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Endlich festivaltauglich: Mumford & Sons beim Lollapalooza 2017

Es ist kurz nach 20.30 Uhr –auf der Nebenbühne ignoriert Rapper Marteria den Spielstopp und zieht seinen Auftritt so lange es geht in die Länge, um zum Festivalabschluss noch ein Bad in der schwitzigen Menge nehmen zu können. Dann drehen ihm die Veranstalter schließlich den Saft ab, damit die Fans von Mumford & Sons nicht länger warten müssen.

Die gediegenen Briten um Marcus Mumford zeigen sogleich, dass sie längst nicht mehr nur Scheunenmusik fürs Nachmittagsprogramm produzieren. Mit „Snake Eyes“ eröffnen sie ihr Set mit einem Song vom Stromgitarrenalbum „Wilder Mind“. Den Hit „Little Lion Man“, der sie hierzulande auf den Musikradar katapultierte, schieben sie direkt hinterher.

Neue Band-Dynamik

Wer Mumford & Sons von früheren Konzerten kennt, merkt schnell, dass sich der Schwerpunkt der Band inzwischen deutlich verlagert hat: Es dreht sich nicht mehr alles um Sänger Marcus‘ Stimme, auch wenn sie nach wie vor heftig auf die Tränendrüsen drücken kann. Auch Keyboarder Ben Lovett, Bassist Ted Dwane und Gitarrist/Banjospieler Winston Marshall geben ihrem Spiel deutlich mehr Tiefe und werfen gern mal ein paar Brocken Deutsch ins Publikum. Unterstützt werden sie zudem von einem Bläser und einem Fiddlespieler.

Gastauftritt von Baaba Maal

Für drei Songs („Si Tu Veux“, „Wona“ und „There Will Be Time“) holte die Band auch einen ihrer persönlichen Helden zu sich auf die Bühne. Baaba Maal, mit dem sie neben zahlreichen weiteren Künstlern im vergangenen Jahr das Album „Johannesburg“ einspielten, dürfte unter anderem Cineasten durch die Arbeit mit Hans Zimmer am Score zu „Black Hawk Down“ ein Begriff sein.

Das obligatorische „Unser Bassist Ted hat heute Geburtstag“ animiert die Zuschauer zu einem Ständchen „Happy Birthday“ – vor zwei Jahren fiel sein Ehrentag noch auf das Hurricane-Wochenende. Ein echtes Wunder.

Sonst so erdrückende Songs wie „Ghost That We Knew“ und „Dust Bowl Dance“ erhalten auf der großen Bühne noch mehr Zeit, um sich voll entfalten zu können. Für „Believe“ werden in der Menge sogar die Feuerzeuge gezückt. Ein beeindruckendes Lichtermeer macht deutlich: Mumford & Sons sind eine gute Festivalband geworden, die sich nicht mehr an ihrer Setlist entlang hangeln muss und die inzwischen offener als je zuvor mit ihren Zuschauern agiert. Und ein gleißender Goldregen als effektvoller Abschluss schadet einem Festivalauftritt dieser Größenordnung natürlich auch nicht.

Sebastiao Moreira picture alliance / dpa


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