Barry Gibb In The Now



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Barry Gibb hatte sein letztes Solo­album, „Now Voyager“, 1984 veröffentlicht. Es war leidlich erfolgreich. „Fine Line“, die zweite, letzte Single, kam nicht mehr in die Charts (trotz/wegen Gastsänger Roger Daltrey?). Damals war die Zukunft der Bee Gees ungewiss, nachdem die jüngere Vergangenheit sie mit dem „Saturday Night Fever“-Kater erschlagen hatte.

Aber der Älteste kehrte dann doch zu Maurice und Robin zurück. Für „In The Now“ hat sich diese Op­tion erledigt, das Songwriting bleibt aber mit den Söhnen Stephen und Ashley in der Familie. Muss die bekannteste Fistelstimme des Pop eben mit sich selbst singen. Sie zittert immer noch sehr passabel.

„If teardrops were diamonds, I’d be a rich man now“, singt ­Barry Gibb in „Diamonds“, einem der auffälligsten unter immerhin zwölf neuen Songs. Das klingt komisch, wenn nicht gar frivol aus dem Mund eines Mannes, der nicht eben hausieren gehen muss. Andererseits: Man weiß nur zu gut, was gemeint ist. Die Signaturen der Verluste tragen auch das elegante „Shadows“, „The Long Goodbye“ sowie „Cross To Bear“, das mantrahaft „air“ auf „bear“ reimt und in fernöstlichem Flair vergeht. Und ja, das Ende des Regenbogens ist nahe, wie Gibb in der finalen Coun­tryschnulze predigt. Fast meint man die verblichenen Brüder doch noch ein letztes Mal im Chor zu hören.

Die Versuchung klopft an

Doch ist Gibb hier oft fern davon, sich in Trauerarbeit oder gar bloßer Larmoyanz zu ergehen. So beweist das Titelstück intakten R&B-Instinkt, streckt sich das muntere „Blowin’ A Fuse“ zu wackeren Harmoniesprüngen, die man eher mit der Prä-Disco-Phase der Bee Gees verbindet. „Home Truth Song“ ist klassischer, kraftvoll exekutierter AOR-Pop Marke Gibb. Und mit „Amy In Color“, das sich eine für Gibbs Verhältnisse fast verwegene Coda leistet, klopft sogar die Versuchung noch mal an. Oder zumindest die Erinnerung daran.

Ja, gar nicht so übel, noch am Leben zu sein. Wer „In The Now“ hört, macht sich um Barry Gibb auf jeden Fall vorerst keine Sorgen. (Columbia/Sony)


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