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Wilco

Wilco wurde im Jahr 1994 von Gitarrist und Songwriter Jeff Tweedy, Bassist John Stirrat, Schlagzeuger Ken Coomer und Multiinstrumentalist Max Johnston gegründet. Sie alle spielten zuvor gemeinsam in der Alternative-Country-Band Uncle Tupelo, die sich nach dem überraschenden Ausstieg von Songwriter Jay Farrar auflöste. Der ungewöhnliche Name geht auf ein oft verwendetes Akronym im militärischen Funkverkehr zurück – „Will Comply“, was so viel wie „Auftrag wird ausgeführt“ bedeutet.

Während das Debütalbum „A.M.“, das 1995 erschien, sich noch sehr an ihren Alternative-Country-Wurzeln orientierte, erweiterten sie bereits auf dem Nachfolger „Being There“ von 1996 ihren Sound. Mit Anklängen an Big Star sowie Beatles- und Rolling-Stones-Zitaten, entwickelte sich die Band aus Chicago schnell zu einem Kritikerliebling. 1998 lud Billy Bragg sie ein, gemeinsam unveröffentlichte Texte des Folksängers Woody Guthrie zu vertonen – das Ergebnis erschien unter dem Titel „Mermaid Avenue“.

Nach dem Ausstieg von Max Johnston und Tweedys Zusammenarbeit mit Co-Komponist Jay Bennett, gewann Wilcos Musik auf „Summerteeth“ von 1999 an Geradlinigkeit, jedoch verweigerten sie sich weiterhin dem Mainstream und experimentierten viel im Studio. So verpflichteten sie 2001 den Avantgarde-Musiker Jim O’Rourke für die Produktion ihres nächsten Werkes und nahmen mit dem neuen Schlagzeuger Glenn Kotche „Yankee Hotel Foxtrot“ auf. Als ihre damalige Plattenfirma Reprise sich weigerte, die Songs zu veröffentlichen, kauften Wilco die Rechte daran zurück, streamten sie daraufhin online und veröffentlichten sie ein Jahr später über Nonesuch. Obwohl Wilco auf „Yankee Hotel Foxtrot“ mit elektronischen Klängen experimentierten und einen für sie ungewöhnlichen Sound schufen, konnte sich das Album weltweit in den Charts platzieren und wurde zum Durchbruch für die Band. Heute gilt die Hintergrundgeschichte als beispielhafter Siegeszug für die künstlerische Freiheit.

Während sich die Bandmitglieder in den nächsten Jahren auf diverse Nebenprojekte konzentrierten, folgte 2004 „A Ghost Is Born“. Jay Bennett hatte die Band verlassen, Keyboarder und Soundtüftler Mikael Jorgensen war neu hinzugestoßen. Die Musiker ließen sich stark von experimentellem Krautrock inspirieren – so endet das 15 Minuten lange „Less Than You Think“ mit einem elektronischen Noise-Experiment. „A Ghost Is Born“ war das erste Wilco-Album, das es in die Top-Ten schaffte und wurde 2005 mit zwei Grammys ausgezeichnet.

Der Tod seiner Mutter und eine überwundene Medikamentensucht inspirierten Tweedy bei den Kompositionen des nächsten Albums „Sky Blue Sky“, das 2007 erschien. Die Songs entstanden aus langen, ausgedehnten Jams, die gemeinsam mit den neuen Gitarristen Nels Cline und Pat Sansone gespielt wurden. In derselben Besetzung entstand 2009 auch „Wilco (The Album)“ – diesmal jedoch auf der Basis fertig komponierter Songs von Tweedy. Im Anschluss daran öffnete sich die Band wieder für neue Einflüsse. Das 2011 auf ihrem eigenen Label dBpm erschienene „The Whole Love“ gilt als ihr mutigstes Werk seit „A Ghost Is Born“ und tauchte in vielen Bestenlisten am Ende des Jahres auf.

Wilco haben wir außerdem gefunden in:

16.09.2020:  Der Sänger von Wilco teilt vor dem Erscheinungstermin bereits die neuen Songs „Love Is The King“ und „Guess Again“. in Jeff Tweedy kündigt neues Solo-Album „Love Is The King“ an

25.08.2020:  ROLLING-STONE-Redakteur Maik Brüggemeyer über einen Besuch im Wilco-Studio The Loft und einen Musiker, der seine schwierige Phase hinter sich hat. in ROLLING-STONE-Helden: Jeff Tweedy - Perfect Modern Rockstar

20.05.2020:  Billy Bragg stellt seine gesammelten Werke in zwei deutschen Städten vor. Statt im September und Oktober 2020 finden die Konzerte im April 2021 statt. in ROLLING STONE präsentiert: Billy Bragg - Tour verschoben

Reviews zu Wilco


  • Wilco - Alpha Mike Foxtrot

    Eine Werkschau der versunkenen Schätze: Zum 20-jährigen Bandbestehen schenken Wilco ihren Fans 77 Songs aus dem Archiv

  • Wilco - The Whole Love

    „The Whole Love“ ist die Quintessenz aller Wilco-Songs, aller Wilco-Sounds: Hart und zart sind diese Kunststücke, laut und leise, euphorisch und melancholisch, melodieselig und verspielt. Mehr denn je randaliert hier die aufgekratzte Orgel, perlt das Klavier, wurlitzern Vaudeville und Kirmes wie auf einem Jahrmarkt vor sehr langer Zeit, der noch Buffalo Bills Wildwest-Show zeigt. „Dawned […]

