent Steve Albini einen brutalen Sound einrichten. Das Album wurde ein Classic Edwards: Tod, Verderben, Untergang, alles beschrieben mit den Worten eines Dichters.

Bei ihren Konzerten erinnern die Manic Street Preachers regelmäßig an Richey Edwards. Zuletzt sagte Nicky Wire “Faster” mit den Worten an: “The next song is his fucking masterpiece”. Er wird nicht in Vergessenheit geraten.

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