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Kritik: Ed Sheeran in Berlin

Es ist schon erstaunlich, was für eine Menschenmenge für einen kleinen Mann mit roten Haaren zusammenkommt. Für Ed Sheeran versammelt sich im Olympiastadion die Anwohnerzahl einer Mittelstadt wie Celle – 70.000 an der Zahl.

Das ist an sich kein Wunder. Der Brite hat als einziger Solokünstler dreimal hintereinander solo, also nur mit Gitarre, das Londoner Wembley Stadium komplett ausverkauft. Dort passen übrigens knapp 100.000 Menschen rein, die Bevölkerung Mannheims, wenn man alle drei Abende zusammenrechnet.

Ed Sheeran: zwischen Bodenständigkeit und Kommerz

Ed Sheeran

Alles an Ed Sheeran ist rekordverdächtig, obwohl er so bodenständig wirkt. Das spiegelt auch der Abend in Berlin wieder, wo der Brite alleine mit Gitarre und Loop Station, also zuverlässige Instrumentierung live eingespielt und dann in Dauerschleife, auf einer für die Verhältnisse eines Superstars kleinen Bühne einen Rundumschlag seiner bisherigen Karriere vollzieht.

Kooperation

Dass sein Aufstieg bemerkenswert ist, insbesondere sein fast schon explosiver Erfolg in Deutschland, thematisiert der 27-Jährige gar selbst auf der Bühne. ROLLING STONE ist vielleicht nicht ganz unschuldig daran. Er erzählt von seinem ersten Deutschland-Gig beim ROLLING STONE Weekender im Jahr 2011, wo nur eine Handvoll Leute erschienen. Die aber haben sich den Briten wohl gemerkt und seinen Namen verbreitet, denn sieben Jahre und vier deutsche Nummer-1-Hits später steht er im ausverkauften Olympiastadion und spielt sein bis dato größtes Deutschlandkonzert.

Ticketprobleme wegen Drittanbietern

Zuvor hüpft und lacht erstmal Popsternchen Anne-Marie über die Bühne. Ein nicht allzu kleiner Teil der Besucher verpasst die Sängerin allerdings, weil sie draußen in einer ellenlangen Schlange stehen, um bei den zuvor eingerichteten „Trouble Counters“ ihre ungültigen Drittanbieter-Tickets abzugeben. Zwar hat Sheeran zuvor hart gegen den Schwarzmarkt angekämpft und etwa 10.000 Tickets seiner Deutschlandshow wieder streichen lassen. Doch müssen einige Hundert Personen trotzdem nochmals draufzahlen und auf das kleine dafür errichtete Restkontingent hoffen.

Gegen 20.45 Uhr kreischt die Menge zum ersten Mal vor Glück auf: Der sympathische Hobbit kommt auf die Bühne und spielt die Lead-Single „Castle On The Hill“ des aktuellen Albums. Zeigt seine Loop Station, mit der er alle Melodien alleine live einspielt. Nach zwei Alben hat Sheeran wahrscheinlich erkannt, dass sein akustisches Gitarrengeplänkel ausgereizt ist – und mit „÷““ein Pop-Album der kommerziellen Überklasse geschaffen, wo er auch unter anderem das Potenzial von Sprechgesang erkannt hat. Das durchaus gemischte Publikum mit kreischenden jungen Frauen, von der Euphorie angesteckten Eltern, aber auch mittelalten Ehepaaren muss zwar den unglaublich schlechten Sound ertragen, aber das macht nichts, denn sie singen in einem überdimensionalen Chor mit, Ed Sheeran fungiert als Chor-Meister.

Der essenzielle Mitmach-Faktor

Denn das simple erscheinende Konzept des Musikers ist eine „Participation Show“, wie er sie selbst nennt: „Dieses Konzert dreht sich nicht um mich, es dreht sich um euch“. Die Fans machen das gerne die knappen zwei Stunden lang mit: Sie singen alle Lieder, tanzen, lassen ein Handylichtermeer entstehen, lachen über die bester-Kumpel-Witze zwischendurch.

Das macht den Abend sowie die Musik so allzugänglich – sie ist simpler, aber durchdachter Pop mit persönlichem Zugang. Etwa die Hälfte der Lieder stammt aus dem aktuellen Album, zudem performt Sheeran einige Medleys. Sheeran setzt bei seiner Setlist zudem von Gig zu Gig auf leichte Abwechslung, so spielt er zum ersten Mal seit einem Jahr einen seiner ältesten Songs namens „Drunk“: „Wenn ich die Lyrics vergesse, dann singt ihr einfach weiter, ja?“

Schließlich kriegen die Fans ihre langersehnte Hitparade. Angefangen mit dem ersten Erfolg hierzulande, „I See Fire“, über die Balladen „Thinking Out Loud“ und „Perfect“ und mit der Zugabe im Deutschlandtrikot samt Überhit „Shape Of You“ und „You Need Me I Don’t Need You“ schließt der Sänger den Abend ab.

Dass Sheeran die Lieder vom Studioalbum so geschickt an die Live-Loop-Version angepasst hat, zeigt, dass der 27-Jährige durchaus seine Musik durchdenkt. Auch die Bühne ist wie die Songs komplexer als auf den ersten Blick: die Blöcke bewegen sich, 3D-Projektionen arbeiten mit optischen Täuschungen. Diese Mischung aus Eingängigkeit und leicht abgeänderten Facetten gibt dem Abend, trotz der unzähligen Male gehörten Radiolieder, seine absolute Berechtigung.

Dave J Hogan Dave J Hogan/Getty Images

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