Pinegrove „11:11“


Rough Trade (VÖ: 28.1.)


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Alles steht auf Neubeginn: Die US-Amerikaner Pinegrove arbeiteten für ihr fünftes Album erstmals nicht in ihrem angestammten Zuhause, einem Haus namens Amperland in Upstate New York. Stattdessen mietete sich das Indie-Emo-Sextett um Evan Stephens Hall unter anderem in die Levon-Helm Studios in Woodstock ein. Für den Mix verpflichteten Pinegrove mit Chris Walla (Death Cab For Cutie) einen externen Profi – auch das ist neu.

Der Klimawandel, das Ende der Welt und lügende Politiker

Und dann geht es auf „11:11“ (in der Esoterik eine Zahlenkombination, die auf einen Neuanfang hinweist) auch noch um den Klimawandel und das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Etwa in dem überraschend frisch hoppelnden „Alaska“, das die Geschichte eines Piloten erzählt, der die verschwindenden Naturlandschaften Amerikas aus dem Flugzeug beobachtet. Oder in dem feierlichen Walzer „Orange“ über brennende Wälder und lügende Politiker. Da wirken Pinegrove dringlicher als je zuvor.

Walla stellt die Playbacks breiter auf und unterstützt so die jetzt große Dynamik der Band, besonders schön zu hören bei „Iodine“, einem hypnotischen Lied, das auf zwei filigran zueinanderzupfenden Gitarren steht. Über den Akkorden schwebt Halls Gesang, aber dann singen plötzlich alle und decken das Lied mit einer warmen Decke zu, bis sich die Instrumente mit einer erhabenen Wucht aus der Stille erheben. Ganz anders wirkt die Roots-Musik von „Flora“ und „Respirate“ die auch Jason Molina hätte einfallen können oder den früheren Wilco.

Aber um solche Musik geht es auf „11:11“ nicht in erster Linie, sondern eher um ein altes Gefühl von amerikanischem Indie-Rock, der freilich schon immer in dieser Band steckt, nun aber deutlicher hervortritt. An die Decemberists denkt man oft, weil Evan Stephens Hall seine Töne ähnlich formt wie Colin Meloy. Pinegrove loten auf diesem Album ihre ganze Breite, Tiefe und Höhe aus, entdecken im Untergang die Möglichkeit eines Neuanfangs und kleiden dieses Gefühl in feierliche Lieder.


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