Jonah Hill im Interview: „Wir sollten zur Verletzlichkeit stehen“

Sie haben „Mid90s” bereits vergangenen September beim Filmfestival in Toronto vorgestellt, zuletzt lief er auf der Berlinale. Wie waren die bisherigen Reaktionen auf den Film?

Insgesamt wurde der Film sehr gut aufgenommen, würde ich sagen, und mir gefiel es, ihn bei diesen Festivals gemeinsam mit dem Publikum zu schauen. Die Rezeption der Kritiker habe ich dann gewissermaßen als Übung für mich gesehen: Egal, was über „Mid90s“ geschrieben wurde, ich habe mir wieder vor Augen geführt, dass er aus persönlicher Motivation entstand. Ich versuche also, durch die Resonanz, die der Film bekommt, noch besser zu verstehen, warum ich ihn gemacht habe, anstatt mich auf das zu konzentrieren, was die Kritiker davon mitgenommen haben.

Lesen Sie die Filmkritiken?

Kooperation

Am Anfang schon. Aber selbst die wohlwollenden Kritiken habe ich in meinem Kopf dann so zurechtgedreht, dass es mir keinen Spaß mehr machte.

Auf der Berlinale-Pressekonferenz haben Sie darüber gesprochen, wie die jungen Skater durch ihre Unsicherheit charakterisiert werden, die sie durch ein besonders „männliches” Auftreten zu überspielen versuchen.

Ja, sie sind im Grunde alle verletzt, aber nicht in der Lage, ihre Verwundbarkeit auszudrücken. Wie so ziemlich alle Menschen haben sie ihr Päckchen zu tragen. Die Welt wäre sicherlich ein viel schönerer Ort, wenn jeder offen zur eigenen Verletzlichkeit stehen könnte. Dieses Überspielen hat mich als Thema für meinen ersten Film gereizt, vor allem vor dem Hintergrund dieses speziellen Milieus, weil es bei Jugendlichen – und vor allem bei männlichen Jugendlichen– ja eine ganz besondere Dimension hat.

Jonah Hill auf der Berlinale

Wie war es als Regiedebütant, mit so jungen und unerfahrenen Schauspielern zusammenzuarbeiten – gerade bei heikleren Szenen, wie die, in der Stevie mit einem älteren Mädchen knutscht?

Das Wichtigste war, dass sich alle wohl und sicher fühlten. An dem Tag ließen wir nur die entscheidenden Leute ans Set, es waren neben den Schauspielern und mir also nur der Kameramann und vielleicht mal die Kostümbildnerin anwesend. Über diese Szene hatten wir vorher auch ausgiebig gesprochen, mit den Eltern der Schauspieler, auch mit Anwälten, und vor allem mit den Schauspielern selbst. Am Ende des Tages handelte es sich hier um einen 11-jährigen Jungen und da war die oberste Priorität natürlich, dass er sich bei allem, was er machte, gut fühlte.

Sie drehten mit Regisseuren wie Martin Scorsese und den Coen-Brüdern. Haben Sie bestimmte Arbeitsweisen von ihnen erlernen können? Andersherum: Haben Sie als Schauspieler mit schlechten Regisseuren zu tun gehabt, die als Negativbeispiel herhielten ?

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich bei Filmen, die nicht funktioniert haben, genauso viel gelernt habe, wie bei denen, die funktioniert haben. Wahrscheinlich habe ich bei den Misslungenen sogar noch mehr gelernt. Denn wenn etwas nicht funktioniert, setzt du dich danach hin und nimmst alles auseinander und versucht zu verstehen, warum da etwas nicht aufgeht. Wenn hingegen etwas gut gelingt, dann setzt man sich danach nicht zusammen und bespricht, warum es funktioniert. Dann freut man sich einfach, dass es klappt! Ich habe als Schauspieler so viele Szenen gedreht. gute und schlechte; welche, die leicht zusammenkamen und welche, die herausfordernd waren, sodass mir die Konstruktion einer Szene als Regisseur dann recht leicht viel. Das mache ich ja im Grunde, seit ich achtzehn bin.

Weshalb haben Sie sich für Christopher Blauvelt als Kameramann entschieden?

Ich bin ein großer Fan der Filme, die er mit Kelly Reichardt gemacht hat. Ich finde es auch toll, dass er auf 16mm dreht. Hinzu kommt, dass er als Jugendlicher selbst Skateboarder in Los Angeles war, er hatte also einen ganz persönlichen Bezug zu dem Thema. Früher war er auch der Assistent vom Kameramann Harris Savides, der „Elephant” von Gus Van Sant fotografiert hat; ein Film, der für „Mid90s” in visueller Hinsicht ein wichtiger Einfluss ist. Chris war die erste Person, die ich engagiert habe. Drei Jahre, bevor wir die erste Szene drehten. Da war ich mit Spike Jonze, der ein gemeinsamer Freund von Chris und mir ist, beim Abendessen, und Chris kam an den Tisch und Spike stellte uns vor und sagte dann gleich: „Ich garantiere dir, Chris wird deinen Film drehen.”

Sie haben nun mit Vampire Weekend ein Musikvideo gedreht.

Dazu haben wir gerade die Farbkorrekturen beendet, das Video müsste in ein oder zwei Wochen rauskommen. Das ist sehr aufregend!

Matthias Nareyek Getty Images

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