Dschungelcamp, Tag 5: Cojones sind aktiviert!

Man hätte sich denken müssen, dass Jürgen Milski und Thorsten Legat aneinandergeraten würden. Jürgen ist Phlegmatiker, er lehnt sich zurück, er will das Ding nicht gewinnen. Thorsten kommt von einem dunklen Ort. Jetzt wirft Jürgen ihm vor, dass er kein Phlegmatiker ist, sich nicht zurücklehnt und das Ding gewinnen will. Jürgen ist mit sich selbst zufrieden, Thorsten ist getrieben. „Ich will wissen, wo ein Thorsten Legat die Grenzen hat“, sagt ein Thorsten Legat. Derselbe Thorsten Legat sagt: „Du bereitest dich auf dieses Event vor, aber der Vulkan kommt nicht heraus.“ Unter Jürgens Attacken behauptet ein Thorsten plötzlich, er sei „tiefenentspannt“ – dabei ist sein Gesicht verkrampft, und er wendet den Kopf ab. Später sagt er: „Wenn das Event vorbei ist, dann weiß ich, was zu tun ist.“ Vielleicht will er Jürgen schlagen. Vielleicht will er ihn umbringen.

Gunter Gabriel empfiehlt David Ortega, der solle ihn doch erstechen, dann sei Ruhe. Aber da weiß Gunter schon nicht mehr weiter. Der Spanier hat in einem fantastischen Wutanfall, in dem er Gunters „Ich will raus“-Jammerei imitiert, seinen Satz bewiesen: „Cojones sind aktiviert und möchten was sagen.“ Beide Männer bezichtigen den anderen des sinnlosen Geredes, doch David gewinnt das Scharmützel mit der fulminanten Attacke auf den „mürrischen Mann“, der „die Welt bereist“ und „alles gehabt“ hat, ein „Songwriter“ – den David aber nicht kannte. Gunter bleibt auf der Pritsche und beklagt das geringe Alter des Gegners und dessen Nörgelei. David nörgelt aber nicht. Gunter hat keine Argumente, und David fordert Respekt ein. „Ich bin NICHT dumm.“ Dann kapituliert Gunter: Er läuft zum Dschungeltelefon und kündigt seine Abreise an, die natürlich (vorerst) wieder nicht stattfinden wird.

Ich bin ein Star _ Holt mich hier raus!

Vor seiner Demontage hat Gunter zwei der besten Schwänke eines Lebens erzählt (einen gegenüber David und Ricky, einen gegenüber Jenny, die auch mächtig beeindruckt und fassungslos ist): Zwei Jahre war Gunter mit einer Prostituierten verheiratet, die einmal in der Woche „Sozialtag“ hatte – dann „durften Contergangeschädigte und Behinderte umsonst mit ihr“. Als sie einmal zum Edeka ging, kam sie nicht mehr zurück, weil sie
in New York war. Und einmal wollte sie Gunter erschießen, aber die Kugel kam nicht heraus.

Flucht durchs Weizenfeld

Ein anderes Mal verfolgte Gunter (gut, er hatte auch ihre Drogen genommen, die auf dem Tisch standen) die untreue Frau „außer Rand und Band“, wie Jenny assistiert, auf der Autobahn und rammte schließlich ihren Wagen, woraufhin sie erstaunlicherweise die Polizei alarmierte, die den flüchtenden Gunter durch ein Weizenfeld verfolgte, woraufhin er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, in der alle Türen ausgehängt waren. Aber schon wieder wollten irre Frauen was von ihm!



Das „Dschungelcamp“ ist großes absurdes Theater

Jetzt berichten wieder alle über das „Dschungelcamp“. Auch ROLLING STONE. Warum nur - gibt es nicht wichtigere Themen, die dieses Land bewegen? Sicher gibt es die. Aber der Erfolg dieses eigenartigen Sendeformats ist es, dass es trotz Mediantamtams völlig falsch eingeschätzt wird. Eigentlich sollte man annehmen, dass es sich hier um einen weiteren Tiefpunkt in der nach unten offenen Skala des Selbstentwürdigungstheaters handelt, das die Privaten und besonders RTL seit Jahren kultivieren. Aber das wäre zu einfach. Längst wärmt sich eine ganze Nation an diesem Fernsehlagerfeuer. In der Spitze sehen bis zu acht Millionen Menschen dem bunten Treiben im australischen…
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