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Rolling Stones im Hyde Park: Man kann eben nicht immer alles haben, was man will

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Rolling Stones im Hyde Park: Man kann eben nicht immer alles haben, was man will

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Keiner kann behaupten, die Stones hätten nichts aus der Vergangenheit gelernt. 1969 begannen sie ihren Gig im Hyde Park unmittelbar nach Brian Jones‘ Ableben mit dem Freilassen von Schwärmen weißer Schmetterlinge, die halbtot aus den Kartons flatterten und großteils kläglich verendeten. 44 Jahre später leben die Schmetterlinge beim zwölften Song „Miss You“ wieder auf, einerseits als Animationen auf den von gigantischen Plastikbäumen umrahmten Bühnenbildschirmen, andererseits als Paillettenmuster auf einem von Mick Jaggers vielen Jacketts des Abends.

Das Konzert begann eigentlich mit einem leichten Fehlstart: Keith Richards, dessen Greifhand sich in seinem Schal verfängt, eröffnet „Start Me Up“ einen geschätzten Halbton zu hoch, doch in ihrem 51. Bühnenjahr lässt sich die routinierteste Rockband der Welt von sowas längst nicht mehr aus der Fassung bringen. Nach „It’s Only Rock’n Roll“ fragt Jagger das Publikum, wer denn 1969 schon da gewesen sei. Erstaunlich viele Hände gehen hoch, aber Ticketpreise von 199 Pfund für bühnennahe Stehplätze sorgen wohl auch für einen höheren Schnitt an betuchten Senioren im vordersten Drittel.

Der Original-Gig war dagegen ja gratis, dafür sahen damals wohl nur die wenigsten was von Jaggers berühmtem weißem Rüschenkleidchen ähnlich der glockenförmigen Hippie-Bluse, die der immer noch gertenschlanke Frontmann diesmal anlässlich eines von Richards’ und Woods erstaunlich sanft angelegten „Honky Tonk Woman“ überzieht.

Eine weitere nostalgische Referenz folgt im Auftritt des einst am selben Ort als Bandmitglied eingeweihten Mick Taylor. „Wir fanden ihn in einem Pub und stellten ihn hier vor 200.000 Leuten auf die Bühne“, sagt Jagger als Einleitung zu „Midnight Rambler“. Die fängt Kamera Taylors Blick ein, wie er selbstbewusst den Chef zum Mundharmonika-Solo fordert. Einen der Synchron-Stopps im verlangsamten Blues-Teil vergeigt er zwar, aber im Vergleich zu seiner nervösen Rückkehr letzten November im O2-Centre, scheint der versöhnte Abtrünnige sich seiner Rolle wieder sicher.

Nicht ganz so gut läuft dagegen die Gastrolle von Gary Clark Jr in der „Sticky Fingers“-Nummer „Bitch“. Seine Gitarrenspiel hat der alten Webkunst von Richards und Wood wenig Wesentliches hinzuzufügen.

Gegen Ende brutzelt auf den Bildschirmen ein animierter Hyde Park zu „Sympathy For The Devil“, und „Brown Sugar“ erinnert einmal mehr daran, dass die stereotypische Zuordnung von Hautfarbe und Genitalgeschmäckern schon mehr als vier Jahrzehnte vor Kanye Wests „I’m In It“ im Pop umstrittenen Gebrauch fand. Die Zugaben „You Can’t Always Get What You Want“ und „Satisfaction“ beenden ein – abgesehen vom diesmal nur zwei Nummern kurzen Keef-Block („You Got The Silver“, „Before They Make Me Run“) – ganz auf die Hits setzendes Set.

Auch Mick Taylor steht plötzlich wieder auf die Bühne, diesmal eher unhörbar an der Akustischen, damit er sich bei der Schlussverbeugung zwischen Ronnie, Charlie, Mick und Keith einreihen kann. Da fällt auf: Herr Wyman war diesmal ja nicht gekommen. Man kann eben nicht immer alles haben, was man will.

Setlist:

Start Me Up
It’s Only Rock ‘n’ Roll (But I Like It)
Tumbling Dice
All Down the Line
Beast of Burden
Doom and Gloom
Bitch
Paint It Black
Honky Tonk Women
You Got the Silver
Before They Make Me Run
Miss You
Midnight Rambler
Gimme Shelter
Jumpin’ Jack Flash
Sympathy for the Devil
Brown Sugar

Zugabe:

You Can’t Always Get What You Want
(I Can’t Get No) Satisfaction

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