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Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Sido – „Mein Block“


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Man muss seine Kontakte zur Halb- und Unterwelt (Peter Maffay, Mario Barth) nicht mögen, um anzuerkennen, dass Sido immer noch der herzigste Radaubruder im deutschen HipHop-Biz ist.

Neben Kool Savas, M.O.R., Eko Fresh und Bushido gehörte er zur Gründergeneration der Berliner Szene, die ab Ende der Neunziger der avancierten, politisch korrekten Wortakrobatik von Fanta 4, den Beginnern und Fettes Brot eine rüde Hardcore-Ästhetik entgegensetzte – inhaltlich analog zum US-Gangsta-Rap auf Ghettoromantik, dicke Hose, Drogen und Pornofantasien fokussiert, musikalisch soulentkernt und technoid.

Pubertäts-Soundtracks mit Provokationsgarantie

Auf den Labels Royal Bunker und Aggro Berlin verschaffte eine Generation von Underdogs und Migrationskindern sich so erstmals mit geballter Kraft und ungefiltert Gehör – und schuf idealtypische Pubertäts-Soundtracks mit Provokationsgarantie, die auch in Jugendzimmern jenseits Neuköllns ihre Wirkung nicht verfehlten.

Sido bewies schon mit seiner ersten Solo-Platte, „Maske“, dass er über das größte Crossover-Potenzial seiner Sekte verfügte, kommerziell wie schichtenübergreifend: Maske auf, Maske ab, Kapuzenpulli und Clownskostüm, Proll und Koksnase, Mamasohn und liebevoller Papa – von Anfang an zeigte er eine augenzwinkernde Ambivalenz, die für Aggroberliner ebenso anschlussfähig war wie für abenteuerlustige Germanistikstudenten.

Mit „Mein Block“, einem satirisch verdichteten Porträt des sozialen Mikrokosmos in einem Plattenbau im Märkischen Viertel, gelang ihm der Durchbruch in die Top 20. Auch nachfolgende Tracks wie „Fuffies im Club“, „Mama ist stolz“ oder „Der Tanz“ (mit K.I.Z.) zeugen von erstaunlichem Pop-Verstand, der über Bauernschläue weit hinausgeht.


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Konsequent hat er den Prozess seiner Bürgerwerdung optisch und klanglich dokumentiert. Die Weihen zum formvollendeten Entertainer sind ihm spätestens seit seinem „MTV Unplugged“-Auftritt sicher.


Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Kraftwerk - „Autobahn“

Das Anlassgeräusch eines Motors, ein beschwingtes Hupen, eine verfremdete Stimme, die, immer höher kadenzierend, das Wort ‚ Autobahn‘ wiederholt. 22 Minuten und 48 Sekunden, eine ganze LP-Seite, nahm das Titelstück des Kraftwerk-Albums von 1974 ein. Eine kongeniale, kühle, aber nicht kaltherzige Illustration deutscher Wirtschaftswunder-Markenzeichen und Ingenieurs-Identität: Kraftwerk waren dabei, sich von Krautrockern zu Avantgardisten elektronischer Musik zu wandeln – und ließen die Bundesrepublik plötzlich nicht mehr nazidumpf und schwerfällig deutschtümelnd erscheinen, sondern schlank, modern und elegant. Erfolgreich im Ausland wie keine andere deutsche Band Der fröhlich-naive Refrain „Fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn“ wurde zum geflügelten Wort und zum Synonym…
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