Neu im Plattenregal: Die Alben vom 27. Mai 2011


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Hier eine Auswahl der neuen Veröffentlichungen im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):

Against Me! – „Total Clarity“ (Fat Wreck Chords/Edel)
Nachdem die Band um Tom Gabel auf dem letzten Album „White Crosses“ wieder dem Paradox nachstrebte, politischen Punkrock in Stadionrockmanier zu spielen, gibt es auf „Total Clarity“ kratzige Demos aus der Zeit um 2005. Wem also die von Produzent Butch Vig erst gebügelten und dann aufgeblasenen Gitarrensounds auf den Senkel gehen, der darf hier nostalgisch werden.

Death Cab For Cutie – „Codes And Keys“ (Atlantic/Warner)
Das neue Album der Band um Chris Walla und Benjamin Gibbard gibt sich recht experimentfreudig und hat laut Walla einen starken „70er Jahre Elektronik-Vibe“. Das man viel Eno gehört hat, wird schon im Eröffnungsstück „Home Is A Fire“ deutlich. Bei uns gibt es das Album bereits seit gestern in voller Länge im Stream. Hier noch mal die beiden sehr gelungenen Videoclips zum Album:

The Elected – „Bury Me In My Rings“ (Vagrant/AL!VE)
Rilo Kiley-Mitglied Blake Sennett betreibt ähnlich wie Sängerin Jenny Lewis auch eine eigene Karriere. Während Lewis dabei unter ihrem Namen veröffentlicht, hat Sennett die Band The Elected am Start. Nun erscheint sein neues, drittes Album „Bury Me In My Rings“ via Vagrant. Große Veränderungen scheint es nicht zu geben, aber wieder mal bittersüßen Westcoast-Indie. Ob der Vorabsong eventuell nach einem Blick in den Spiegel geschrieben wurde?

The Felice Brothers – „Celebration, Florida“ (Loose/Rough Trade)
Die Review gab’s bereits online bei uns, das Album läuft im simfy-Player. Hier noch mal der tolle Videoclip zu Ponzi“:

Flogging Molly – „Speed Of Darkness“ (Borstal Beat/Cargo)
Unser Hurricane/Southside-Act vom Mittwoch. Hier sprechen Flogging Molly mit uns über ihr neues Album „Speed Of Darkness“, das irischen Folk mit mal melodiösem mal bollerigem Punk kreuzt. Kein neues Konzept – man denke an die Dropkick Murphys und natürlich die Vorläufer der Pogues (die allerdings nur den Punk-Spirit und nicht die Punk-Gitarren aufgriffen) – aber solide und mitreißend an den Mann gebracht. Hier der aktuelle Clip:

Herman Dune – „Strange Moosic“ (City Slang/Universal)
Die Review gibt’s in aller Ausführlichkeit hier, im Laufe des Tage gibt’s noch ein Interview mit der Band. Sehr sehenswert übrigens ist das Video zu ersten Single – mit Jon Hamm aus der Serie „Mad Men“:

Kitty, Daisy & Lewis – „Smoking In Heaven“ (Sunday Best/PIAS/Rough Trade)
Die britischen Geschwister leben ihre Retro-Faszination nun auch mit eigenen Songs aus. In unserer aktuellen Ausgabe erläutert Daisy: „Die Covers auf dem Debüt haben wir seit Kindesbeinen gespielt, jetzt wollten wir unbedingt eigene Songs schreiben. Einige sagen, das Album klinge so britischer.“ Und Kitty ergänzt: „Wir haben Einflüsse verarbeitet, die beim ersten Album auf der Strecke geblieben sind.“ Wie das klingt, kann man in unseren Pre-Listening hören.

Rickie Lee Kroell – „Otherwise“ (4.1/New Music)
Die junge Dame sorgte im Juli letzten Jahres für einen kleinen Buzz, weil sie als erste Künstlerin nicht auf eine normale Tour ging, sondern jeden Abend auf einer anderen großen Kultur- oder Musik-Internet-Plattform ein Konzert „spielte“. Musikalisch geht’s auf ihrem Debüt „Otherwise“ leider nicht so spannend zu, aber immerhin ist ihr seicht-melancholischer Pop gut gemacht. Einem Großteil der Leserschaft wird es vielleicht reichen, diese Musik tagsüber mal im Radio zu hören. Ach ja – den massiven iPad-Einsatz im ersten Videoclip hätte man sich auch sparen können sollen dürfen müssen. Vermutlich konnte sie das Ding danach behalten…

Mads Langer – „Behold“ (Columbia/Sony Music)
Ins Radio will auch Mads Langer – ein in London lebender Däne, der gerade mit der Neuauflage eines One-Hit-Wonder-Songs überall zu hören ist. Seine Single „You’re Not Alone“ ist im Original von Olive – und, check, kennt die noch einer? Musikalisch kann man Herrn Langer gut neben Milow auf die Bühne stellen – würde sich gut ergänzen.

