Highlight: Joaquin Phoenix: 7 Fakten, die Sie über den „Joker“-Darsteller kennen müssen

„Joker“: Die Oscar-Chancen des kontrovers diskutierten Films

Kein Film wird derzeit so heiß diskutiert wie „Joker“. Die einen sehen in Todd Phillips‘ Porträt des psychopathischen Clowns den Spiegel einer zunehmend verrohenden Gesellschaft, andere Kritiker verurteilen die Darstellung von Gewalt und werfen dem Regisseur vor, er rufe zum Aufstand des „wütenden kleinen Mannes“ auf. Für einige ist es schlicht ein Meisterwerk.

Freiwillige Filmkontrolle – das Podcast-Gespräch über „Joker“:

Fest steht, dass „Joker“ Chancen bei den Oscars 2020 eingeräumt werden. ROLLING STONE wagt eine Prognose zu wichtigen Kategorien.

Bester Film

Eine Nominierung scheint sicher, zumal seit 2009 bis zu zehn Filme in die Liste aufgenommen werden können. Gewinnen würde „Joker“ wahrscheinlich nicht, da das Thema politisch zu kontrovers ist (man bedenke, dass im vergangenen Jahr etwa das freundliche, um Konsens bemühte Rassismus-Drama „Green Book“ gewann). „Joker“ wird sich wohl mit James Mangolds „Ford vs. Ferrari“ messen, „The Irishman“, den manche Rezensenten für einen der besten Filme Martin Scorseses halten, Greta Gerwigs „Little Women“, Tarantinos „Once upon a Time … in Hollywood“ und Sam Mendes‘ Kriegsdrama „1917“. Tarantino und Scorsese sind die ärgsten Konkurrenten, wenngleich der „Irishman“ ein Netflix-Film ist und überwiegend als Stream Verbreitung finden wird – was Chancen verschlechtert, da Hollywood das klassische Kino vertritt.

Oscar-Chance: 25 %

Beste Regie

Todd Phillips

Todd Phillips ist der Regisseur von „Hangover“, „Hangover 2“ und „Hangover 3“, also Komödien. Gute Filme fanden sich vor „Joker“ in seiner Vita nicht. Zumal selbst der Regisseur des letztjährigen „Besten Films“, Peter Farrelly, nicht mal für die Regie nominiert wurde – und der Mann stand für u.a. „Dumm und Dümmer“.

Hier sind Martin Scorsese, aber auch Greta Gerwig Favoriten – zumal es wieder mal an der Zeit wäre, eine Frau auszuzeichnen. Phillips hat sich auch keinen Gefallen damit getan, Kritik an seinem „Joker“ als Kampagne der „extremen Linken“ zu bezeichnen. Was eben einfach nicht zutreffend ist – und das eher linksliberale Hollywood eher abturnt.

Oscar-Chance: 5 %

Bestes adaptiertes Drehbuch

„Joker“ entstammt einer Comic-Vorlage, aus der sich der Film freiheitlich bedient. Da Quentin Tarantino große Chancen auf den Preis für das „beste originale Drehbuch“ hat (weil er den Regie-Oscar wohl wieder mal nicht bekommen wird), ist das Script von Phillips und Scott Silver tatsächlich aussichtsreich. Einzig Greta Gerwigs „Little Women“ käme derzeit noch in Betracht. Für „Little Bird“ wurde sie bereits 2017 nominiert und ging leer aus.

Oscar-Chance: 60 %

Bester Nebendarsteller

Robert De Niro hat mit „Joker“ und „The Irishman“ zum ersten Mal seit vielleicht 25 Jahren zwei wichtige Filme hintereinander gedreht. Möglich, dass er in seiner Rolle als Talkshow-Moderator Murray Franklin nominiert wird (er spielt die Rolle in Anlehnung an Jerry Lewis Fernsehfigur im 1982er-Film „King of Comedy“, die darin wiederum Vorbild für de Niros Rupert Pupkin war). Allerdings ist es derzeit wahrscheinlicher, dass er für Scorseses „Irishman“ als „Bester Hauptdarsteller“ nicht nur nominiert wird, sondern auch gute Chancen auf den Academy Award hat. Vielleicht erhält er auch Nennungen in beiden Darsteller-Kategorien – und geht leer aus, das war zuletzt tragischerweise Sigourney Weaver 1987 („Gorillas im Nebel“, „Working Girl“) passierte.

Möglicherweise gerät ihm auch ein alter „Mafia“-Kumpel in die Quere: Joe Pesci, dem im „Irishman“ laut einhelliger Meinung ein phänomenales Comeback gelungen ist.

Oscar-Chance: 20 %

Bester Hauptdarsteller

Joaquin Phoenix

Für einen Oktober-Film selten: Rund vier Monate vor der Verleihung scheint nicht nur eine Nominierung für Joaquin Phoenix festzustehen, sondern auch, dass er gewinnt. Ist mit etwas Vorsicht zu genießen. Natürlich ist es ehrenhaft, dass jemand für die Darstellung einer Comic-Figur Oscar-nominiert wird (für die Darstellung eines Bösewichts, keines Helden), allerdings erhielt Heath Ledger 2009 posthum bereits für „The Dark Knight“ einen Joker-Oscar.

Zur Konkurrenz gehören mindestens Robert De Niro und Al Pacino („The Irishman“), einige sagen, Leonardo DiCaprio („Once Upon a Time … in Hollywood“), sehr viele Kritiker sind auch begeistert von Robert Pattinsons Leistung im Horrorfilm „The Lighthouse“.

Gut möglich, dass De Niro am Ende triumphiert, Faktor: Alters-Oscar.

Oscar-Chance: 60 %

Gabe Ginsberg WireImage
Mat Hayward Getty Images for Seattle Interna

Mimimimi: Jared Leto „aufgebracht“ wegen Joaquin Phoenix' „Joker“

Freiwillige Filmkontrolle – das Podcast-Gespräch über „Joker“: In einem sehr lesenswerten Report über die Entstehungsgeschichte zu Todd Phillips' „Joker“ kommt auch der Vorgänger von Joaquin Phoenix' zur Sprache: Jared Leto, der den Killer-Clown im Superhelden-Ensemblefilm „Suicide Squad“ von 2016 verkörperte. Dem „Hollywood Reporter“ zufolge sei der Oscar-Preisträger („Dallas Buyers Club“) alles andere als happy gewesen mit der Entscheidung eines parallelen „Joker“-Films, der nicht in das Universum der DC Comics eingegliedert wird. „Alienated and upset“, „befremdet und aufgebracht“ – wohl auch, weil damit ein zusätzlicher Joker im Spiel ist. Tatsächlich ist bis jetzt ungeklärt, ob Leto in „Suicide Squad 2“ zu…
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