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Aus dem Off (9)

Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: German Afternoons


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Im Morgengrauen hörte ich die Platte „German Afternoons“ von 1986. Am Dienstag ist John Prine, schon lange schwer krank, in Nashville gestorben, nachdem er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte und beatmet worden war. Im letzten Jahr sollte ein Konzert Prines in Berlin stattfinden. Es wurde auf dieses Frühjahr verschoben. John Prine war zu krank.

„German Afternoons“ heißt so, weil Prine, der aus Illinois stammte und in den 60er-Jahren bei der amerikanischen Armee in Deutschland stationiert war. Er schrieb dann einige der grimmigsten Songs über die Heimkehrer, nachdem Kris Kristofferson ihm 1970 einen Plattenvertrag verschafft hatte.

Es war aber der Filmkritiker Roger Ebert, der Prine bei einem Auftritt in Chicago hörte und außerhalb seiner Domäne eine rühmende Besprechung schrieb.

Humor und Bitterkeit

Prines Country-Folk-Vignetten haben einen merkwürdigen Ton von Humor und Bitterkeit zugleich, der sich von Ironie unterscheidet. Es gibt Humor, Satire und Sarkasmus in der Country Music, es gibt auch Klamauk, es gibt Kinky Friedman. Aber John Prines Geschichten sind von großer Ernsthaftigkeit und formaler Strenge, existenzialistische Erkundungen, trocken vorgetragen.

In den 70er-Jahren machte Prine fabelhafte Platten bei großen Labels; 1984 wurde er ein Unabhängiger und gründete das Label Oh Boy Records, auf dem seine wenigen späteren Alben erschienen. „The Missing Years“ (1991), die erste Platte nach „German Afternoons“, war moderat erfolgreich: Man wusste jetzt, was man vermisst hatte.


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Prine blieb ein Songwriter’s Songwriter, er sang Duette mit Emmylou Harris, Lucinda Williams und Iris DeMent, und vor zehn Jahren erschien eine Compilation mit Cover-Versionen seiner Songs von Conor Oberst, My Morning Jacket, Lambchop, Josh Ritter, Drive-By Truckers und Justin Vernon. „Fair & Square“ (2005) und „The Tree Of Forgiveness“ (2018) sind altmeisterliche Platten – Prine hat sein Storytelling nie verändert: Er erzählte mit Intensität, aber ohne Emphase.

Die „Washington Post“ rief Bill Murray an, der John Prines Songs liebte. Murray befand sich auf einem Golfplatz in Charleston und hielt Abstand zu anderen Spielern. Er berichtete dem Anrufer davon, dass er einmal sehr verzweifelt war, weil eine Frau ihn verlassen hatte. Jemand gab ihm ein Album mit Liedern von John Prine, darauf war der Song „Linda Goes To Mars“. Und dieses Stück, so Murray, fand er so witzig und tröstlich, dass er die Depression überwand. Er lernte Prine dann kennen und wurde ein Freund. Interessanterweise erinnert sich Murray daran, dass 22 Songs auf der Platte waren, vermutlich also eine Best-of-Sammlung. „Linda Goes To Mars“ ist ein Stück von „German Afternoons“.


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Randy Newman und Corona

Randy Newman meldet sich, strubbelig aus der Wäsche schauend, bei YouTube mit einem Heimvideo am Klavier: Er sei darum gebeten worden, ein paar Worte zum „Social Distancing“ zu sagen – seines „scientific background“ wegen, witzelt er nuschelnd. Sein Vater war Arzt. Man solle sich die Hände waschen und nicht ins Gesicht fassen. Nun spielt Newman ein Klimperlied in seinem unverkennbaren verschleppten Ragtime-Stil, das „Stay Away“ heißt und von einer „Venus in sweatpants“ handelt, die sich vom Erzähler fernhalten soll: Man müsse ja nicht 24 Stunden am Tag zusammen sein.


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Nachdem er den Song beendet hat, spricht Newman noch einige Worte: Es sei schwer, einem Amerikaner die Einschränkung seiner Freiheit zu empfehlen – aber nun sei es im Interesse aller, letztlich auch in seinem eigenen. Dann verschwindet Randy Newmans Wuschelkopf mit der großen Brille. Im Mai soll er in Deutschland auftreten. Noch wurden die Konzerte nicht abgesagt.


Aus dem Off – Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander

Arne Willander


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