No Joy – „Ghost Blonde (Digipack)“ (Cooperative Music/Universal)
Aus Montreal stammen die beiden kreativen Köpfe Jasmine White-Glutz und Laura Lloyd, die hinter No Joy stecken. Ihr, nennen wir es mal, Shoegaze wird von derselben scheppernden Sehnsucht angetrieben, die auch Yuck in ihren Songs haben. Hier die aktuelle Single:

Heather Nova – „300 Days At Sea“ (Embassy of Music/Warner)
Die mitteljunge Frau und das Meer: Heather Nova erzählt zur Lagerfeuergitarre von ihren Verbindung zum Ozean. Eigentlich nicht uninteressant, hat sie doch ihre Kindheit auf den Bermudas verbracht. Dennoch findet Rezensent Max Gösche „tatsächlich nur drei passable Songs“. Hier geht’s zur Review. Der Clip zur aktuellen Single:

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Qluster – „Fragen“ (Bureau B/Indigo)
Drei Sterne vergibt Maik Brüggemeyer in unseren Shortcuts: „Fragen“, das neue Werk von Moebius’ ehemaligen Bandkollegen Cluster, die sich jetzt Qluster nennen, ist weniger packend. Abstrakt und minimalistisch haben Hans-Joachim Roedelius und Onnen Bock diese sieben hellen, offenen Tracks gestaltet.

Seasick Steve – „You Can’t Teach An Old Dog New Tricks“
Was hat der seekranke Steve Wold nicht schon alles geleistet: Er produzierte die grandiosen Bikini Kill, er gab Modest Mouse bei deren ersten Alben Starthilfe – und er startete seine Soloalben-Karriere tatsächlich erst im Alter von 60 Jahren. Das muss man wohl wissen, um sich nicht über die Tatsache schlappzulachen, dass Seasick Steve 2007 von der MOJO zum Breakthrough Act des Jahres gewählt wurde. Schuld daran waren auch und vor allem seine zahllosen Auftritte auf den großen europäischen Festivals. Wo es dann immer mal wieder passierte, dass zum Beispiel die Queens Of The Stone Age von einer Hauptbühne verkündeten, man solle sich doch unbedingt Seasick Steve anschauen. Der alte Mann wird also geschätzt und verehrt und hat auch auf seinem neuen Alben wieder prominente Unterstützung: Ex-Led Zeppelin John Paul Jones war maßgeblich an der Arbeit beteiligt – konnte dem alten Hund aber auch keine neuen Tricks beibringen. So hört man mal rauen („Don’t Know Why She Love Me But She Do“), mal betrübten Blues („Treasures“) in allen Facetten und weiß am Ende, warum Seasick Steve allseits geschätzt wird. Der beste Song kommt zum Abschluss: „It’s A Long Long Way“. Da singt er „Thanks for taking time to listen to an old man“, und man denkt sich so: „Kein Ding, gerne wieder.“ Hier sein letzter Auftritt bei Jools Holland:

Eddie Vedder – „Ukulele Songs“ (Island/UID/Universal)
Die Review samt Stream gibt’s bereits seit gestern online – und zwar hier. Wer mal kurz reinhören möchte, hier die Single:

Young Rebel Set – „Curse Our Love“ (Grand Hotel Van Cleef/Indigo)
Unser Breaking-Act in diesem Monat – oder vielmehr einer von dreien. Das Feature mit exklusiver Session findet sich hier. Unser Autor Max Gösche meint: „So hemdsärmelig ihre Attitüde wirkt, so geradlinig ist die Musik von Young Rebel Set. Vor zwei Jahren machte die Band aus der Kleinstadt Stockton-on-Tees erstmals von sich reden. Auf ihrem Debüt ‚Curse Our Love‘ verbinden Young Rebel Set nun den Working-Class-Charme eines Billy Bragg mit der Emphase von Bruce Springsteen. Betreut wird die Band vom Oasis-Management. ‚Wir schreiben über Dinge, die unseren Alltag bestimmen. Wenn das working class ist, können wir uns damit identifizieren‘, sagt Gitarrist Parmley.“ Zum Reinhören, die Single: