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Rückblick 2017: Milliarden YouTube-Klicks sind wichtiger als Verkäufe

Willkommen im Club der Milliardenklicks! Unter der grob formulierten Genrebezeichnung Alternative/Indie-Rock haben Bands wie Imagine Dragons, One Republic, Twenty One Pilots oder die Chainsmokers (im Duett mit Coldplay) 2017 nicht nur den Videokanal You-Tube aufgemischt. Maroon 5 aus Los Angeles bringen es mit ihrer Single „Sugar“ gar auf imposante 2,5 Milliarden Anspieler.

Nicht jeder dieser Songs ist brandaktuell, doch 2017 ging die Sache steil. Es sind vor allem amerikanische Bands, die je nach Viralmacht und Marketingpower auch in Europa gezündet haben. Die meisten sind schon einige Jahre unterwegs – und irgendwann wirklich einmal als kleine Garagenrocker gestartet. Heute verbinden sie auf jeweils eigene Art Typenklischees aus dem Modekatalog mit reichlich Pathos und Stadionrock aus dem Thermomix.

Eine Art neuer Producer-Rockpop, getarnt als aufrechter Leidensmänner-Sound, wobei der immer schon dehnbare Begriff „Independent“ nun endgültig unter die Räuber gefallen ist. Das Briefing für die Studioteams lautet: Mach mal U2 für Twens der späten Zehnerjahre!

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In dieser Liga sind 30 Seconds To Mars eine Nummer für sich. Mit ihrem schauspielernden Sänger Jared Leto, zuletzt als finsterer Firmenboss in „Blade Runner 2049“, arbeiten die Westcoastler (noch unter eine Milliarde Klicks!) an ihrem Mythos. Wer die Symbolik von Pink Floyds „The Dark Side Of The Moon“ für prätentiös hält, findet hier reichlich neues Futter. Die organisierte Fanschar besteht offenbar aus Altsprachlern, nennt sich „Echelon“ (nach einem Song) und kommuniziert mit den Musikern über das interne Webforum Acropolis.

Feierformat EDM

Die Debatten um ihre Kryptografik, die an die Außerirdischen-Kreiszeichen von Erich von Däniken erinnern, sind Legion. Und Chefguru Leto ist dabei wirklich wichtig, dass 30STM kein Anhängsel seiner Filmkarriere sei. Auftritte wurden gern mal abgesagt, wenn die örtlichen Veranstalter zu marktschreierisch seinen Hollywood-Fame bewarben.

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Ähnlich wie es die US-Unterhaltungsindustrie geschafft hat, aus Techno und House das megamassen-kompatible Feierformat Electronic Dance Music (EDM) zu immer neuen Höhen zu treiben, wird längst auch Alternative Rock zum strategischen Kommerzformat getrimmt. Schlimm oder kulturell verwerflich ist das sicher nicht, wir reden ja schließlich über Pop.

Mangelhaft ist eher das Songwriting, das von allerlei wohlfeilen Studiofinessen überbügelt wird. Letztlich sind die Klick-Rocker wohl ein Ding für Menschen des neuen Jahrtausends, kuratiert für Geburtenjahrgänge nach 1993.

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