Wie steht es um Irans Uranvorrat seit Trumps Atomdeal-Ausstieg?

Seit dem Ende des JCPOA hat Iran 11 Tonnen angereichertes Uran angehäuft.

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Diese Woche musste sich Pete Hegseth vor dem Kongress für den ausbleibenden Fortschritt im Krieg gegen Iran verantworten. Die Anhörung verlief allerdings alles andere als harmonisch.

Der Verteidigungsminister wurde wiederholt zu der wechselhaften, widersprüchlichen Begründung der Trump-Regierung für die Entscheidung gedrängt, den inzwischen monatelangen Konflikt vom Zaun zu brechen. Insbesondere ging es um die Behauptung, der Nahoststaat stehe kurz davor, eine Atomwaffe herzustellen.

„Wissen Sie, wie viel angereichertes Uran [entstanden ist], nachdem Sie den JCPOA zerrissen haben?“, fragte Repräsentant Ro Khanna (D-Calif.) Hegseth – womit er auf den Joint Comprehensive Plan of Action anspielte, den Atomdeal, den die Obama-Regierung mit Iran ausgehandelt hatte und der die nuklearen Entwicklungsmöglichkeiten des Landes einschränkte.

Hegseth und die Uranfrage

Hegseth behauptete, die entsprechenden Informationen seien als Verschlusssache eingestuft. Doch einem neuen Bericht der „New York Times“ zufolge gibt es durchaus verlässliche Schätzungen darüber, wie viel angereichertes Uran Iran nach Trumps Ausstieg aus dem Atomdeal während seiner ersten Amtszeit zu produzieren begann. Knapp ein Jahrzehnt nach dem Ausstieg aus einem ausgehandelten Abkommen sieht sich Trump nun erneut mit den Langzeitfolgen seiner eigenen Unbesonnenheit konfrontiert.

Laut der „Times“ hat Iran in den acht Jahren seit der Aufkündigung des JCPOA durch Trump 11 Tonnen angereichertes Uran angehäuft. Im früheren Abkommen lag das festgelegte Limit bei rund 300 Kilogramm. Als der Präsident 2018 aus dem Deal ausstieg, verfügte Iran nicht einmal über genug Material für eine einzige Bombe. Seitdem hat das Land seinen Vorrat nicht nur exponentiell vergrößert, sondern auch den Anreicherungsgrad auf ein Niveau gesteigert, das knapp unterhalb der für den Bau einer Atomwaffe erforderlichen Schwelle liegt.

Dennoch bleiben die Behauptungen der Trump-Regierung zweifelhaft. Man sagt, der laufende Konflikt sei notwendig gewesen, weil Iran eine unmittelbare nukleare Bedrohung dargestellt habe. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass die Iraner tatsächlich eine Atomwaffe entwickelt haben. Das Argument, Iran sei beim US-amerikanischen und israelischen Angriff im Februar nur noch wenige Wochen von einer einsatzbereiten Atomwaffe entfernt gewesen, wurde von der Trump-Regierung selbst mehrfach untergraben. Sie hatte erklärt, die nuklearen Kapazitäten des Landes seien bei einer Reihe gezielter Angriffe im vergangenen Jahr „vernichtet“ worden. Hegseth wiederholte dies gegenüber den Abgeordneten diese Woche und fügte hinzu, Irans „Ambitionen“ zur Entwicklung einer Atomwaffe bestünden weiterhin.

Uranvorräte in unbekannten Händen

Das eigentliche Problem besteht nicht allein darin, dass Iran diesen Uranvorrat besitzt. Das Land hat ihn inmitten des Konflikts mit den USA und Israel möglicherweise an neue, den USA und internationalen Kontrollbehörden unbekannte Orte verlagert.

Am Freitagmorgen, während eines regulären Pentagon-Briefings, fuhr Hegseth seine frühere Fox-News-Kollegin Jennifer Griffin an. Die erfahrene Pentagon-Korrespondentin und leitende Sicherheitsreporterin des Senders fragte, ob das Pentagon „Gewissheit“ habe, dass „keines dieses hochangereicherten Urans verlagert worden“ sei.

Hegseth wich der Frage aus und griff stattdessen Griffin persönlich an. „Jennifer, Sie waren eine der Schlimmsten. Diejenige, die am meisten und am vorsätzlichsten falsch darstellt“, sagte der Minister.

Sieg erklärt, Krieg geht weiter

So gehen das Verteidigungsministerium und die Trump-Regierung mit praktisch allen Fragen zum Krieg um. Man selbst hat recht, alle anderen liegen falsch. Der Sieg ist so gut wie errungen und dennoch muss der Krieg weitergehen.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil