Makaya McCraven „In These Times“


XL/Beggars (VÖ: 23.9.)


von

Was zuerst auffällt, ist die absolute Schwerelosigkeit dieser Musik. „In These Times“ ist der perfekte Soundtrack, um die Enge einer Raumkapsel zu verlassen und ein paar Minuten – wie einst Major Tom – in die Unendlichkeit des Weltalls einzutauchen. Ebenfalls bemerkenswert: Der Faktor Zeit scheint hier kaum eine Rolle zu spielen. Alles ist im Fluss, ein ständiges Werden, Sein und Vergehen. Jeder Versuch, diese Musik in Genres zu pressen – egal ob esoterischer Seventies-Jazz, Ambient, symphonischer Soul oder Avantgarde –, ist zum Scheitern verurteilt. Wer trotzdem Referenzen braucht: am ehesten Kamasi Washington oder Alice Coltrane, aber ohne deren Hang zum erhebend Hymnischen. Eher liegt ein hauchfeiner New-Age-Nebel über diesen elf komplex verschachtelten Kompositionen.

Ein Album für immer und alle

Bekannt wurde der in Paris geborene Schlagzeuger Makaya McCraven durch das 2018 erschienene Doppelalbum „Universal Beings“. Jede dervier  entstand mit einem anderen Ensemble in einer anderen Stadt: New York, Chicago, London und Los Angeles. Zwei Jahre später hat McCraven dann das letzte Album von Gil Scott-Heron – nicht einfach nur remixt, sondern als „We’re New Again“ quasi komplett neu erfunden. Ganze sieben Jahre hat der in Chicago lebende Musiker für „In These Times“ gebraucht, von der ersten Idee bis zum finalen Album.

Immer kam etwas dazwischen, etwa „Universal Beings“ das konzeptionell einfacher war und schneller entstand. „In These Times“ ist nämlich ein wahrhaft orchestrales Werk, eine Suite mit äußerst raffinierten Arrangements, insgesamt sechzehn Musiker waren daran beteiligt, darunter Jeff Parker, der Bassist Junius Paul und die Harfenistin Brandee Younger, die zuletzt mit Beyoncé und Kanye West gearbeitet hat. Younger ist auch bei „Lullaby“ zu hören, einer ätherisch-folkloristischen Komposition von McCraven, die auf einem Lied seiner Mutter basiert, der ungarischen Sängerin Ágnes Zsigmondi. Ein Album für immer und alle, die bereit dafür sind. Béla Bartók in Jazz.


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