  • Wilco - The Whole Love

    Was für eine Bestie dieses Album ist! Schleicht sich maunzend an mit dem zarten, futuristisch summenden und in Streichern schwelgenden „Art Of Almost“ – um dann die letzten zwei der sieben Minuten in einem fiependen, hektischen Geräuschinferno und einem Gitarrensolo auszuklingen. „I Might“ verbindet das robust Rockige mit den metallischen Orgel-Fanfaren, Glockenspiel, wüsten Gitarren im […]

  • Wilco - „Wilco (The Album)“

    Einst nannte man es „Alternative Country“, und das zweite Album von Wilco, „Being There“, war das Manifest. Vielleicht hat Jeff Tweedy deshalb bald auf Country verzichtet, und vielleicht sind Wilco deshalb so konkurrenzlos großartig geworden. Wie fad und muffig klingen sogar die geliebten Platten von Uncle Tupelo im Vergleich mit dem musikalischen Reichtum, der Ideenfülle, […]

  • Wilco - Ashes Of American Flags

    Ein Konzert- und Essay-Film, eine Überlandfahrt und eine Reflexion über das Unterwegs-Sein, die Dynamik einer Band, das Songschreiben und Amerika. Die Kamera folgt Wilco entlang der Tournee durch den Mittleren Westen nach Alabama, New Orleans, in die Grand Ole Opry in Nashville, Tennessee und dann nach Washington- und mit den Orten ändern sich auch die […]

  • Billy Bragg & Wilco - Mermaid Avenue/Mermaid Avenue II

    Als Woody Guthries Tochter Nora im Frühjahr 1995 Billy Bragg einlud, zu den nachgelassenen Texten ihres Vaters Musik zu schreiben, fühlte der sich wohl ideologisch als Erbe des großen amerikanischen Songwriters, doch seine britische Abstammung veranlasste ihn, Wilco für das amerikanische Folk- und Country-Element mit ins Boot zu holen. Aus den mehr als 1000 unveröffentlichten […]

  • Billy Bragg & Wilco - Man In The Sand

    Dies ist die Geschichte von mehreren Männern auf einer Mission. Von Woody Guthrie, dessen Gitarre mit dem Schriftzug „This Machine Kills Fascists“ sich für immer ins kollektive Musik-Bewusstsein gebrannt hat. Von seiner Tochter Nora, die wollte, dass wenigstens ein Bruchteil seiner Texte doch noch vertont wird – mehr als 30 Jahre nach seinem Tod. Vom […]

  • Die 100 besten Alben: 45. Wilco - Being There

    Das Übergangswerk, doch bereits ohne den Multi-Instrumentalisten Max Johnston eingespielt Orientierte sich der Erstling „A.M.“ noch recht deutlich an Uncle Tupelos Gipfel-Platte „Anodyne“, variierte Jeff Tweedy für „Being There“ mit hörbarer Freude zwischen den Rolling Stones und Country, den Beach Boys und Roots-Elementen. Die Entdeckung der dramatisch-melancholischen Momente eines Hank Williams Sr. oder Merle Haggard […]

  • Die 100 besten Alben: 40. Wilco - Summer Teeth

    Kurz nachdem Jeff Tweedy mit „Being There“ das Hauptwerk des Alternative Country geliefert hatte, wandte er sich von dem Wechselbalg ab und schrieb bittersüße Pop-Stücke, wie sie – in anderen Arrangements – Brian Wilson würdig wären: Das Heimweh und der Herzschmerz in „Can’t Stand It“, „She’s A Jar“ und „Via Chicago“ sind die sentimentalen Anwandlungen […]

  • Die 100 besten Alben: 24. Wilco - Yankee Hotel Foxtrot

    Schon die Entwicklung dieser Band ist beachtlich: vom erst recht knorrigen zum geschmeidigen Americana auf den ersten beiden Alben, von dort zum schillernden Folkpop von „Summerteeth“ und dann an der nächsten Wegbiegung mit Leichtigkeit in Richtung Experiment, Jazz und Leonard Cohen. Verantwortlich hierfür waren wohl – wie früher bei den Byrds – vor allem einige […]

  • Wilco - Yankee Hotel Foxtrott

    Das waten zwei sehr seltsame Jahre für Wilco: Nach den Aufnahmen mit Billy Bragg verließ Schlagzeuger Ken Coomer die Band, kurz danach Jay Bennett, der sich über die Jahre neben Jeff Tweedy zum kreativen Kopf der Band zu mausern schien. Als Tweedy mit reduzierter Mannschaft schließlich das neue Album „Yankee Hotel Foxtrot“ vorlegte, war die […]

  • Wilco - Summer Teeth

    Summer Teeth REPRISE/WEA Schon gehört? Americana ist tot! Inklusive sämtlicher Inkarnationen, die da JNo Depression“ oder Alternative Country“ hießen. Daß einer der wesentlichen, wenn nicht der Geburtshelfer schlechthin jetzt auch gutgelaunt die Grabrede hält, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, ist aber nur konsequent. In den geschichtsträchtigen Mantel der Galionsfigur wollte Jeff Tweedy ohnehin nie schlüpfen; […]



Jeff Tweedy kündigt neues Solo-Album „Love Is The King“ an

So langsam wird deutlich, dass die Corona-Zeit wenigstens eine gute Seite hat: Musiker und Bands haben viel Zeit, neue Songs zu schreiben. Mal abgesehen von einer Schwemme an Corona-Platten, die wohl gewiss kein Mensch braucht, wenn das Virus wenigstens halbwegs eingedämmt ist, kommen ein Glück auch einige Alben auf uns zu, die möglicherweise ohne Pandemie einfach sehr viel später das Licht der Welt erblicken würden. Jeff Tweedy ist so produktiv wie lange nicht mehr Vielleicht ist auch „Love Is The King“ ein Beispiel dafür. Dabei handelt es sich um die neuste Solo-LP von Wilco-Frontmann Jeff Tweedy. Die Platte erscheint am…
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