Highlight: Kritik „The Walking Dead“-Ende: So grandios ist das Finale

Kritik: Darum funktioniert „Fear The Walking Dead“ als „The Walking Dead“-Parodie

„Da sitzen sie, ein Karate-Kämpfer und ein Revolverheld!“, und die Fremden lachen über ihre zwei Gefangenen. Endlich. Endlich wird Morgan (Lennie James), der Aikido-Spezialist aus „The Walking Dead“, als Witzfigur abgestempelt. Einer muss es ja mal aussprechen. Und der Revolverheld neben ihm, ein Cowboy der Jetztzeit, heißt John Dorie (gespielt von Garret Dillahunt, den man aus dem echten Western „Deadwood“ kennt). Auch er: eine Karikatur. Wenn auch eine lustige.

Ja, das sind sie! Sie sind Comic-Charaktere. In dem Bestreben, den „Walking Dead“-Comics von Robert Kirkman zu huldigen, hatte man aus Morgan Jones vor langer Zeit einen Asia-Fighter gemacht, und damit unbeabsichtigt zur Witzfigur. Seine Psyche – mal will er mit seinem Stock jeden töten, mal will er jeden am Leben lassen – ist für niemandem nachvollziehbar. Er redet meist nur mit sich und sieht Geister.

Wenn Motivationen für die TV-Figuren untereinander nicht nachvollziehbar sind und sie stattdessen nur die schlimmen Konsequenzen ertragen müssen, ist das reizvoll für den Zuschauer. Weil das Ergebnis zählt, das man sieht: Sie bringen sich gegenseitig um.

Wenn Motivationen jedoch für die Zuschauer selbst nicht mehr nachvollziehbar sind, wird das zum Problem. Weil man ja das Recht hat, mehr wissen zu wollen, als die TV-Figuren. Vielleicht ist das das Dilemma: Morgan ist, wie man heute so sagt, „auserzählt“. Die Vorstellung, er könnte nach seinem Wechsel zur Ablegerserie „Fear The Walking Dead“ seine Litanei von den inneren Dämonen ein weiteres Mal mehrere Seasons lang loslassen, ist schwer erträglich.

Der Auftakt der vierten Staffel von „Fear The Walking Dead“ stand unter besonderer Beobachtung, weil mit Morgan ein Charakter erstmals von einer Serie zur anderen wechselte. Es ist eine unterhaltsame Folge, durchaus im Guten. Garret Dillahunts Cowboy ist eine Bereicherung, seine Dialoge sind geschliffen doof, er ist unbeholfen („Entschuldigung, aber mein Auto steht noch in der anderen Stadt“, sagt er nach einem Kidnapping), aber er ist auch witzig und ein guter Schütze. Wer derart freundlich auftritt, muss einen Schatten haben. Den dürfte man noch kennenlernen.

Der Tiger und sein König

Maggie Grace‘ Journalistin Althea, die einstige Love-To-Hate-You-Shannon aus „Lost“, ist nicht minder beeindruckend. Nicht wegen des hochgerüsteten SWAT-Wagens, den sie lenkt, sondern weil Grace, die mit 35 hoffentlich noch nicht zu alt für eine größere Karriere ist, eine frische Intelligenz einbringt, die der ermüdeten Clark-Familie längst abgegangen ist. Dillahunt und Grace sind das, was „The Walking Dead“ fehlte: Dort gab es in den vergangenen zwei Staffeln keine entscheidenden Ensemble-Zugänge.

Richard Foreman Jr. / AMC


Nachtsichtgerät nötig: Ist „The Walking Dead“ einfach zu düster?

Hat mal jemand ein Nachtsichtgerät? Das fragten tatsächlich einige Fans von „The Walking Dead“ nach Sichtung der Midseason-Premiere am Sonntag (23. Februar), die eine düstere Sex-Szene zeigte, ansonsten aber auch nicht viel mehr Licht zu bieten hatte. Seit mehreren Folgen der zehnten Season monieren Zuschauer, dass die Serie einfach zu dunkel gehalten wird. In der neusten Episode, „Squeeze“, treiben sich Daryl, Carol und einige mehr in einer dunklen Höhle herum. Nur mit Mühe konnte man noch die Umrisse der Figuren erkennen. Inzwischen sah sich sogar „The Walking Dead“-Showrunnerin Angela Kang dazu gedrängt, die ästhetischen Entscheidung der Serie zu verteidigen, weitaus…
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